Sanitär

Heiße Luft

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Heiße Luft und das Handtuch, Papier oder Stoff, sind die am wenigsten umweltfreundlichen Medien zum Trocknen der Hände. Testsieger einer Studie ist ein Gerät, das mit kalter Luft trocknet.

Der Vorgang des Händetrocknens ist nicht ganz so profan wie er auf den ersten Blick erscheint. Erfahrene Einkäufer einschlägiger Trocknungshilfen wissen das. Es gibt viele Kriterien, welche die Auswahl beeinflussen.

Ganz oben auf der Anforderungsliste: Das Trockenmedium muss schnell sein. Die wertvolle Arbeitszeit der Mitarbeiter darf nicht durch Händtrocknen verschwendet werden. Früher sind hier vor allem die elektrischen Warmlufttrockner negativ aufgefallen. Nach einer Ewigkeit des Gebläses mit der Lautstärke eines startenden Düsenflugzeuges waren die Hände noch immer nass, weshalb Hosenbeine oder die Haare als Trocknerersatz herhalten mussten. Menschen, die das nicht wollten, erkannte man daran, dass sie irgendwie wild gestikulierend den Ort verließen.
Weitere ernstzunehmende Kaufkriterien (es geht auch Leasing) sind die Kosten. Eventuelle Anschaffungskosten ebenso wie Betriebskosten (Strom, Papierhandtücher, Reinigung von Stoffhandtüchern etc.). Hinzu kommt die Zeit für das Nachfüllen sowie Prozesskosten für das Nachkaufen von Handtuchrollen und Papierpaketen. Dazu zählt wohl auch die Entsorgung. Kritisch ist es, wenn das (zwar ebenfalls geleaste Reinigungspersonal) riesige Mengen von Einweghandtüchern zusammensammeln (weil vor allem Männer auch den Papierkorb nicht treffen) und entsorgen müssen.
Kostenvergleich. Einer der vielen Hersteller von Trockenbläsern, eine Beschaffungsplattform listet 76 Angebote auf, rechnet folgendes vor:
  • 120 x 3 Papierhandtücher x 200 Arbeitstage = 72 000 Stück x 0,01 € = 720 € p. a.
  • 120 Benutzungen/Tag = 120 x 10 sec. x 200 Arbeitstage = 67 Std. p. a. = ca. 97 kW x 0,20 € = 19,40 € p. a. (die Heizleistung wird mit 1000 bis 1200 W angegeben)
Ein weiteres Kriterium, das in jüngster Zeit an Bedeutung gewonnen hat, ist die Ökobilanz des Händetrocknens.
Ökobilanz-Studie. Heiße Luft gibt es zwar oft gratis. Nicht aber dort wo sie dringend gebraucht wird, nämlich an besagtem Ort. Die Trocknungsgebläse haben zum Teil eine beachtliche elektrische Leistungen, manche bis zu 2,5 kW, was auf die Ökobilanz durchschlägt. Dennoch gilt das Trocknen mit heißer Luft im Prinzip als nachhaltige Weise des Trocknens. Eine Studie kam erst jetzt wieder zu dem Ergebnis, dass das Trocknen mit einem bestimmten Gerät, nämlich mit dem Dyson Airblade, sogar die nachhaltigste Form des Händetrocknens ist. Diese umfangreiche Ökobilanz-Studie (LCA) kam zu dem Ergebnis, dass Papierhandtücher und Warmluft-Händetrockner die Umwelt am stärksten belasten und deren CO²-Emissionen um 70 Prozent höher liegen, als die des Dyson-Trockners. Statt warmer Luft (von wegen heiße Luft) verwendet der Airblade Händetrockner schmale Luftströme aus kühler, sauberer Luft, die das Wasser von den Händen abstreifen, also wegwehen, sollen (Ökobilanz von Händetrocknungssystemen – Life Cycle Assessment of Hand Drying Systems – von Trisha Montalbo, Jeremy Gregory und Randolph Kirch am Materials Systems Laboratory des Massachusetts Institute of Technology). Hinzufügen muss man aber auch, dass die Studie von eben diesem Hersteller in Auftrag gegeben worden ist.
Beim Hersteller ist man der Meinung, Papierhandtücher und Warmluft-Händetrockner gehören — ebenso wie Staubsaugerbeutel — einer vergangenen Epoche an. Die Technologie habe sich weiterentwickelt. Die Menschen wollen ihre Hände schnell und vollständig trocknen, ohne dabei die Umwelt zu schädigen.
Frischfaser- oder Recyclingpapier? Eher überraschend ist das Ergebnis der Studie in puncto Papier: Frischfaserpapier oder Recyclingpapier? Die meisten Menschen meinen, dass Recyclingpapier besser für die Umwelt ist. Diese Ansicht ist falsch. Die Verfasser des Berichts kamen zu dem Ergebnis, dass die Umweltbelastung unter Berücksichtigung von CO²-Emission und Wasserverbrauch bei Recyclingpapier genauso hoch ist wie bei Frischfaserpapier. Frischfaserpapier und Recyclingpapier führen beide zu mehr als dreimal höheren CO²-Emissionen als der Testsieger unter den Händetrocknern. Zusätzlich entsteht dabei Müll und der Verbrauch von Energie und Wasser liegt höher.
Papierabfall. Falls jeder EU-Bürger für ein Jahr nur einmal am Tag in den Waschraum geht und dabei jedes Mal zwei Papierhandtücher verbraucht, entsteht dabei in einem Jahr genug Papierabfall um die Städte London, Paris, Berlin, Amsterdam, Wien, Brüssel und Rom zweimal mit Papier vollständig abzudecken.
Noch sind in Deutschland Papierhandtücher in den öffentlichen und gewerblichen Waschräumen am weitesten verbreitet. Der Müll spielt für die CO²-Bilanz von Recyclingpapier nur eine untergeordnete Rolle:
65 Prozent der CO²-Emissionen entstehen während der Herstellung durch den Verbrauch von Energie, Chemikalien und Wasser. Statt in Innovation investieren Papierhandtuchhersteller Millionen, um striktere Umweltbestimmungen bezüglich der Papierherstellung zu verhindern, behauptet der Hersteller dieser Lufttrockner.
Mithilfe dieser umfangreichen Ökobilanzstudie habe erjetzt aber aufdecken können, wo Verbesserungsbedarf besteht, um die Umweltbelastung seiner Produkte und Technologien weiter zu reduzieren. Auf diese Weise entstehen Geräte, die weniger Materialien und Energie verbrauchen.
Das Fazit des britischen Herstellers lautet: „Lauter heiße Luft ohne Wirkung“. Anders als Papierhandtücher – das ressourcenintensivste Verfahren zum Händetrocknen – belasten Warmluft-Händetrockner (wie auch die meisten Haushaltsgeräte) die Umwelt während des Gebrauchs. Heizelemente und Elektromotoren geben hier den Ausschlag für die mangelnde Wirtschaftlichkeit. dz
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