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Der strategische Einkauf braucht ein eindeutiges Erscheinungsbild

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Im Rahmen eines modernen Einkaufsmanagements sind die Mitarbeiter/-innen im strategischen Einkauf zunehmend gefordert, als Supply Chain Manager (SCM) zu agieren. Deutet sich damit ein verändertes Rollenverständnis an? Anscheinend breitet sich der SCM-Bazillus in manchen Chefetagen ebenso wie die Fiktion eines „homo digitales“ aus.

Das begriffliche Treibhausklima verstellt die Sicht auf das Wesentliche. Es sollte in erster Linie darum gehen, den strategischen Einkauf als zukünftigen Wertgestalter im Unternehmen zu positionieren, um allen Beteiligten das notwendige Selbstbewusstsein zu geben. Es geht darum, nach innen und nach außen ein eindeutiges Erscheinungsbild des strategischen Einkaufs zu schaffen und dieses nicht durch situative und sporadisch auftauchende Wissenselemente zu vertuschen oder zu verdrängen.

Dabei steht außer Frage, dass im Rahmen eines modernen Einkaufsmanagements der strategische Einkauf als Nahtstelle zu den Beschaffungsmärkten anzusehen ist und damit quasi als Pendant zum Verkaufsmarketing fungiert. Sollte man daher dem strategischen Aufgabenbereich nicht durch die Bezeichnung „Einkaufsmarketing“ nach Innen und nach außen ein eindeutiges Erscheinungsbild geben? Ist das Selbstwertgefühl des Einkaufs im Vergleich zum Verkauf weniger ausgeprägt? Offensichtlich scheut man sich, begrifflich mit dem Verkaufsmarketing „gleichzuziehen“.

Nach wie vor erweckt es den Anschein, dass sich der Einkauf mit jedem Management- oder Kompetenz-Attribut neu erfinden muss. Damit läuft er Gefahr, seine ureigene Identität aufs Spiel zu setzen oder sogar zu verlieren. Zielsetzung der Führungskräfte im strategischen Einkauf sollte es daher sein, verkrustete Meinungsbilder und interne Interessenkonflikte durch überzeugendes, wertsteigerndes Denken und Handeln aufzulösen.

Das Dilemma ist offensichtlich: der strategische Einkauf wird zwar – generell betrachtet – als Schlüsselelement im Unternehmensgefüge anerkannt, aber dieses Rollenverständnis wird nicht durch eine eindeutige substanzielle Funktionsbezeichnung nach innen und nach außen transportiert. Das trifft im Übrigen auch auf den operativen Einkauf zu, der aufgrund seiner dispositiven und bestellabwickelnden Aktivitäten für die Funktionsbezeichnung „Beschaffungs- oder Einkaufslogistik“ prädestiniert erscheint.

Es gibt offensichtlich keinen Freifahrtschein und keine Garantie für die Wahl der „richtigen“ Funktionsbezeichnung. Als Prinzipienreiterei kann möglicherweise das Drängen danach abgetan werden. Und die explodierende Wissenswelt führt zwangsläufig auch dazu, die Aufgabenpalette des strategischen Einkaufs anzureichern und durch attributive Merkmale nach außen zu plakatieren.

Seit dem Aufgabensplitting hat sich der strategische Einkauf in den meisten Unternehmen eindeutig als Marketingfunktion und Wertschöpfungspartner etabliert. In der Vergangenheit tat man sich nicht schwer, den Einkauf als Bestellbüro abzutun. Es wäre konsequent gedacht und gehandelt, wenn man nunmehr sich mit der Bezeichnung des strategischen Einkaufs als Einkaufsmarketing gewissermaßen anfreunden könnte.

Die Profilierung des Einkaufs ist unzweifelhaft verbunden mit der Globalisierung seiner Marketingaktivitäten. Diesem eindeutig erkennbaren Trend müsste durch ein ebenso eindeutiges Erscheinungsbild Rechnung getragen werden. Sollte nach dem leichtfüßig erfolgten Aufgabensplitting nicht endlich eine unternehmerisch anspruchsvolle definitorische Bezeichnung der zu differenzierenden Einkaufskompetenzblöcke folgen?

Prof. Dr. Horst Hartmann, FH Kiel


Bild: EtiAmmos/Fotolia

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