Energiebeschaffung im Einzelhandel

Hohe Preise – schlechter Einkauf ?

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Für filialisierte Unternehmen und Industriebetriebe ist die Energie ein bedeutender Kostenfaktor. Doch nicht alle Unternehmen bezahlen das Gleiche. Die Durchschnittskosten der Branchen unterscheiden sich stark. Lassen sich hohe Strompreise automatisch auf einen schlechten Einkauf zurückführen? Wie entstehen die Preise und wo liegen Einsparpotenziale?

Dirk Mithöfer ist Geschäftsführer eines Energiedienstleisters

Der Bruttostrompreis setzt sich in Deutschland aus Energiekosten und Netzentgelten, Steuern und Abgaben sowie Vertriebskosten zusammen (runde Grafik). Ein beträchtlicher Anteil entfällt auf nicht verhandelbare, staatlich festgelegte Komponenten wie Konzessionsabgaben, Abgaben für das EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) und das KWKG (Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz), Strom- und Umsatzsteuern sowie die Entgelte für die Netznutzung.
Fester Bestandteil des Strompreises sind die Konzessionsabgaben, auch Wegegeld genannt. Diese Abgaben werden von den Netzbetreibern an die Gemeinden abgeführt, um öffentliche Verkehrswege für Energieleitungen nutzen zu dürfen. Ihre Höhe ist gesetzlich festgelegt und hängt im Wesentlichen von der Größe der Gemeinde, von der Spannungsebene des Netzanschlusses und von der Verbrauchsstruktur des Kunden ab. Grundsätzlich ist die Netznutzung in Ballungsräumen teurer als in ländlichen Regionen. Die Kommunen erheben zwischen 1,32 Cent/kWh und 2,39 Cent/kWh, Sondervertragskunden zahlen mit einem Beitrag von 0,11 Cent/kWh deutlich weniger.
Nicht verhandelbare Preisbestandteile
Das Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien (EEG) schreibt den Anschluss von EEG-Anlagen an das Stromnetz und die vorrangige Aufnahme und die festgelegte Vergütung von regenerativ erzeugtem Strom durch den örtlichen Netzbetreiber vor. Seit Januar 2010 müssen die Übertragungsnetzbetreiber den erhaltenen EEG-Strom an einer Strombörse vermarkten. Versorgungsunternehmen, die Endverbraucher beliefern, können die Differenz der Gestehungskosten für den EEG-Strom und der Vermarktungskosten in Form einer bundesweit einheitlichen Umlage in Höhe von aktuell 2,047 Cent/kWh anteilig berechnen. In 2011 steigt dieser Wert auf 3,53 ct/kWh.
Eine weitere Komponente des Strompreises ist die KWKG-Abgabe. Die Betreiber von testierten Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen erhalten diese Förderung, die auf alle Letztverbraucher umgelegt wird. Die KWKG-Abgabe variiert derzeit mit dem Verbrauchsniveau des Endkunden: Je höher der Verbrauch, desto geringer die Abgabe. Bis zu einem jährlichen Stromverbrauch von 100 000 Kilowattstunden müssen 0,13 Cent/kWh, darüber hinaus 0,05 Cent/KWh bezahlt werden. Ab 2011 gibt es erstmals einen Einheitswert von 0,03 ct/kWh.
Es gibt noch weitere nicht beeinflussbare Preiskomponenten. Der reguläre Stromsteuersatz ist zurzeit mit einer Höhe von 2,05 Cent/KWh für alle Endverbraucher gleich. Auch die Höhe der Netzentgelte wird staatlich überwacht und genehmigt. Deutschland teilt sich in rund 900 Netzgebiete auf mit jeweils mindestens genauso vielen Netzentgelttarifen. Für Unternehmen mit einer Vielzahl bundesweit verteilter Liegenschaften ist es nahezu unmöglich, einen Überblick über aktuelle Preise, Verbräuche und Abrechnungsmodalitäten zu gewinnen.
Trotz dieser Ausgangslage können Unternehmen ihren Stromeinkauf optimieren, weil der Bruttostrompreis auch verhandelbare Komponenten beinhaltet, die abhängig vom Arbeitsergebnis des Anbieters sind. Es gibt Handelsgesellschaften, die auf die Versorgung von filialisierten Unternehmen und Industriebetrieben mit 100 Prozent Ökostrom spezialisiert sind. Kunden wie die REWE Group oder der Fleischproduzent Wilhelm Brandenburg profitieren von günstigen Einkaufskonditionen und Planungssicherheit. Diese Gesellschaften beraten zum Beispiel bei der Wahl der Netzanschlussebene und zeigen auf, wie sich Stromkosten durch Investitionen in Transformatoren beeinflussen lassen. Denn die technischen Voraussetzungen am Netzanschluss haben eine unmittelbar preisbeeinflussende Wirkung. Die Mindestanschlussleistung legt die Spannungsebene (Nieder-, Mittel- oder Hochspannung) fest, über die der jeweilige Standort mit elektrischer Energie beliefert wird. Je höher die Spannungsebene, desto geringer sind die individuellen Netzentgelte. Bei einem Anschluss auf einer niedrigen Spannungsebene müssen vorgelagert mehr Transformationsstufen zwischengeschaltet werden. Dadurch nehmen Energieverluste zu und die Netz-infrastruktur wird aufwendiger.
Stromanbieter und Netzbetreiber stellen dem Endkunden oft die maximal bereitgestellte Leistung in Rechnung. Diese Hochrechnungsmethodik kann durchaus repräsentativ sein, stimmt aber oft nicht mit der tatsächlich bezogenen Leistung überein. Auch gibt es deutliche Preisunterschiede zwischen Jahresleistungs- und Monatsleistungspreisen. Hier handeln die Energiedienstleister individuelle vertragliche Regelungen aus, die entscheidend sind für die Höhe der Stromkosten.
Ansätze zur Kostenreduzierung
Die Strombeschaffungskosten setzen sich aus zwei Elementen zusammen: dem Strompreis und der Strommenge (Bedarf). Während der Strompreis eine über den Energieeinkauf zu steuernde Managementfunktion ist, wird der Bedarf über die individuelle Betriebsführung gesteuert. Weil bei Handelsfilialisten der Bedarf jedes Standortes unterschiedlich ist, sorgt der Dienstleister dafür, dass für alle Verbrauchsstellen aktuelle Messwerte oder synthetisch erzeugte Verbrauchsprofile für vergleichbare Standorte zur Verfügung stehen. Durch die Überwachung der individuellen Verbrauchsprofile mit einem effektiven Energiecontrolling- system wird ersichtlich, wie stark sich der Bedarf auf die Gesamtstromkosten auswirkt. Mit einem bedarfsgerechten Einkauf realisiert der Energiedienstleister anschließend Einsparungen.
Der eigentliche Strompreis wird durch die Großhandelsmärkte bestimmt. Strom als Handelsware im Termingeschäft erzeugt neue Marktpreise im Sekundentakt. Entscheidend sind hier Einkaufszeitpunkte, Strukturierung und Staffelung von Mengen und Lieferanten. In regelmäßigen, definierten Zeitperioden vergleichen die Dienstleister die handelsüblichen, verbraucherprofilspezifischen Großhandelspreise mit den Preisen örtlicher Lieferanten. Letztere berechnen in der Regel neben dem Großhandelspreis auch noch Vertriebsentgelte. Bei örtlichen Versorgern werden die besten Einkaufsergebnisse erzielt, wenn Strompreise und Vertriebsmargen einzeln verhandelt werden. Für eine risikominimierte Beschaffung setzen die Handelsunternehmen ein Limitsystem mit zeitscheibenbezogenen Strompreisober- und -untergrenzen ein. Das Limitsystem wird darüber hinaus mit einem weiterführenden Risikomanagementsystem kombiniert.
Die Höhe der Branchenstromkosten hat wenig Aussagekraft über die Qualität des Energieeinkaufs. Diverse preisbeeinflussende Komponenten des Bruttostrompreises wie Standortfaktoren und Bedarfsstrukturen sind unabhängig vom Beschaffungspreis. Dennoch können branchenspezifische Strompreise als erster Vergleichswert dienen. Wesentlich für ein effizientes Energiecontrolling mehrerer Standorte von Gewerbekunden sind die flexiblen Preiskomponenten. Hier lassen sich mit professioneller Unterstützung spürbare Einsparpotenziale realisieren.
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