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Der Kampf ums tägliche Brot

Unberechenbare Weltmärkte, Einkauf von Agrarprodukten – Lieken-Gruppe
Der Kampf ums tägliche Brot

(Foto: BilderBox.com)
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Eine Bäckerei mit über einer Milliarde Euro Umsatz braucht einen gut aufgestellten Einkauf, denn in Brot und Brötchen ist zwar viel Luft drin, damit das Gebäck locker und wohlschmeckend ist, aber in der Kalkulation ist die Luft knapp, entscheidet doch der Preis am Brotregal im Supermarkt über hopp oder top. Wenn dann noch die Rohstoffpreise Achterbahn fahren, wird es im Einkauf richtig spannend.

Der Weltmarktpreis für Weizen hat sich in den letzten beiden Jahren verdreifacht oder mehr, dennoch ist der Preis für Brot und Brötchen weitgehend gleich geblieben. Jost H. Buthmann ist Director Purchasing bei der Lieken-Gruppe und muss u. a. die Versorgung der Großbäckerei mit Rohstoffen sicherstellen. Doch die Preissteigerungen sind schwer zu kompensieren: „Die Preisentwicklung hat für uns 2007 starke Auswirkungen gehabt, bedingt durch die völlige Unberechenbarkeit der Weltmärkte. Und das betrifft nicht nur Getreide in den letzten 12–15 Monaten, sondern auch Butter und Butterfette, Öle, Körner und Saaten. Das war für uns sehr schwierig, weil diese Entwicklung nicht in gleichem Maße weiterzugeben war. Das ist mit keiner Effizienz- oder Effektivitätssteigerung aufzufangen. Diese Kostensteigerungen machten sich im Geschäftsjahr 2007 in unserem Ergebnis bemerkbar.“

Ein Ansatz, diesen volatilen Rohstoffmärkten zu begegnen, ist, die Beschaffungsseite mit ausgesuchten Lieferanten noch effizienter zu organisieren. Ein weiterer Punkt ist, das Produktportfolio in enger Absprache mit den Kunden zu optimieren und die Auslastung der Produktion effektiver und effizienter zu gestalten.
„Bei den Einkaufsverträgen nutzen wir die gesamte Klaviatur“, sagt Buthmann. „Wir haben Preise, die mit festen Zeiträumen und Mengen versehen sind, aber auch Rahmenverträge, in denen wir die Stückzahlen offen lassen, bei Leasingwäsche beispielsweise. Da weiß man im Voraus einfach nicht, wie viele Bäckerhosen wann und wo gewaschen werden müssen. Solche Rahmenverträge haben wir z. B. auch bei Verpackungsmaterialien.“
Rohstoffe werden überwiegend mit festen Mengen und festen Preisen beschafft, „das heißt unter Umständen, dass wir Sonnenblumenkerne drei- oder viermal im Jahr einkaufen. „Mit anderen Worten wir vereinbaren nicht einmal einen Lieferantenvertrag über 10 000 t, sondern z. B. fünf Mal 2000 Tonnen mit unterschiedlichen Lieferanten oder unterschiedlichen Laufzeiten“, so Buthmann. Neben dem Preis spielt selbstverständlich die beste Qualität eine bedeutende Rolle im Lieken-Einkauf. Spezielle Bio-Qualität ist bei den Rohstoffen hingegen eher von untergeordneter Bedeutung. „Generell haben wir sehr hohe Qualitätskriterien und Anforderungen an unsere Rohstoffe“, erläutert er.
Als schwierig bewertet Buthmann, dass sich die Sitten und Gebräuche im Einkauf fühlbar verändern. Die Kontrakttreue habe nachgelassen, man müsse sich sehr genau überlegen, mit wem man weltweit zusammenarbeite. Denn es nütze nichts, einen Vertrag zu haben, wenn der Lieferant dann mitteile, dass die gewünschte Menge zwar lieferbar sei, sich der Preis aber verdoppelt habe. Diese Unberechenbarkeit habe zugenommen.
Jost H. Buthmann – der Einkaufsleiter
Buthmann ist seit 2007 Einkaufsleiter der Lieken-Gruppe, zuvor war er u. a. bei Procter & Gamble und bei der Bäko-Zentrale Nord. Der Lieken-Einkauf ist als Zentraleinkauf organisiert und berichtet direkt an die Geschäftsführung der Lieken Brot- und Backwaren GmbH. Buthmann verantwortet den Einkauf der Lieken-Gruppe, teilweise wird für den Geschäftsbereich Kamps GmbH mit eingekauft, wenn sich Mengeneffekte realisieren lassen.
Gereizt hat ihn die Aufgabe, in der Gesamtverantwortung die Dinge zu bewegen, und ganz besonders die Zusammenführung dessen, was Lieken macht und dessen, was Barilla weltweit macht.
Lieken in Zahlen
Der Umsatz der Lieken-Gruppe 2007 betrug 1,2 Milliarden Euro. Die Lieken Brot- und Backwaren GmbH hat 15 Produktionsstandorte, beliefert täglich fast 20 000 Lebensmittelgeschäfte mit frischem Brot, Brötchen und Backwaren. Dafür sind bundesweit über 1000 Lastwagen unterwegs. Die Unternehmsgruppe beschäftigt über 8000 Mitarbeiter. Zur Lieken-Gruppe gehört auch die Kamps GmbH, eine Bäckerei-Filialkette mit über 900 Bäckereien. Lieken gehört seit 2002 zur Barilla-Gruppe.
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