Startseite » Allgemein »

Digitalisierung: Die Zukunft ist jetzt

Digital Workplace: Wie sieht der Arbeitsplatz der Zukunft aus?
Digitalisierung: Die Zukunft ist jetzt

Anzeige
„Wie sieht der Arbeitsplatz der Zukunft aus?“, fragen sich viele Unternehmen. Auf die Einladung des Personaldienstleisters für IT-Freelancer Etengo haben sich Digitalisierungsexperten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gewerkschaft über die Umwälzungen der Arbeitswelt ausgetauscht. Welches Risiko überwiegt? Die Chancen der Digitalisierung zu versäumen, oder durch einen unstrukturierten Wandel alle diejenigen potenziell auszugrenzen, die das Tempo nicht mitgehen können? Bei aller Skepsis überwog der Optimismus: Die Digitalisierung kann ein großer Erfolg werden – und wenn wir es gut machen, ein Erfolg für alle. Allerdings nur, wenn wir sie gestalten.

Der Wandel finde bereits seit Langem unaufhaltsam statt – nur leider eher in anderen Gegenden der Welt. Denn in Deutschland herrschen Bürokraten und BWLer, die die Programmierer und Kreativen an der Arbeit hindern, erklärt Prof. Dr. Gunter Dueck, ehemaliger CTO der IBM Deutschland und Bestseller-Buchautor. Bevor man etwas erfindet, will man schon mal alle potenziellen Auswirkungen gesetzlich regeln. Statt zu programmieren, wird nur gespart und verkauft – und die kreative Arbeit der Entwickler, bei der ja der Fortschritt entsteht, wird nach Indien ausgelagert, weil das billiger ist. Kann es da in Zukunft noch die Kreativität geben, die Deutschland für die Digitalisierung braucht? Viele verstehen die disruptive Natur dieses Wandels nicht – so die Meinung Duecks. Als Beispiel nennt er die Visualisierungen selbstfahrender Autos, wie sie von den etablierten Autoherstellern veröffentlicht werden. Sie zeigen derzeit noch ein Auto, wie wir es seit Langem kennen – mit Motorhaube, viel Blech und Insassen, die nach vorne schauen. Das selbstfahrende Auto kann und sollte allerdings radikal anders aussehen. Da die Unfallgefahr gleich null ist, könnte es aus Pappe gebaut werden, die Mitfahrer müssten nicht mehr auf die Straße schauen und die Elektrobatterie müsste mit den herkömmlichen Verbrennungsmotoren nichts mehr zu tun haben – also könnte auch die Karosserie ganz anders aussehen. Wer aber nicht aus seinen eingefahrenen Bahnen ausbrechen kann, wird auf so eine Idee nicht kommen.

Freiräume sind wesentliche Voraussetzung

Deshalb bricht Dueck eine Lanze für kreative Freiräume, die Menschen in Unternehmen brauchen, um Produkte und Geschäftsmodelle wirklich neu und zukunftsfähig denken und entwickeln zu können. Seine These: Die Menschen müssen glücklich sein, um gut arbeiten zu können. Sie brauchen Zeit, um Neues auszuprobieren. Dafür müssen die Verantwortlichen auch in Kauf nehmen, dass neue Ideen zunächst einmal Verlust machen. Dies sind notwendige Aufbaukosten, damit der Wert einer Idee im weiteren Verlauf ihrer Entwicklung steigen kann. Eine zu starke rechtliche Reglementierung und auch der Fokus auf reine Gewinnmaximierung sind dabei laut Dueck hinderlich und würgen jegliche Kreativität ab. Es muss darum gehen, zunächst einmal wirklich neue Ideen zu entwickeln, die den Benutzer und seine Erwartungen in den Mittelpunkt rücken.

In diesem Punkt ist sich Dueck mit Jonas Gottschalk, verantwortlicher Produktentwickler bei der Leap in Time GmbH, einem Forschungsinstitut, das sich mit der ganzheitlichen Betrachtung zur Zukunft der Arbeitswelt beschäftig, einig. Auch Gottschalk plädiert für Übungsräume, in denen die Menschen neue Technologien ausprobieren und aus ihnen heraus Neues entwickeln können. Um ihre Zukunftsfähigkeit zu sichern, müssten Unternehmen diese Räume – sowohl örtlich als auch zeitlich – schaffen. In ihrer Darmstädter Zukunftsstudie (2016) haben Gottschalk und seine Kollegen den Future Work Navigator entwickelt, der die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen misst, und herausgefunden, was die Voraussetzungen sind, um diesen Faktor in hinreichendem Maße zu entwickeln. In digitale Technologien zu investieren – aktuell zum Beispiel Roboter sowie 3-D-Brillen und -Drucker – bilden dabei die Grundlage. Um diese zu nutzen, braucht es jedoch noch mehr, darunter kreativitätsfördernde Bürokonzepte und vor allem Führungskräfte, die ihren Mitarbeitern die nötigen Freiräume geben. Hierarchische Führung, wie wir sie kennen, hat Gottschalk zufolge ausgedient.

Der Future Work Index

Gottschalk fasste ein weiteres Ergebnis der Studie so zusammen: Es wird viel über Digitalisierung geredet – aber wenig gemacht. Dies ist auch sein Kernstatement zum Arbeitsplatz der Zukunft: Aufhören, darüber zu reden – und einfach mal machen. Deutsche Unternehmen sind sehr gut darin, Bestehendes zu optimieren – das ist gut und wichtig. Gleichzeitig ist es aber ebenso wichtig, sich regelmäßig neu zu erfinden. Nur wenn Unternehmen beides tun, sind sie zukunftsfähig.

Für eine Diskussion saßen neben Gottschalk und Dueck auch IT-Unternehmer Fabian Henrichsen, Vorstandsvorsitzender der Henrichsen AG, und Hilmar Höhn, Leiter der Abteilung Politik bei der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie. Die Diskussion erörterte die Frage, ob und wie Unternehmen, Arbeitnehmer und die Gesellschaft gleichermaßen von der neuen, digitalen Arbeitswelt profitieren können. Aus Sicht von Hilmar Höhn ist es dazu unerlässlich, Innovation und Bildung stärker zu verzahnen. Für ihn bedarf es einer Reihe von sozialen Reformen und Innovationen, die den Strukturwandel in die digitalisierte Gesellschaft begleiten. Menschen, die man nicht durch Weiterbildung in die neu entstehenden Berufe bringen könne, müsse die Gesellschaft anderweitig auffangen, etwa über die Sozialversicherung oder neue Modelle wie eine Robotersteuer. Das vorrangige Ziel aber müsse es sein, Menschen über Bildung für die Arbeitswelt von heute und morgen zu qualifizieren.

Höhn widersprach an dieser Stelle dem Freiraum-Konzept von Dueck und Gottschalk. Denn um die Transformationen mitgehen zu können, bräuchten die Menschen verlässliche Rahmenbedingungen und Regelungen.

Den Change begleiten

Fabian Henrichsen betonte, wie wichtig es sei, die Mitarbeiter in der Veränderung mitzunehmen und ihnen Neuerungen gut zu erklären. Dann hätten die Sachbearbeiter in der Buchhaltung beispielsweise auch keine Angst um ihre Zukunft. Dabei gehe es vor allem darum, den Mitarbeitern die Zielsetzung der Digitalisierung aufzuzeigen, Fehlerquellen zu reduzieren und frei werdende Kapazitäten letztlich für wertschöpfendere und damit meist auch qualitativ hochwertigere Tätigkeiten einsetzen zu können.

„Wissen ist Macht“ war gestern

Laut Henrichsen sind IT und HR die Schlüsselfunktionen, die die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen sichern. Die Rolle der IT sei es zunehmend, die Menschen zu befähigen und notwendige Informationen bereitzustellen. Denn die Aussage „Wissen ist Macht“ gelte nicht mehr: Das Wissen kann die Technik heute mit einem Klick bereitstellen. Wir müssten daher lernen, mit dem vorhandenen Wissen intelligent umzugehen. In der Welt von heute und morgen müsse man die Dinge ausprobieren und anwenden. Hier gelte der Satz „Erfahrung ist Macht“. Neben der IT müsse die Personalabteilung zum strategischen Business Partner werden, mit der Aufgabe, Netzwerke zu pflegen und – je nach Projektanforderung – die richtigen Leute zusammenzubringen.

Grenzen verschwimmen

In Folge der fortschreitenden Digitalisierung verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben zunehmend. Dies gelte es sinnvoll einzudämmen: Für gute Arbeit brauche es ausreichend Ruhephasen. Wie diese zu gestalten sind, darüber jedoch gingen die Meinungen auseinander: Gottschalk hält „digitale Sperrstunden“ für nicht sinnvoll – die Menschen müssten selbst entscheiden können, wann sie ihre Ideen entwickeln möchten. Hilmar Höhn hält das klassische Modell – acht Stunden Arbeit, acht Stunden Leben, acht Stunden Schlafen – durchaus noch für zeitgemäß. Denn dauernde Überstunden und ständige Erreichbarkeit führten zu sozialer Deformation. „Wer Samstagabend um 22 Uhr noch von seinem Chef angerufen werden möchte, der hat meiner Meinung nach ein interessantes Verhältnis zu seiner Arbeit“, meinte Höhn sarkastisch. Und auch Dueck denkt eher klassisch. Er habe zu seinen Zeiten bei IBM immer pünktlich um halb fünf Feierabend gemacht. Seiner Meinung nach gehe es nicht um langes Arbeiten, sondern um gutes Arbeiten: „Wer wirklich gut ist, muss nicht lange arbeiten.“


Um die digitalen Technologien zu nutzen, braucht es Unternehmen, die bereit sind, umzudenken und sich regelmäßig neu zu erfinden.“

Nikolaus Reuter


Es braucht soziale Innovationen damit die Gesellschaft in der disruptiven Welt bestehen kann.“Fabian Henrichsen, Vorstandsvorsitzender der Henrichsen AG

Anzeige
Aktuelles Heft
Titelbild Beschaffung aktuell 09
Ausgabe
09.2020
PRINT
ABO
Newsletter

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

Webinare & Webcasts

Technisches Wissen aus erster Hand

Whitepaper

Hier finden Sie aktuelle Whitepaper

Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de