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Deutscher Maschinen- und Anlagenbau

„Märkte nicht aufs Spiel setzen“

(Bild: Knorr-Bremse)
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Die Maschinen- und Anlagenbauer in Deutschland und Europa benötigen offene Märkte und freien Handel, um Exporterfolge erzielen und Arbeitsplätze sichern zu können. Angesichts zunehmend nationalistischer Tendenzen in Europa und in vielen anderen Regionen der Welt, fordert der VDMA daher gerade im Bundestagswahljahr 2017, dass sich die Politik stärker für den Erhalt des Freihandels und die Belange der mittelständischen Industrie einsetzt. „Mauern und Schutzzölle sind keine Lösung. Die EU und die Bundesregierung sind gefordert, jetzt eindeutig Flagge zu zeigen für das Industrieland Deutschland und damit auch für die Sicherung von Arbeitsplätzen und Wohlstand“, betonte VDMA-Präsident Carl Martin Welcker auf der Jahrespressekonferenz des Verbands in Frankfurt. Angesichts einer Exportquote von mehr als 75 % im Maschinenbau mahnte er: „In einer globalisierten Welt die Handelsschranken wieder aufzubauen, ist der falsche Weg, der am Ende alle zu Verlieren macht. Wir dürfen das Erreichte nicht leichtfertig aufs Spiel setzen und das Feld den Populisten überlassen.“

Für 2017 rechnet der Branchenverband unverändert mit einem leichten Produktionszuwachs von real 1 %. Die Belastungen aus einigen großen Entwicklungs- und Schwellenländern sollten nachlassen, die leichte Erholung in den EU-Partnerländern (ohne Großbritannien) dürfte sich fortsetzen. Andererseits drohen die Unsicherheiten in Großbritannien und den USA eher zuzunehmen. Die Exporte nach China könnten im kommenden Jahr weiter sinken. Allerdings zeigt die jüngste VDMA-Geschäftsklimaumfrage unter Mitgliedsfirmen, die in China ansässig sind, dass deren Optimismus zuletzt wieder spürbar gestiegen ist. Der Saldo von positiven und negativen Beurteilungen zur aktuellen Lage hat sich seit dem Sommer auf 18 %-Punkte verdoppelt. Offenbar rechnen die Unternehmen vor Ort damit, von den milliardenschweren Projekten der chinesischen Regierung profitieren zu können.
Für 2016 geht der Verband weiterhin von einer Stagnation der Produktion im Vergleich zum Vorjahr aus. In den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres sank die Produktion im Maschinenbau preisbereinigt um 0,7 %. Dieses Minus ging im Wesentlichen auf Arbeitstageeffekte zurück, weshalb die VDMA-Volkswirte zuversichtlich sind, dass das Minus bis Jahresende wieder ausgeglichen werden kann. Seit 2012 kommt die Produktion kaum vom Fleck. Die Kapazitätsauslastung im Maschinen- und Anlagenbau lag im Oktober bei 84,6 % und damit unterhalb des langjährigen mittleren Werts der Maschinenbauindustrie (85,9 %). Mehr als ein Viertel der Unternehmen (26 %) klagten im Oktober über Produktionsbehinderungen, die von einem Mangel an Aufträgen verursacht wurden. Auch der Weltumsatz mit Maschinen stagniert.
„Ein breit angelegter konjunktureller Aufschwung sieht anders aus – und echte Wachstumsimpulse sind nicht in Sicht“, sagte Welcker. Angesichts dieses konjunkturellen Umfelds sei es bemerkenswert, dass die Zahl der Beschäftigten im Maschinenbau weiterhin über der Marke von 1 Mio. Menschen in Deutschland gehalten wurde. Im September zählten 1.019.000 Personen zur Stammbelegschaft des Maschinen- und Anlagenbaus in Deutschland.
Der VDMA wird gerade im Wahljahr 2017 die immer weiter steigenden Belastungen im Mittelstand durch neue Regeln und die damit verbundene Bürokratie deutlich anprangern. VDMA-Präsident Welcker nannte als Beispiel für unnötig Kosten verursachende Vorschriften die Berichtspflichten für sozial und ökologisch verantwortungsvolle Unternehmensführung (Corporate Social Responsibility), die Auftraggeberhaftung im Rahmen des Mindestlohngesetzes sowie das Entgeltgleichheitsgesetz und das Teilzeit- und Befristungsgesetz. „Gerade kleine und mittlere Unternehmen bekommen immer mehr organisatorische Herausforderungen aufgebürdet“, sagte Welcker. Das koste viel Geld, das an anderer Stelle – etwa für Investitionen – fehle. „In der Politik fehlt leider häufig die Erkenntnis, dass Bürokratie auch eine Wachstumsbremse sein kann“, beklagte der VDMA-Präsident.
Allen skeptischen Stimmen zum Trotz sehen sich die Maschinen- und Anlagenbauer bei der Digitalisierung und Vernetzung der Produktion (Industrie 4.0) international in der Vorreiterrolle. Eine neue Studie der Impuls-Stiftung des VDMA zeige, dass das Thema in der Breite des Maschinen- und Anlagenbaus angekommen ist, erläuterte Welcker. Immer mehr Unternehmen verfolgten eine klare Digitalisierungsstrategie. „Die manchmal von Beratern geäußerte Kritik, der industrielle Mittelstand verschlafe Industrie 4.0, ist schlicht falsch“, betonte er. Nötig sei allerdings, dass zum Beispiel in der Personalentwicklung und der Weiterbildung der Mitarbeiter mehr getan werde. „Industrie 4.0 und Arbeit 4.0 gehören untrennbar zusammen“, sagte Welcker. Auch das Thema IT-Security benötige noch viele Anstrengungen. Der Verband hat dazu jüngst ein Pilotprojekt mit auf den Weg gebracht, das Start-up „University4Industry“, das Online-Kurse zu Industrial Security anbietet und damit Know-how in einem ganz zentralen Teil der Digitalisierung aufbaut.
„Die Digitalisierung der Industrie wird aber nur dann funktionieren, wenn die Politik die richtigen Rahmenbedingungen hierfür schafft. Wir haben in Deutschland eine Industrie, die Weltklasse ist. Was aber noch fehlt, ist eine Datennetzinfrastruktur, die Weltklasse ist und zwar nicht nur in den Großstädten, sondern vor allem auch in den ländlichen Regionen, wo viele unserer Mitglieder zuhause sind“, forderte Welcker. Darüber hinaus müsse Datensouveränität gesichert werden, also das Recht, über seine eigenen Daten frei zu verfügen. „Die teilweise vorgebrachten Ideen, Geschäftsdaten zwangsweise offen zu legen, um anderen Unternehmen den Markteintritt zu ermöglichen, sind kontraproduktiv. Datenfreibier für alle darf es nicht geben“, warnte der VDMA-Präsident.
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