Elektronische Marktplätze erfolgreich einsetzen

Erfolgsfaktoren virtueller Marktplätze

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Elektronische Marktplätze setzen sich immer mehr als ein neues Instrument der Beschaffung durch. Die Herausforderung lautet, Marktplätze zu finden, mit denen die unternehmensspezifischen Anforderungen erfüllt werden. Dazu muss das Unternehmen zunächst einmal eine realistische Strategie hinsichtlich des Marktplatzengagements verfolgen und sich über die Konsequenzen für die Organisation des Unternehmens im Klaren sein.

Dr. Jörg Sander

Mit elektronischen Marktplätzen lassen sich signifikante Preisvorteile für beschaffende Organisationen und eine deutliche Steigerung der Prozess-Effizienz sowohl auf Einkaufs- als auch auf Anbieterseite erzielen. Viele Unternehmen beschäftigen sich deshalb mit den neuen Möglichkeiten, die durch E-Markets gegeben werden. Gleichzeitig gibt es bei Unternehmen eine große Unsicherheit: Stellen E-Markets nun wirklich neue Technologien und Dienstleistungen dar, die maßgebliche und bleibende Bedeutung für den Einkauf der Unternehmen besitzen, oder haben sie es hier mit verkaufsorientierten Übertreibungen ohne unternehmerische Relevanz zu tun?
Ein Blick auf die elektronischen Marktplätze z.B. in der Investitionsgüterindustrie vermittelt ein heterogenes Bild. Es gibt zahlreiche E-Markets, die jeweils einen anderen Schwerpunkt gewählt haben und sich hinsichtlich des Umfangs der Prozessunterstützung (Entwicklung, Beschaffung, Produktion und Absatz) sowie der Phasenunterstützung (Information, Vereinbarung und Abwicklung) unterscheiden. Keiner der Marktplätze bietet den Maschinen- und Anlagenbauern eine vollständige Unterstützung sämtlicher Geschäftstransaktionen an. Auch entstehen ständig neue E-Markets, genauso wie wenig erfolgreiche Marktplätze rasch wieder verschwunden sind. Die Landkarte muss regelmäßig aktualisiert werden.
Dynamische Entwicklung von E-Markets
Die Unsicherheit wird dadurch unterstützt, dass, kaum dass klar wird, welche Leistungen die erste Generation von E-Markets beinhaltet, schon die nächste Generation diskutiert und entwickelt wird. Aus öffentlichen Marktplätzen für einfache Geschäftstransaktionen (Stichwort: Warenkorb) und einem prinzipiell unbeschränkten Teilnehmerkreis erwachsen aufgrund des höheren Rationalisierungspotenzials bei größeren Geschäftsvolumen und bestehender komplexer Verflechtungen Plattformen für private Marktplätze.
Bei privaten E-Markets organisieren marktbestimmende Unternehmen die vielfältigen Geschäftsbeziehungen zu ihren Partnern in der Wertschöpfungskette über eine gesicherte Plattform nach einheitlichen Standards. Beispiele für diese Entwicklung sind Systeme zur durchgängigen unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit bei Konstruktion und Entwicklung oder bei der mehrstufigen Abstimmung von Beschaffungs- und Produktionsaktivitäten im Rahmen des Supply Chain Managements. Die Mehrheit der Unternehmen beschäftigt sich nach einer Diebold-Umfrage mit Marktplätzen der ersten Generation, die zweite Generation ist in den eng verflochtenen Branchen wie der Automobilindustrie schon bzw. wird in den nächsten zwölf Monaten ein beherrschendes Thema werden.
Die Unsicherheit über die weiteren Entwicklungen bereitet vielen Unternehmen reichlich Unbehagen: Sie stehen vor wichtigen Weichenstellungen für die Zukunft des Unternehmens. Wichtig ist eine konsequente Strategie hinsichtlich der neuen Chancen von E-Markets, die durch kurzfristige Trends nicht beeinflusst, sondern unterstützt wird.
Drei Fragen sollten sich die Unternehmen hinsichtlich E-Markets und vor einem ausgeprägten Engagement in die neue Technologie unbedingt stellen:
  • 1.Welche neuen strategischen Chancen bieten E-Markets wirklich?
  • 2.Wie wirken sich E-Markets auf die Gestaltung des Unternehmens aus?
  • 3.Welche Anforderungen sollten Unternehmen an E-Markets stellen?
Jede dieser Fragen ist mit zahlreichen Aspekten verbunden, die in der Übersicht dargestellt sind.
In diesen Beitrag werden die einzelnen Aspekte näher untersucht. Die Ausführungen basieren auf dem Leitfaden Internetmarktplätze, den die Management- und Technologieberatung Diebold gemeinsam mit dem Verband der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) erstellt hat.
Strategische Entscheidungen zu E-Markets
Elektronische Marktplätze bieten eine große Chance, um Wettbewerbsvorteile hinsichtlich Kostenstruktur, Geschwindigkeit und Differenzierung des Angebotes zu erlangen. Hierzu muss eine klare strategische Position vorliegen und Antworten auf eine ganze Reihe von marktplatzrelevanten Fragen gefunden werden.
Als erstes ist es wichtig, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, welche Produkte und Dienstleistungen über E-Markets ein- bzw. verkauft werden können. Die erste zentrale Frage lautet deshalb: „Welche Produkte und Dienstleistungen können über E-Markets gehandelt werden?“
Hier ist zunächst einmal die Differenzierung in direkte bzw. indirekte Güter sowie Dienstleistungen aus Anbieter- und Nachfragersicht. Über E-Markets können marktgängige, standardisierte und indirekte Güter sehr gut gehandelt werden. E-Markets bieten sich hier unter dem Aspekt der Reduzierung der Prozess- und Systemkosten als Alternative zu eigenbetriebenen E-Procurement-Systemen an (Outsourcing). In Entwicklung sind E-Markets, auf denen auch komplexe Komponenten beschrieben und beschafft werden können.
Bei der zweiten Entscheidung steht die Frage „in welchem Umfang können E-Markets eingesetzt werden?“ im Mittelpunkt. Hier gibt es die Möglichkeit, den Marktplatz als Kommunikations-, Marketing-, Transaktions- oder Entwicklungsplattform einzusetzen. Die Plattformen unterstützen die Informationsphase (Marketing- bzw. Entwicklungsplattform), die Vereinbarungsphase und die Beschaffungsphase, wobei der Fokus zur Zeit klar auf der Unterstützung der Transaktionsphase indirekter Produkte liegt.
Abzusehen, aber erst in Ansätzen realisiert, ist, dass E-Markets unterschiedlicher Spezialisierungen zukünftig zusammenwachsen werden und den Unternehmen ein umfangreiches softwaregestütztes Dienstleistungsangebot in allen Phasen eines unternehmensübergreifenden mehrstufigen Geschäftsprozesses (z.B. integrierte Abbildung der Prozessschritte Planung, Ausschreibung, Kalkulation, Angebotserstellung, Vergabe, Beschaffung, Projektsteuerung bei Bauleistungen) bieten werden.
Mit der dritten Frage „Wie können die Marktplatzaktivitäten gestaltet werden?“ wird das Beteiligungsmodell geklärt. Das richtige Beteiligungsmodell kann allerdings nicht im Sinne einer Erfolgsrezeptur vorgegeben werden.
Grundsätzlich können drei Beteiligungsmodelle differenziert werden:
–Der Aufbau eines eigenen Marktplatzes,
–der Aufbau eines Marktplatzes in einer Kooperationspartnerschaft und
–die Teilnahme an einem bestehenden Marktplatz.
Die Teilnahme an einem bestehenden Marktplatz ist anfänglich die kostengünstigste Lösung. Bei diesem Vorgehen besteht die Herausforderung darin, einen Marktplatz zu finden, der die unternehmensspezifischen Anforderungen weitgehend erfüllt. Im Bereich der direkten Güter und der Dienstleistungen ist es wichtig, dass unternehmensspezifische Anforderungen an die Marktplatzfunktionalitäten in Abhängigkeit der Fertigungsprozesse, der Produktstruktur und Qualitätsanforderungen abgebildet werden, z.B. im Hinblick auf die Lieferantenauswahl, die Ausschreibungsmodalitäten und Funktionalitäten (z.B. mehrpositionale Ausschreibungen bei komplexen Halbfabrikaten).
Die nächste Entscheidung gilt der Frage: „An wie vielen E-Markets sollte man sich beteiligen?“ Die Teilnahmestrategie eines Unternehmens an E-Markets ist abhängig von den Produkten und Dienstleistungen, die über E-Markets gehandelt werden sollen. Auch hier gilt wieder, dass die Strategie unternehmensabhängig ist.
Tendenziell gilt: Die Beschaffung indirekter Güter sollte über einen Marktplatz abgedeckt werden. Ab einer gewissen Bestellhäufigkeit ist eine ERP-Anbindung zu dem Marktplatz zwingend notwendig, damit die Bestellungs- und Rechnungsabwicklung ohne manuelle Zwischenstufen im ERP-System des Unternehmens nachgehalten werden kann.
Die Beschaffung direkter Güter ist über einen oder wenige Marktplätze abzudecken (Transparenz, Überblick). Wichtig hierbei ist die Bindung und Integration der wichtigsten Zulieferer des Unternehmens an diesen Marktplatz und die möglichst optimale Spiegelung der Unternehmensprozesse in den Marktplatzfunktionalitäten. Auf der Anbieterseite ist es sinnvoll, an allen E-Markets teilzunehmen, über die wichtige und strategische Kunden einkaufen. E-Markets, an denen potenzielle und als prioritär zu gewinnende Kunden beteiligt sind, eignen sich des Weiteren als neue Vertriebsorte, soweit die Marktplatzstrategie der Kandidaten als passend bewertet wurde.
Die vorhandenen Produkte und Dienstleistungen können häufig nicht ohne weiteres über E-Markets gehandelt werden. Sie müssen E-Market-tauglich aufbereitet werden, z.B. müssen die Produkte und Dienstleistungen in standardisierten Datenformaten beschrieben werden, damit sie in Katalog-Systemen zu integrieren sind. Es geht um die Frage: „Welche Auswirkungen haben E-Markets auf Produkte und Dienstleistungen?“ Hier spiegelt sich der Trend „Service statt Material Ressource Planning und Kundenorientierung statt Produktlastigkeit“ wider.
In vielen Branchen, z.B. dem Maschinen- und Anlagenbau oder der chemischen Industrie, ist es auf Grund des existierenden Preisdrucks und der zunehmenden technischen Vergleichbarkeit der Produkte notwendig, ein Produkt einschließlich ergänzender Dienstleistungen zu verkaufen. Zum Verkauf z.B. einer Druckmaschine gehört nicht nur die Maschine, sondern die Inbetriebnahme, die Wartung und der Kundenservice, die Lieferfähigkeit von Ersatzteilen, die Mitarbeiterschulung auf Kundenseite etc.
Auf der anderen Seite lassen beschaffungsorientierte Marktplätze meistens nur die verkürzte Sicht auf technische Produktbeschreibungen und einfache Produktinformationen (z.B. logistische Angaben, Verfügbarkeit) nach einem (Marktplatz-)Standard zu. Die Entscheidung zur Teilnahme an bzw. Mitentwicklung von Marktplätzen oder zur Entwicklung einer eigenen, funktional erweiterten Lösung muss daher unter marketingstrategischen Gesichtspunkten und entlang der Produkt- und Vertriebsstrategie erfolgen. Tendenziell wird sich eine eigene bzw. eigenbestimmte Lösung eher bei einem komplexen Produkt-/Dienstleistungsmix mit hohem Serviceanteil lohnen.
Auswirkungen von E-Markets
Die Nutzung von E-Markets im Rahmen der Internet-basierten Beschaffung ist ein Instrument, das viele Unternehmen heute bereits nutzen. Doch damit allein ist es nicht getan: Wer E-Markets einführen will, wird Anpassungen in den Prozessen, bei der Organisation, bei den Mitarbeitern sowie in der Informationstechnologie vornehmen müssen. Die konsequente Einführung von E-Markets ist sehr komplex.
Zunächst geht es um die Beschreibung der Prozesse: „Welche Auswirkungen haben Marktplatzlösungen auf die Geschäftsprozesse?“. Durch die Nutzung von katalog-/transaktionsorientierten E-Markets kann ein großer Teil der operativen und auch ein Teil der strategischen und taktischen Beschaffungsprozesse unterstützt werden. Viele Prozessschritte, wie z.B. das Genehmigungsverfahren, können erheblich beschleunigt werden. Das bedeutet aber auch, dass der effektive Einsatz von E-Markets die entsprechende (Um-)Gestaltung der Geschäftsprozesse erfordert. Häufig wird in diesem Zusammenhang eine neue Business Process Reengineering-Welle prognostiziert, bei der nun die Gestaltung der zwischenbetrieblichen Prozesse im Mittelpunkt steht.
Sind die E-Markets-Prozesse beschrieben, ist festzulegen, welche Mitarbeiter welche Prozesse auslösen und durchführen dürfen. Es gilt Verantwortlichkeiten, Befugnisse, Kompetenzen, Unterschriftsberechtigungen etc. festzulegen: „Wie wirken sich E-Markets auf die Organisation der Beschaffung aus?“
Durch E-Markets ergibt sich – wie bei E-Procurement generell – für die Einkäufer zum einen eine Entlastung, da Bedarfsträger nun direkt bestellen können, zum anderen erweitert sich aber auch das Aufgabenprofil. Es erfolgt eine Kompetenzverschiebung hin zu den Bedarfsträgern und Fachabteilungen, da die Bestellungen nicht mehr den Weg über den zentralen Einkauf zur Genehmigung nehmen, sondern vom Mitarbeiter selbst über einen elektronischen Marktplatz oder über einen im Intranet hinterlegten Katalog geplant, genehmigt, ausgelöst, verfolgt und gebucht werden können.
Eine organisatorische Einheit Einkauf wird dadurch aber nicht überflüssig, ganz im Gegenteil: Die Aufgabenstellung des Einkaufs wird insgesamt anspruchsvoller und erhält eher taktisch-strategischen Charakter. Um kostenoptimierte Vorgehensweisen im Unternehmen voranzutreiben, wechselt die Rolle des Einkaufs von einer reaktiven (Einkaufsbüro) hin zu einer aktiven bei der Gestaltung unternehmensübergreifender Wertschöpfungsprozesse im Rahmen von Konzepten zur Kostenoptimierung und Qualitätssteigerung. Diese Tendenz wird bei der nächsten Generation der E-Markets, den privaten E-Markets, gefestigt werden.
Ob die identifizierten Potenziale, die mit Nutzung von E-Markets einhergehen, tatsächlich realisiert werden, hängt im Wesentlichen von der Fach-, Methoden- und Sozialkompetenz, der individuellen Flexibilität und der Motivation der Mitarbeiter ab: „Welche Anforderungen werden an Ihre Mitarbeiter gestellt?“
Die Anforderungen steigen dahingehend, dass sie auf der einen Seite mit der zunehmenden Dynamik der technischen Neuerungen Schritt halten und sich das E-Markets-Know-how aneignen müssen. Auf der anderen Seite sollten sie durch vermehrte Kreativität die Innovationsfähigkeit des Unternehmens steigern. Als Voraussetzung hierfür sind seitens des Unternehmens die entsprechenden Grundlagen hinsichtlich Schulungskonzepten, Ausdehnung von Verantwortlichkeiten, Einführung moderner Anreizsysteme und Anpassung der Personalpolitik (Stichworte: Gehaltsstruktur, Einstellungsbedingungen und Positionierung des Einkaufs im Unternehmen) zu schaffen und zu fördern.
Der vierte wesentliche Einfluss von E-Markets auf die Unternehmen betrifft die IT: „Welche Anforderungen stellen E-Markets an die Informations- und Kommunikationssysteme?“
Da sich die meisten Unternehmen mit der Nutzung von E-Markets noch in der Erprobungsphase befinden, erfolgt die Eingabe von Daten manuell oder teilautomatisiert. Hat sich das Unternehmen für eine dauerhafte Zusammenarbeit mit einem Marktplatzanbieter entschieden, gilt es, die Informationstechnologie des Unternehmens an den Marktplatz anzudocken. Hierfür gibt es verschiedene Szenarien, die sich in ihrer Intensität unterscheiden – von der Minimalanbindung bis hin zur Vollintegration von Kunden und Lieferanten. Dies ist der Punkt, an dem die Grenzen zwischen dem eigenen Unternehmen und dem Marktplatz aufweichen.
Anforderungen an E-Markets
Nach der Wahl potenziell interessanter E-Markets und Überprüfung ihrer strategischen Relevanz für das eigene Geschäft sowie der Auswirkungen auf das Unternehmen gilt es, die E-Markets auf Herz und Nieren zu prüfen und die passenden Marktplätze herauszufiltern. Dazu sind folgende Gesichtspunkte wichtig:
Die erste Frage lautet: „Wie sehen die finanziellen, personellen und konzeptionellen Rahmenbedingungen des Marktplatzes aus?“ Die Rahmenbedingungen des Marktplatzes umfassen u.a. finanzielle Aspekte, Qualität und Erfahrung des Managements, Anzahl und Qualität der Teilnehmer, Marketing sowie Zukunftssicherheit. Diese Punkte sind kritische Erfolgsfaktoren eines erfolgreichen Marktplatz-Engagements.
Eines der wichtigsten Merkmale eines elektronischen Marktplatzes ist das Angebot von unterschiedlichen Transaktionsmechanismen in der Vereinbarungsphase. Die zentrale Frage lautet: „Werden die wichtigen Transaktionsmechanismen vom E-Market unterstützt?“ Abhängig von der Art des Geschäftes, das abgewickelt werden soll, kommen unterschiedliche Mechanismen infrage. Viele Marktplätze bieten auch mehrere Services oder Mischformen an, z.T. auch offline in Form von Artikel- und Preisanfragen per Fax an Lieferanten.
Ist festgelegt, welche Produkte oder Dienstleistungen zu welchem Preis gekauft bzw. verkauft werden, müssen die Zahlung und der Versand der Produkte realisiert werden: „Welche Unterstützung bietet der Marktplatz bei der Zahlung und dem Versand der Produkte?“
Bevor die Möglichkeit geschaffen wurde, unternehmenseigene Systeme und Kataloge an ein firmenübergreifendes Netz anzubinden, spielte es keine Rolle, dass jedes Unternehmen seine eigenen Katalogformate verwendete. Seitdem man aber versucht, über Marktplätze Systeme Kunden und Lieferanten miteinander zu verbinden, ist es zwingend notwendig geworden, eine gemeinsame Sprache zu sprechen. Dies ist Aufgabe des Content-Managements. Deshalb ist die kritische Frage: „In welchem Umfang wird das Content-Management unterstützt?“ wichtig.
Eine weitere wichtige darüber hinausgehende Frage ist die Anbindung des Marktplatzes an die eigenen ERP-Systeme: „Welche Möglichkeiten bietet der Marktplatz zur Systemintegration?“ Bevor sich ein Unternehmen für eine Systemintegration entscheidet, sollte der Marktplatz erst eingehend getestet werden, denn mit einer Systemintegration entstehen dem Unternehmen erhebliche Aufwände. Häufig sind diese Kosten höher als die Ausgaben für das eigentliche Marktplatz-Engagement. Der Marktplatz sollte deshalb erfolgversprechend sein und sehr genau auf die spezifischen Anforderungen der Branche und des Unternehmens eingehen. Klarer Vorteil einer Anbindung ist die papierlose Abwicklung einer Transaktion. Medienbrüche, die zeit- und kostenintensiv sind und grundsätzlich das Risiko von Fehleingaben erhöhen, können damit eliminiert werden.
Das Thema Sicherheit hält noch viele Unternehmen davon ab, das Internet umfassend als Transaktionsmedium einzusetzen. Grundsätzlich gilt, dass Integritäts-, Authentizitäts- und Zugriffssicherheit heute technisch in für den normalen Geschäftsverkehr ausreichendem Maße zu garantieren sind. Hier ist zu prüfen: „Hat der Marktplatzanbieter Sicherheitsvorkehrungen gemäß Stand der Technik getroffen und wird der Sicherheitsgrad sichergestellt?“
Durch umfangreiche Support-Funktionen des E-Markets kann dessen Mehrwert deutlich gesteigert werden. Insbesondere in der Startphase, in der die meisten Anbieter und Nachfrager noch nicht mit dem neuen Absatz- oder Beschaffungskanal vertraut sind, qualifiziert sich ein E-Market durch eine ausgeprägte Unterstützung: „Welchen Support für die Teilnehmer bietet der Marktplatz?“ Supportleistungen werden hier als Bündel von Beratung bis hin zur Hilfe bei technischen Problemstellungen verstanden.
Trichtermodell zur Auswahl von E-Markets
In der Grafik ist das Trichtermodell zur Auswahl von E-Markets nach den Anforderungen der Unternehmen dargestellt. Die in Frage kommenden E-Markets werden dabei mit definierten Kriterien stufenweise eingeschränkt, bis sich die für das Unternehmen geeigneten Marktplätze herauskristallisieren. Dabei müssen strategische Entscheidungen und die Auswirkungen auf die Unternehmen berücksichtigt werden. Die Diebold Management- und Technologieberatung und der VDMA haben zu diesem Schema Checklisten zusammengestellt. Die auf den Maschinen- und Anlagenbau ausgerichtete Studie kann auf die meisten Branchen übertragen werden.
Voraussetzung für die Anwendung des Trichtermodells ist, dass die große Zahl existierender Marktplätze zunächst sinnvoll eingeschränkt wird. Dazu gibt es im Internet die kostenlose Möglichkeit z.B. bei BAeXpert (www.baexpert.de).
Ausblick
E-Markets entwickeln sich zu Drehscheiben der Supply Chain und werden ein umfangreiches Dienstleistungsangebot in allen Phasen der Transaktion eines Marktplatzes bieten. Mit der Funktionserweiterung einher geht die konzeptionelle Umorientierung der E-Markets hin zu privaten E-Markets. Die Bedeutung der öffentlichen E-Markets wird dadurch nicht geringer: Als zentrales Koordinationsinstrument steigt die Bedeutung im Sinne von Meta-Marktplätzen, die sicherstellen, dass die privaten E-Markets untereinander kommunizieren können und Leistungen für private Marktplätze bereitstellen.
Für viele Unternehmen bedeuten E-Markets eine große Chance, wenn sie eine klare Strategie verfolgen. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass E-Markets unternehmensinterne und -übergreifende Prozesse massiv verändern und organisatorische Strukturen nachhaltig wandeln werden. E-Markets können nur dann sinnvoll eingesetzt werden, wenn sie den Anforderungen der Unternehmen gerecht werden. Wie bei jedem Informationssystem gilt auch hier der alte Lehrsatz: „Structure follows Strategy“.
Empfehlungen für das Marktplatz-Engagement
  • 1.Marktplätze nutzen die neuen Möglichkeiten des Internets. Bei der Entwicklung stehen sie jedoch noch am Anfang. Analysieren Sie sorgfältig die Möglichkeiten für Ihr Unternehmen! Welche Produkte und Dienstleistungen sollen über den Marktplatz gehandelt werden? Welche Rolle wollen Sie einnehmen? Arbeiten Sie den Nutzen für Ihr Unternehmen heraus!
  • 2.Vergessen Sie nicht: Marktplätze stellen nur eine zusätzliche Option dar. Vernachlässigen Sie nicht die üblichen Schnittstellen zu Ihren Kunden und Lieferanten!
  • 3.Der Marktplatz sollte sehr genau auf die spezifischen Anforderungen der Branche und Ihres Unternehmens eingehen. Sprechen Sie mit dem Marktplatzbetreiber und machen Sie sich ein persönliches Bild von der Fachkompetenz! Lassen Sie sich Referenzen geben und sprechen Sie mit den Referenzunternehmen!
  • 4.Die Attraktivität eines Marktplatzes ist abhängig von der Anzahl und Größe der aktiv teilnehmenden Firmen. Allein die Anzahl der auf dem Marktplatz gelisteten Unternehmen ist nicht aussagekräftig genug. Überprüfen Sie zudem die Anzahl der Aktionen von Marktplatzteilnehmern sowie Abschluss- und Transaktionsvolumina. Lebt der Marktplatz?
  • 5.Testen Sie einen Marktplatz ausgiebig, bevor Sie sich langfristig binden! Starten Sie zum Beispiel eine Ausschreibung, die für Ihr Geschäft nicht erfolgskritisch ist. Vergleichen Sie die Ergebnisse mit der herkömmlichen Vorgehensweise und sammeln Sie so Erfahrungen!
  • 6.Überprüfen Sie, ob die für Sie und für Ihre Branche oder Ihr Marktsegment charakteristischen Prozessabläufe in den Funktionalitäten des Marktplatzes abgedeckt werden!
  • 7.Prüfen Sie kritisch, ob und in welchem Umfang eine Anbindung an Ihr ERP-System notwendig ist. Die Kosten dafür übersteigen häufig die Kosten für das eigentliche Marktplatz-Engagement!
  • 8.Ob die Potenziale, die mit der Nutzung von E-Markets verbunden sind, tatsächlich realisiert werden, hängt im Wesentlichen von der Fach-, Methoden- und Sozialkompetenz, der individuellen Flexibilität und der Motivation Ihrer Mitarbeiter ab. Mitarbeiter müssen auf E-Markets vorbereitet sein! Sprechen Sie mit Ihren Mitarbeitern und schulen Sie Ihre Mitarbeiter umfassend!
  • 9.Bauen Sie Erfahrungsnetzwerke mit befreundeten Unternehmen und Geschäftspartnern auf und tauschen Sie Ihre Erfahrungen regelmäßig aus! Informieren Sie den Marktplatzbetreiber über diese Netzwerke!
  • 10.Der Unternehmensgewinn in der Industrie wird zunehmend durch Service und Kundendienst erwirtschaftet. Überlegen Sie sich, wie Sie Ihre Produkte und Dienstleistungen im After-Sales durch die neuen Möglichkeiten erweitern können und welche Marktplatzkonzepte Sie einschränken!
  • 11.Beobachten Sie Ihre wichtigsten Kunden: Beschaffen Hauptkunden ihre Produkte neuerdings auf einem Marktplatz, dürfen Sie als Lieferant die Zeichen der Zeit nicht verschlafen! Sie müssen als Lieferant auf dem Marktplatz auftreten, um wettbewerbsfähig zu bleiben!
  • 12.Beobachten Sie Ihre wichtigsten Lieferanten: Sind Ihre Lieferanten schon auf Marktplätzen aktiv, bedeutet dies einen Startvorteil für Sie als Käufer. Versuchen Sie, Ihre wichtigsten Lieferanten mit Ihren bevorzugten Marktplätzen zusammenzubringen!
E-Markets werden zu Drehscheiben der Supply Chain
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