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Die Digitalisierung wird die Logistik grundlegend verändern

Bitkom-Umfrage
Die Digitalisierung wird die Logistik grundlegend verändern

Die Inventur kann künftig auch mit Drohnen durchgeführt werden. Im Bild der Prototyp „Flybox“ von Linde Material Handling. (Bild: Linde MH)
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Nach einer Einschätzung von Bitkom erwartet eine große Mehrheit der Unternehmen in naher Zukunft den großflächigen Einsatz von Datenbrillen, Drohnen und autonomen Fahrzeugen in der Intralogistik.

Die aufwendige Inventur im Lager, der Gabelstapler, der Paletten hin und her fährt, und der Lkw, der die Bestellung zum Händler bringt, könnten schon bald Auslaufmodelle sein. Bereits in zehn Jahren wird sich die Logistik nach Ansicht einer großen Mehrheit jener Unternehmen, die heute Logistik einsetzen, völlig verändern. Drei Viertel (75 %) dieser Unternehmen erwarten, dass Datenbrillen weit verbreitet sein werden und die Beschäftigten in der Logistik unterstützen, etwa mit eingeblendeten Zusatzinformationen. Zwei Drittel (65 %) glauben, dass selbstlernende Systeme viele Aufgaben in der Logistik übernehmen werden, etwa die Planung der besten Route oder das Auslösen von Bestellvorgängen. Sechs von zehn (58 %) rechnen damit, dass autonome Drohnen die Inventur des Lagerbestands durchführen werden. Ähnlich viele (57 %) gehen davon aus, dass die Waren mit autonomen Fahrzeugen transportiert werden, Vier von zehn (42 %) sind der Meinung, dass Drohnen und Lieferroboter die Produkte sogar bis zum Kunden bringen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage unter 508 Unternehmen mit Logistikprozessen im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. „Die Logistik ist bereits heute einer der digitalsten Unternehmensbereiche“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Aber mit Drohnen, autonomen Systemen und Artificial Intelligence steht der Logistik nicht nur eine Optimierung von Geschäftsprozessen bevor, sondern eine echte Revolution.“

Drei Viertel der Unternehmen (74 %) sehen aktuell die Digitalisierung als große Herausforderung für die Logistik. Nur hohe Treibstoff- und Energiepreise werden häufiger genannt (85 %). Andere Themen wie die Rekrutierung von qualifizierten Mitarbeitern (70 %), hohe Mautgebühren (69 %) oder die Personalkosten (59 %) werden deutlich seltener erwähnt. Dabei sehen die Unternehmen die Digitalisierung als solche als Herausforderung, nicht die Kosten der Digitalisierung – diese werden nur von 15 % der Unternehmen genannt. Rohleder: „Die Unternehmen scheuen nicht vor Investitionen in die Digitalisierung zurück, aber ihnen fehlt offensichtlich das Know-how, um die digitale Transformation aktiv gestalten zu können.“ Dabei sieht die große Mehrheit der Unternehmen eine Vielzahl von Vorteilen durch digitale Technologien in der Logistik. Jeweils neun von zehn erwarten eine langfristige Senkung der Kosten (89 %) und eine Beschleunigung des Transports (86 %). Rund drei Viertel (72 %) erwarten weniger Fehler in der Transportkette und 58 % einen umweltschonenderen Transport. Die Digitalisierung insgesamt sehen 88 % als Chance, nur 11 % als Risiko.
Mehrheit setzt bereits digitale Technologien in der Logistik ein
Eine große Mehrheit der Unternehmen setzt bereits heute digitale Technologien in der Logistik ein. 84 % der Befragten nutzen spezielle Lösungen, 6 % planen konkret den Einsatz und weitere 6 % können es sich vorstellen. Besonders häufig kommen fahrerlose Staplersysteme zum Einsatz (19 %) beziehungsweise sind in Planung (26 %). Ebenfalls weit verbreitet sind smarte Container (Einsatz: 20 %, Planung: 15 %) bzw. Lagerroboter (Einsatz: 16 %, Planung: Neun %). Datenbrillen für die Mitarbeiter nutzen acht % der Unternehmen, 14 % planen den Einsatz. Intelligente Handschuhe zur Unterstützung der Mitarbeiter kommen dagegen bislang nicht zum Einsatz, nur 3 % der Unternehmen bereiten die Nutzung vor. Dagegen haben 9 % der Unternehmen zumindest einzelne 3D-Drucker im Einsatz, weitere 5 % planen dies. Sehr selten werden bislang autonome Fahrzeuge (Einsatz: 2 %, Planung: 4 %), selbstlernende Maschinen (Einsatz: 2 %, Planung 2 %) und Drohnen (Einsatz: 0 %, Planung: zwei %) in die Logistikprozesse einbezogen. „Wenn man die Zukunftsszenarien, von denen die Unternehmen überzeugt sind, mit dem heutigen Einsatz und den konkreten Planungen vergleicht, dann ist das ein Warnsignal. Wer damit rechnet, dass Zukunftstechnologien wie Drohnen, selbstlernende Systeme oder Datenbrillen bereits in zehn Jahren die Logistik bestimmen werden, der muss dafür heute die Weichen stellen und mit den Lösungen zumindest experimentieren“, so Rohleder.
Die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern müssen angepasst werden
Auch bei den digitalen Anwendungen sind vor allem Standardlösungen weit verbreitet, etwa elektronische Rechnungen (Einsatz: 72 %, Planung: 15 %) und Warehouse-Management-Systeme (Einsatz: 69 %, Planung: 10 %). Cloud Computing setzen 35 % der Unternehmen in der Logistik ein, 25  % planen es. Big-Data-Anwendungen nutzen erst 19 %, aber 26 % bereiten den Einsatz vor. Dagegen sind neue Anwendungen noch kaum verbreitet: Nur 6 % nutzen Lösungen zur vorausschauenden Wartung, lediglich 6 % planen dies. Selbstlernende Software wird in 5 % der Unternehmen in der Logistik eingesetzt, 6 % sind in der Planungsphase. Und gerade einmal 2 % nutzen Blockchain-Technologie, weitere 3  % bereiten sich darauf vor. Rohleder: „Unternehmen, die heute auf Artificial Intelligence oder Blockchain setzen, können einen deutlichen Vorteil gegenüber den Wettbewerbern bekommen. Es muss darum gehen, das entsprechende Know-how ins eigene Unternehmen zu holen und dort zu halten.“
Nach Ansicht des Bitkom ist es dazu entscheidend, den Austausch zwischen etablierten Unternehmen und Global Playern in der Logistik mit Mittelständlern und Start-ups zu forcieren. In zwei digitalen Hubs zur Logistik sollen in Hamburg und Dortmund zudem Forschungseinrichtungen und Hochschulen sowie Investoren zusammenkommen, um ganz konkret Logistikprobleme der Zukunft mit digitalen Technologien zu lösen.
In Hamburg liegt der Schwerpunkt dabei auf maritimen Logistikketten und der City-Logistik, in Dortmund auf der Intralogistik und dem Internet of Things (IoT) für die Logistik. In Hamburg wurde am 3. April der Startschuss für den Digital Hub Logistics gemeinsam vom Hamburger Wirtschaftssenator Frank Horch, der Logistik-Initiative Hamburg sowie potenziellen Partnerunternehmen gegeben. Beim Digital Hub Logistics in Dortmund geht es noch vor dem Sommer los, Hier können bereits heute interessierte Unternehmen verschiedene Technologien in der Praxis testen, zum Beispiel Drohnen in der Lagerhalle, Virtual-Reality-Anwendungen für die Logistik oder 3D-Druck.
„Mit den digitalen Hubs sorgen wir dafür, dass in den deutschen Leitindustrien, zu denen die Logistik gehört, die digitale Transformation nicht nur gelingt, sondern sie gestaltet und vorangebracht wird“, sagt Rohleder. „Wir wollen im Bereich der Logistik mit Deutschland auch in Zukunft weltweiter Leitanbieter von Lösungen und Technologien bleiben.“ Damit das gelingt, müssen aus Bitkom-Sicht neben den digitalen Hubs auch entsprechende Rahmenbedingungen entwickelt werden. ag
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