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Fit for Growth – BME-Unternehmen sind besser

Dr. Holger Hildebrandt, BME-Hauptgeschäftsführer
Fit for Growth – BME-Unternehmen sind besser

Seit elf Jahren bestimmt Dr. Holger Hildebrandt an der Spitze des BME maßgeblich die Arbeit des Verbands. Im Anschluss an das BME-Symposium sprach er mit der Redaktion Beschaffung aktuell über die aktuellen Initiativen des BME und die zukünftige Entwicklung des Einkaufs in den Unternehmen.

Beschaffung aktuell: Herr Dr. Hildebrandt, Sie können gerade auf ein erfolgreiches BME-Symposium in Berlin mit 2000 Teilnehmern zurückblicken. Was sind für Sie die wichtigsten Themen, die neuen Trends und die nachhaltigsten Eindrücke, die Sie von der Veranstaltung mitgebracht haben?

Dr. Holger Hildebrandt: Wir wissen aus den Resonanzen, dass sich das BME-Symposium vor allem für Unternehmensentscheider als die hervorragende Möglichkeit zum Networking etabliert hat. Als Highlights wurden uns in diesem Jahr etwa die Themenbeiträge zu „Internationalem Wachstum“, der Bereich „Wissensmanagement“ und auch der Beitrag von Altbundespräsident Richard von Weizsäcker genannt.
Beschaffung aktuell: Sie sind seit über sieben Jahren Hauptgeschäftsführer und waren zuvor vier Jahre lang Vorsitzender des BME. Was hat sich in dieser Zeit im Einkauf verändert?
Hildebrandt: Die Aufgaben des Einkaufs sind angesichts der Globalisierung noch komplexer geworden. Die Bemühungen um Zeitreduktion und Qualitätssteigerung wurden verstärkt. Aus dem Customer Relationship Management (CRM) ging das Supplier Relationship Management hervor. Insbesondere Beschaffungsstrategien wie Simultaneous Engineering, Modular Sourcing und Single Sourcing, JIT-Versorgung erfordern eine intensivere Lieferantenpflege, als es früher der Fall war. Gestiegen ist die Nachhaltigkeit, mit der der Einkauf die Prozessintegration vorantreibt. Die elektronische Kommunikation mit Lieferanten hat zu mehr Transparenz geführt; die systematische Bewertung der Supplier und des Produktmarktes wurde so erleichtert. Zudem ist die Leistungsfähigkeit der Logistikdienstleister gestiegen.
Und: Die Qualifikation der Mitarbeiter spielt heute eine wesentlich größere Rolle.
Beschaffung aktuell: Wie begleitet der BME diese Veränderungen?
Hildebrandt: Wir begleiten die Entwicklungen zum Beispiel durch spezifische Arbeit in Sektionen und Fachgruppen. Wir können so mit Akteuren aus Praxis und Wissenschaft aktuelle Fragestellungen zeitnah angehen und das hier generierte Wissen anderen verfügbar machen. Rund 2000 Experten gehören diesem Netzwerk an. Neue Methoden, Tools, Trends und Strategien stellen wir dann in Form von Studien bzw. Leitfäden vor und nicht zuletzt in einer Vielzahl von Veranstaltungen zur Diskussion.
Beschaffung aktuell: Was kommt auf den Einkauf in den nächsten fünf Jahren zu?
Hildebrandt: Strategische Partnerschaften mit Lieferanten und Win-Win-Orientierung werden weiter in den Fokus der Unternehmen rücken. Es gilt, gemeinsam Innovationen aufzuspüren. Innovationsmanagement, für First Mover und Best-Practice-Unternehmen heute schon ein entscheidender Erfolgsfaktor, wird zum Schlagwort der kommenden Jahre. Ebenso wird uns die weitere Kostenoptimierung beschäftigen; es geht darum, Produkte konkurrenzfähiger am Markt anbieten zu können. Maßnahmen rund um Social Responsibility, Sustainability und Corporate Governance wird ebenfalls große Bedeutung zukommen.
Beschaffung aktuell: Auf welche Entwicklung, die Sie angestoßen haben, sind Sie besonders stolz?
Hildebrandt: Stolz ist der falsche Begriff. Ich begrüße, dass die Unternehmen die Qualifikation ihrer Mitarbeiter in Einkauf und Logistik auf allen Ebenen zunehmend fördern. BME-Unternehmen sind hier übrigens besser, wie wir aus Umfragen wissen. Wer nicht in seine Mitarbeiter investiert, schwächt seine Marktposition.
Beschaffung aktuell: Längst sind im BME nicht mehr nur Einkäufer organisiert. Wie schaffen Sie es, die verschiedenen Interessen auszugleichen?
Hildebrandt: Im BME sind seit vielen Jahren auch Logistiker vertreten. Anbieter von Beschaffungs- bzw. Logistikdienstleistungen sind ebenfalls bei uns engagiert. Im BME finden alle Akteure der Supply Chain eine Plattform für Mitarbeit und Austausch. In den BME-Sektionen und in den Fachgruppen arbeiten Einkäufer, Logistiker und Anbieter getrennt an Lösungen. Wir brauchen keine Interessen auszugleichen. Alle Gruppen fokussieren ja letztlich gemeinsame Aufgabestellungen für Mehrwert.
Beschaffung aktuell: Wie sind Sie mit der Mitgliederentwicklung zufrieden?
Hildebrandt: Wir beschreiten einen erfolgreichen Weg. Wir wachsen bei den Firmenmitgliedern, binden durch die Initiative Young Professionals den Nachwuchs eng an uns und führen auch mit den Hochschulen einen fruchtbaren Dialog.
Beschaffung aktuell: Wenn Einkäufer Rabatte aushandeln, sind sie zumindest nicht unglücklich. Auch der BME gibt Rabatte. Für Einkäufer unter 27 Jahren ist die Mitgliedschaft im ersten Jahr kostenlos. Hat der BME wie Gewerkschaften und Kirchen ein Nachwuchsproblem?
Hildebrandt: Wir wollen die jungen Leute noch stärker für das Supply Management interessieren. Früher stießen neue Mitglieder in der Regel im Alter von Mitte 30 zum BME. 2005 haben wir die Nachwuchsinitiative „Young Professionals“ gestartet, eine Plattform, die auf die Bedürfnisse des Einkaufs- und Logistiknachwuchses abgestimmt ist. In 15 BME-Regionen haben sich mittlerweile rege Netzwerke gebildet. Der Zulauf steigt in erfreulichem Maße.
Beschaffung aktuell: Was haben junge Einkäufer davon, Mitglied im BME zu sein?
Hildebrandt: Der Verband ermöglicht jungen Einkäufern und Logistikern ein festes, branchenübergreifendes Forum. Gerade für Jungeinkäufer mit wenig Berufserfahrung ist der Austausch mit Berufskollegen aus anderen Unternehmen und Branchen über Fachspezifika und übrigens auch über Karrierethemen von besonderer Relevanz. Die Jungen organisieren Get together, Vorträge und Veranstaltungen, sind auf größeren BME-Veranstaltungen mit eigenen „Fenstern“ vertreten. Hier geht es motiviert und dynamisch zur Sache. Im Gegenzug profitiert der Verband von frischen, inspirierenden Ideen. Wir schaffen so eine Symbiose der Generationen.
Beschaffung aktuell: Der BME verleiht drei renommierte Preise – den Innovationspreis, den Wissenschaftspreis und den Hochschulpreis. Was ist in diesem Jahr mit den beiden letztgenannten?
Hildebrandt: Wir haben den Modus geändert. Es gilt, dem wissenschaftlichen Nachwuchs eine breitere Plattform zu geben und dem gestiegenen Stellenwert der Preise gerecht zu werden. Am 10. und 11. März 2008 veranstalten wir darum in Würzburg erstmals ein wissenschaftliches Symposium, übrigens mit einem angedockten Recruiting Event. Auf diesem Symposium werden BME-Wissenschaftspreis und Henkel-BME-Hochschulpreis vergeben.
Beschaffung aktuell: Unternehmen haben Schwierigkeiten, qualifizierte Nachwuchskräfte für den Einkauf zu gewinnen. Auch beim Symposium stellte man die Frage, wie man den War for Talents gewinnen kann. Was würden Sie einem jungen Menschen sagen, um ihn für den Einkauf zu begeistern?
Hildebrandt: Ganz einfach: Der Einkauf generiert Wissen, spürt Potenziale und Trends auf, macht Erfolge transparent. Er wirkt als Moderator der Wertschöpfungskette des Unternehmens. Der Einkäufer nimmt durch seine Marktkenntnisse, Kontakte zu potenziellen und bestehenden Lieferanten sowie neuen Impulsgebern eine Schlüsselposition für das Unternehmen ein. Er unterstützt das Unternehmen ganz wesentlich darin, optimal auf globalen Märkten zu agieren. Aus diesem breiten Anforderungsprofil ergeben sich viele spannende Karrierechancen für junge Menschen! Fachkarrieren und Projektkarrieren sind möglich. Führungsaufgaben im Einkauf haben im Gesamtunternehmen parallel zur gestiegenen Bedeutung der Beschaffung wesentlich an Bedeutung gewonnen. Im Einkauf lässt sich im Übrigen schneller Karriere machen als anderswo. Gute, bewährte Kräfte haben später auch in anderen Abteilungen weitere Karrierechancen.
Beschaffung aktuell: Wie kommt der Einkauf auf die CEO-Agenda?
Hildebrandt: Nun, die weltweiten Absatz- und Beschaffungsmärkte werden zunehmend komplexer. Moderne Beschaffungsbereiche werden als Profit Center geführt. Viele Betriebe weisen mehr als die Hälfte ihres Umsatzes an Einkaufsvolumen auf, erbringen teilweise nur noch 25 Prozent der Wertschöpfung ihrer Produkte selbst. Daraus resultiert eine enorme Hebelwirkung auf den Gewinn. Die Stellung des Einkaufs ist so herausgehoben, dass entsprechende Vorstandsressorts dringend anzuraten sind, um so Gestaltungsspielräume optimal auszuschöpfen. Best- Practice-Unternehmen sind anderen auch in diesem Bereich voraus.
Die Stellung des Einkaufs ist so herausgehoben, dass entsprechende Vorstandsressorts dringend anzuraten sind, um so Gestaltungsspielräume optimal auszuschöpfen.
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