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Jedes Jahr komfortabel wachsen

Dr. Jutta Heckenkamp, VP Global Procurement, Fuchs Petrolub AG, Mannheim
Jedes Jahr komfortabel wachsen

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Der Schmierstoffspezialist Fuchs Petrolub wächst jedes Jahr komfortabel. Das verschafft ihm auch eine gute Position gegenüber den Lieferanten, die mitwachsen können. Beschaffung-aktuell-Chefredakteur Daniel Zabota sprach mit Dr. Jutta Heckenkamp, Vice President Global Procurement, unter anderem über Rohstoffpreise, das Lieferantenmanagement und die Megatrends im Einkauf.

Beschaffung aktuell: Frau Dr. Heckenkamp, wissen Sie, wie der Rohölpreis heute Morgen steht?

Dr. Jutta Heckenkamp: Der Rohölpreis spielt für uns nur mittelbar eine Rolle, wichtiger sind für Fuchs die sogenannten Grundöle, die aus Rohöl hergestellt werden. Fuchs Petrolub ist ein Schmierstoffspezialist, der aus chemischen Komponenten kundengerechte Produkte formuliert.
Beschaffung aktuell: Spielt Rohöl überhaupt die große Rolle für Ihren Einkauf, wie man vermuten könnte?
Dr. Heckenkamp: Die chemischen Produkte, die wir als Rohstoffe einsetzen, stehen am oberen Ende einer längeren chemischen Wertschöpfungskette. Dazwischen liegen die unterschiedlichen Produktionsprozesse, die damit verbundenen Herstellkosten und die mehr oder weniger große Nachfrage nach einzelnen Zwischenprodukten. Ganz ohne Einfluss ist der Preis für Rohöl natürlich nicht. Wenn Sie sich die Preisverläufe für Crude und Basisöle ansehen, werden Sie Parallelen finden: So ist der Kurs von Crude binnen Jahresfrist Ende März um 33 Prozent gestiegen, die SN 150 Notierung um 38 Prozent.
Beschaffung aktuell: Ein tiefes Wissen über Chemie scheint in Ihrem Einkauf unerlässlich zu sein.
Dr. Heckenkamp: Ich bin von Hause aus Chemikerin. Unsere strategischen Einkäufer sind Chemiker oder Betriebswirte mit chemischem Fachwissen.
Beschaffung aktuell: Spielen Preissicherungsinstrumente für Ihren Einkauf eine Rolle?
Dr. Heckenkamp: Nein, das passt bei uns nicht.
Beschaffung aktuell: Befasst sich Ihr Einkauf mit den Kostenstrukturen der Lieferanten?
Dr. Heckenkamp: Über die Notierungen der Basisrohstoffe haben wir die Möglichkeit, die Preisforderungen unserer Lieferanten nachzuvollziehen. Für viele unserer Grundstoffe gibt es allerdings nur eine geringe Zahl von Lieferanten, was übrigens für die gesamte Chemische Industrie gilt. Das ist die Folge eines langjährigen Konzentrationsprozesses.
Beschaffung aktuell: Was Ihre Einkaufs- position schwächt?
Dr. Heckenkamp: Wir haben eine sehr gute Marktposition. Wir sind innovativ und wachsen jedes Jahr. Das ist auch für unsere Lieferanten komfortabel. Und wie gesagt – in einer Formulierung setzen wir viele unterschiedliche Grundflüssigkeiten und Additive ein, die wir auch teilweise, wenn es die Situation erfordert, austauschen können.
Beschaffung aktuell: Auf der Webseite des Unternehmens gibt es keinen speziellen Bereich für den Einkauf. Wie kommt das?
Dr. Heckenkamp: Klassische Zulieferteile und Komponenten, für die es unzählige Lieferanten gibt, setzen wir nicht ein. Wir setzen wenige Fuchs-spezifische Rohstoffe ein, sondern bedienen uns für unsere Schmierstoffe aus dem breiten Angebot des Marktes. Wir begeben uns selbst auf die Suche nach Lieferanten. Dafür braucht man Spezialwissen. Wenn wir einen potenziellen neuen Lieferanten gefunden haben, insbesondere in Regionen, in denen bisher nicht dieselben Standards gelten wie in Europa, sehen wir uns dessen Produktion genauer an. Nicht immer hält ein Lieferant, was sein Angebot auf dem Papier verspricht. Wir benötigen konstante Qualitäten gemäß unseren Spezifikationen in der gewünschten Menge zum richtigen Zeitpunkt. Durch persönliche Besichtigung der Produktion vor Ort können wir Lieferanten besser einschätzen.
Beschaffung aktuell: Es gibt aber einen Bereich CSR. Ist der Einkauf hier auch tangiert?
Dr. Heckenkamp: Der Einkauf ist ein Bestandteil der Wertestruktur des Unternehmens. Diese gilt für uns schon seit vielen Jahrzehnten. Beispielsweise sind wir gesellschaftlich sehr engagiert. Fuchs Petrolub fördert soziale Projekte, die Wissenschaft und die Kultur, zum Beispiel das Nationaltheater und das Kurpfälzische Kammerorchester. Ferner unterstützt Fuchs gemeinsam mit vier börsennotierten Mannheimer Unternehmen die Einrichtung der Stiftungsprofessur „Business Administration und Corporate Governance“. Durch diese Stiftung werden die Wirtschaftswissenschaften in Mannheim gestärkt.
Beschaffung aktuell: CSR und Nachhaltigkeit werden oft in einem Atemzug genannt. Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit für Ihren Einkauf?
Dr. Heckenkamp: Nachhaltigkeit ist ein ganzheitlicher Ansatz der konzernweit gelebt wird. Um den zukünftigen Belangen gerecht zu werden, hat die Fuchs Petrolub AG zudem die Funktion eines Nachhaltigkeitsbeauftragten eingeführt. Im Einkauf setzen wir auf langfristige Geschäftsbeziehungen und dauerhafte Partnerschaften. Ökologie ist selbstverständlich auch ein Thema für den Einkauf. Oft ist ja Ökologisches auch ökonomisch sinnvoll. Zum Beispiel setzen wir auf Lieferungen im Tankwagen anstelle von verpackter Ware, wann immer es möglich ist, und achten auf kurze Entfernungen zu den Lieferanten, was sich sowohl bei Frachtkosten als auch bei Emissionen positiv auswirkt.
Beschaffung aktuell: In welchem Stadium ist der Einkauf bei Fuchs Petrolub involviert? Schon bei neuen Produktideen?
Dr. Heckenkamp: Hier gibt es verschiedene Konstellationen. Wenn die Entwickler den Lieferanten bereits kennen und in regelmäßigem Austausch stehen, ist der Einkauf nur bei der Preisverhandlung gefragt. Wenn es sich hingegen um einen unbekannten Rohstoff von einem unbekannten Lieferanten handelt, ist der Einkauf selbstverständlich von Anfang an involviert. Wir bevorzugen den Direktbezug der Produkte vom Hersteller und prüfen bei einem neuen Anbieter, ob es sich um einen Hersteller oder Händler handelt.
Beschaffung aktuell: Warum unterscheiden Sie zwischen Händlern und Herstellern?
Dr. Heckenkamp: Häufig verrät der Händler nichts über den Hersteller. Wir benötigen eine Menge Informationen über das Produkt, wie dessen Qualität, Verfügbarkeit, Produktion und Produktionsstandort, die uns der Hersteller, aber nicht der Händler geben kann oder will. Für Fuchs-Standorte, wie zum Beispiel in Südafrika oder Australien, mit anderen Lieferketten haben Händler eine wichtige Funktion. Sie regeln die Logistik in die Region, haben vor Ort ein Lager, bündeln Bedarfe und bieten somit eine wichtige Dienstleistung.
Beschaffung aktuell: Wie ist der Einkauf bei Fuchs Petrolub organisiert?
Dr. Heckenkamp: Wir haben eine Mischung von dezentraler und zentraler Organisation. Wir unterscheiden zwischen dem lokalen Einkauf, der eher dispositive Funktion ausübt und dem Global Procurement, welches hauptsächlich strategische Aufgaben erfüllt. Jeder Produktionsstandort hat eine eigene Einkaufsorganisation, die alle benötigten Rohstoffe und Komponenten beschafft. Bei der Erstellung neuer Produktionsanlagen wird die lokale Organisation von Fachleuten aus der Unternehmenszentrale unterstützt. Global Procurement kümmert sich um den größten Teil der Rohstoffe, die zentral für die europäischen Fuchs-Gesellschaften und teilweise auch weltweit verhandelt werden. Wir haben ein Lead-Buyer-Konzept. Die Lead Buyer sind jeweils für bestimmte Materialgruppen verantwortlich, zum Beispiel für Basisöle, Additive, Ester und Spezialitäten wie Lithiumhydroxid und Molybdändisulfid.
Beschaffung aktuell: Wie viele Mitarbeiter gibt es im Einkauf?
Dr. Heckenkamp: Das ist nicht ganz einfach zu beantworten. In kleineren Fuchs-Gesellschaften gibt es Mitarbeiter, die sowohl für die Beschaffung als auch für die Produktion verantwortlich sind. Strategische Aufgaben im Einkauf werden von einer kleinen Gruppe von Spezialisten wahrgenommen.
Beschaffung aktuell: Gibt es Ihrer Meinung nach einen „Megatrend“ für den Einkauf der Zukunft?
Dr. Heckenkamp: Ein ganz wichtiges Zukunftsthema ist die abnehmende Verfügbarkeit sehr vieler Rohstoffe und damit verbunden die Rohstoffsicherung. Damit hängt ein zweiter Trend zusammen, nämlich dass eine ordentliche Bedarfsplanung immer mehr an Bedeutung gewinnt. Das letzte Quartal eines jeden Jahres ist normalerweise die Zeit der Planung für das folgende Jahr. Teilweise wollen die Lieferanten heute schon in der Mitte des Jahres wissen, wie es im Folgejahr weitergeht. In der Vergangenheit funktionierte die Daumenregel „Aktueller Bedarf plus zehn Prozent“. Bedingt durch die Wirtschaftskrise hat sich die Nachfrage Ende 2008 und auch in 2009 zum Teil stark reduziert. 2010 zog die Nachfrage wieder stark an und es gab teilweise bereits wieder Versorgungsschwierigkeiten, weil die Lieferanten ihre Produktionskapazitäten in der Krise nach unten gefahren hatten. In diesem Jahr haben sich unsere Bedarfe deutlich positiver entwickelt als geplant. Bei knappen Verfügbarkeiten einiger Rohstoffe kann dies schon mal zu Schwierigkeiten führen.
Beschaffung aktuell: Welche Netzwerke und Quellen, zum Beispiel Beschaffung aktuell, nutzen Sie zu Ihrer Information?
Dr. Heckenkamp: Unsere Lead Buyer informieren sich kontinuierlich über die Beschaffungsmärkte. Eine weitere wichtige Informationsquelle sind unsere Lieferanten. Außerdem nutzen wir branchenspezifische Preis- und Marktanalysedienste, wie beispielsweise ICIS.
Beschaffung aktuell: Frau Dr. Heckenkamp, vielen Dank für dieses Gespräch.

Fuchs schmiert alles

Das Unternehmen

Fuchs, 1931 als Familienunternehmen in Mannheim gegründet, ist heute ein Konzern von globaler Reichweite und unter den unabhängigen Unternehmen nach eigenen Angaben der weltweit größte unabhängige Anbieter von Schmierstoffen. Fuchs hält demnach Spitzenpositionen: Mit einem vollständigen Sortiment von Schmierstoffen als Kernprogramm und maßgeschneiderten Speziallösungen für verschiedene Marktnischen neben Standardprodukten. Mit Beratungs- und Serviceleistungen. Fuchs bietet Schmierstoffe für Hunderte von Anwendungsgebieten — darunter Schmierstoffe für Autos und Motorräder, Gütertransport, Personenverkehr, Stahlindustrie, Bergbau, Fahrzeug- und Maschinenbau sowie die Bauwirtschaft und den Agrarbereich. Der Konzern beschäftigt in Europa und Übersee nahezu 3600 Menschen in 52 operativ tätigen Gesellschaften. Der Umsatz 2010 betrugt 1,5 Mrd. Euro. dz
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