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Die Grenzen des Einkaufs

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Es gibt Gute und Böse, so ist das nun mal. Das Böse kann uns nicht schrecken – solange die Grenzen klar sind. Doch es ist schrecklich und traurig, wenn einer der Unseren, den wir immer als Vorbild gesehen haben, in den Geruch des Bösen kommt. Um es ganz klar zu sagen: Wir sehen Francisco Javier Garcia Sanz als vorbildlichen Mann für den Einkauf, der diesen vortrefflich organisiert hat, ein partnerschaftliches Verhältnis zu Lieferanten pflegt und als Mitglied des Vorstands der Volkswagen AG für die besondere Bedeutung des Einkaufs steht, welche diesem auch zukommt.

Fakt ist bisher nur, dass die Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen Garcia Sanz und drei weitere Mitarbeiter des Einkaufs wegen des Verdachts auf Verleumdung und Betrug ermittelt. Im Raume steht der Vorwurf, der VW-Konzern habe „leichtfertig falsche Informationen“ über einen Zulieferer verwendet. Daraufhin hat der Zulieferer keine Aufträge mehr bekommen und fühlt sich so „in den Konkurs getrieben“, wie er selbst angibt. Hellhörig macht uns außerdem die Mitteilung der Staatsanwaltschaft, ähnliche Vorwürfe gegen Unternehmen kämen immer wieder vor.
Klar ist, trotz des unglücklichen Zeitpunkts, dass diese Sache nichts mit den anderen unangenehmen Geschichten zu tun hat, mit denen sich der VW-Konzern gerade herumplagen muss. Klar ist auch, dass hier kaum kriminelle Energie dahinter stecken kann, allenfalls Irrtum, Versehen oder Schlampigkeit. Der Einkauf hat nichts davon, wenn ein Lieferant pleite geht. Außer Arbeit.
Die Crux ist vielmehr das Lieferantenmanagement an sich. Ein wichtiges Instrument, kein Zweifel. Über Lieferanten sensibler Teile muss der Einkauf heute einfach ganz genau Bescheid wissen, will er sein Unternehmen nicht unnötigem Risiko aussetzen. Lesen Sie dazu auch den Fachbeitrag über Risikomanagement auf Seite 25.
Heikel wird es, wenn Lieferantenmanagement bedeutet, in die Kalkulation der Lieferanten einzugreifen. In der Kalkulation steht am Ende der Verkaufspreis, der die Gewinnmarge einschließt. Und die unterliegt dem Ermessen des Lieferanten, der ja meist unternehmerisch tätig ist. Alles andere regelt der Markt. Soll heißen, scheint uns der Preis zu hoch, kaufen wir eben woanders. Die Sache des Einkaufs ist „Buy“ und nicht „Make“. Kalkulieren wir dem Lieferanten die Sache vor, könnte er zu Recht sagen: „Dann mach´s doch selbst!“
Vorausgesetzt, er kann es sich leisten so etwas zu sagen. Hinter der „Schattenkalkulation“, mit der der Lieferant konfrontiert wird, steht nämlich Einkaufsmacht. Und wo Einkaufsmacht herrscht, wie eben bei Volkswagen und anderen Großen, besteht die Gefahr des Irrtums und des Missbrauchs. Daher sollte sich auch der Einkäufer klare Grenzen setzen.
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