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Kernstrategie Einkauf

ZF Friedrichshafen: Netzwerk aus Lieferanten und Mitarbeitern
Kernstrategie Einkauf

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Ein globales Netzwerk aus motivierten Mitarbeitern und den leistungsfähigsten Lieferanten soll einen dauerhaften Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten. Diese Botschaft hat die ZF Friedrichshafen AG in der Broschüre „Kernstrategie Einkauf“ festgehalten. Mehr dazu hier im ersten Teil des Beitrags. Im zweiten Teil Details zum Lieferantenmanagement.

Mit rund 50 Prozent des Umsatzes sind die Materialkosten der größte Kostenblock in der ZF-Gruppe. Im vergangenen Jahr waren das bei einem Gesamtumsatz von 9,9 Milliarden rund fünf Milliarden Euro – das ist die Wertschöpfung, welche die Lieferanten beisteuern und die der Einkauf verantwortet. Entsprechend hoch ist die Stellung des Einkaufs.

Die Einkäufer selbst haben, nach dem amerikanischen Vorbild einer „Company Vision“, ebenfalls eine „Vision“: Demnach ist der ZF-Einkauf durch seine strategische und internationale Ausrichtung weltweiter Benchmark. Ein globales Netzwerk aus kompetenten und hoch motivierten Mitarbeitern sowie den leistungsfähigsten Lieferanten soll einen herausragenden und dauerhaften Beitrag zum Unternehmenserfolg garantieren. Signal nach außen, Signal an die Lieferanten ist die Broschüre „Kernstrategie Einkauf“. Die darin beschriebenen Prinzipien der Zusammenarbeit gelten grundsätzlich für alle Lieferanten: sowohl für den Einkauf von Teilen, Baugruppen und Systemen als auch für die Beschaffung von Betriebsbedarf und Investitionen. Die Lieferanten werden nach Ihrer Performance hinsichtlich Qualität, Logistik und Entwicklungskompetenz klassifiziert, und nur diejenigen, die danach warengruppenbezogen als strategische oder aufzubauende Lieferanten übrig bleiben, werden in eine so genannte „Approved Supplier List“ aufgenommen. Ziel ist es demnach, sich auf nur wenige leistungsfähige Lieferanten zu konzentrieren, um so über eine nachhaltige Beziehung mit diesen Lieferanten die besten Ergebnisse zu erhalten. Die Anfragen erfolgen elektronisch und die Lieferungen gehen direkt an den Bedarfsträger. So wollen die Einkäufer die Verwaltungstätigkeit bei der Beschaffung von Betriebsbedarf drastisch reduzieren und die Bestandskosten senken.Auf der hier genannten „Approved Supplier List“ (ASL) finden sich sozusagen die „Nuggets“ unter den Lieferanten, die beim Lieferantenauswahlprozess übrig geblieben sind.
Sechs Bausteine bilden die Einkaufsstrategie
Das Management von Lieferanten, dazu zählt deren Auswahl, Klassifizierung, Beurteilung und Entwicklung, ist ein umfangreiches und permanentes Verfahren, schließlich heißt es ja nicht „einmal Lieferant, immer Lieferant“. Diesem Verfahren ist der zweite Teil des Beitrags gewidmet. Denn das Lieferantenmanagement ist der umfangreichste von sechs Bausteinen, aus denen sich die „Kernstrategie Einkauf“ zusammensetzt.
Hier die Bausteine im Überblick:
  • Entwicklung
  • Strategisches Kostenmanagement
  • Qualitätsmanagement
  • Supply Chain Management
  • Lieferantenmanagement
  • Geschäftsprozesse mit Lieferanten auf elektronischem Wege
Am Beginn eines jeden Produkts steht die Entwicklung. Hat sich ein Lieferant bewährt oder hat sich ein neuer vielversprechender Lieferant gefunden, wird er im Rahmen des so genannten „Early Supplier Involvement“ bereits von der Konzeptionsphase an in die Entwicklung der Produkte eingebunden. Der Lieferant soll sein Know-how einbringen und auch Konstruktionen im Detail übernehmen. Durch Langzeit- oder Lifecycle-Verträge will der Einkauf sicherstellen, dass der Entwicklungslieferant auch die Serie beliefert, und den vollen Know-how-Austausch erreichen. Diese Form der Zusammenarbei bedingt das Anwenden von Single Sourcing. Für jede Teilefamilie bzw. Warengruppe gibt es am Ende einige wenige strategische Lieferanten. Der Bezug kompletter Baugruppen soll die Komplexität reduzieren und die logistischen Abläufe deutlich vereinfachen.Wer, wie die Einkäufer von ZF, strategisches Kostenmanagement betreiben will, muss den Weltmarkt kennen und wissen, wie viel der Bezug eines Produkts hierzulande und wie viel der Bezug des selben Produkts aus einem so genannten Low Cost Country (LCC) kostet. ZF verfügt über 125 Produktionsgesellschaften in 26 Ländern. In den Regionen wie NAFTA Mercosur und auch Asia / Pacific wurde eine Organisationsstruktur geschaffen um so ein Netzwerk im Einkauf für internationales Beschaffungsmanagement zu ermöglichen.
Das Weltmarktkostenniveau ist unter Berücksichtigung der Gesamtkosten die Orientierungsgröße für die Zielpreisbildung. Für die Auswahl des richtigen Lieferanten ist es wichtig, dessen Kostenstrukturen zu kennen. Nur mit ausreichender Kostentransparenz könne beurteilt werden, welche Lieferanten die Zielkosten erreichen können, sagen die Einkäufer bei ZF. Bei bestehenden Produkten arbeiten ZF und die Lieferanten in interdisziplinären Wertanalyse-, Kostenanalyse- und Prozessanalyseteams zusammen. Die Einkaufsseite will damit den Wandel von jährlichen Preisverhandlungen zu kontinuierlichen, offenen Kostendiskussionen erreichen. Es gehe hierbei nicht darum, den Gewinn der Lieferanten in Frage zu stellen. Es gehe vielmehr darum, die Kosten treibenden Faktoren, die von beiden Seiten verursacht werden, zu identifizieren und zu eliminieren. Gemeinsam ist das Streben nach dem optimalen Kostenniveau. Voraussetzung hierfür sei die Fähigkeit, im Team offen über gegebene und mögliche Kostenstrukturen zu diskutieren und eventuell neue Strukturen zu schaffen. Ziel sei es, gemeinsam mit den Lieferanten eine Profitabilität bei Weltmarktkostenniveau zu erreichen.
Qualität der Produkte und des Handelns
Für die Forderungen hinsichtlich des Qualitätsmanagements des ZF-Einkaufs gibt es eine eigene Richtlinie, die Bestandteil der Einkaufsbedingungen ist. Unter Qualität versteht man in Friedrichshafen nicht nur die Güte dessen was angeliefert wird, sondern auch die Qualität des Handelns in der gesamten Zusammenarbeit. Die Lieferanten hätten durch die partnerschaftliche Zusammenarbeit in der Entwicklung die Möglichkeit, Qualität aktiv zu gestalten, so die Einkäufer. Der Lieferant ist auch für seine Unterauftragnehmer verantwortlich. Um zu gewährleisten, dass alles den ZF-Spezifikationen entspricht, ist ein wirksames Qualitätsmanagementsystem nach QS 9000 oder VDA 6.1 bzw. TS 16949 Voraussetzung. Das Ziel heißt: null Fehler. ZF verzichtet in den meisten Fällen auf eine Wareneingangsprüfung. So sollen Doppelarbeit vermieden, Kosten gesenkt und Durchlaufzeiten reduziert werden. Von ihren Lieferanten erwarten die Einkäufer im übrigen auch die Selbstverpflichtung zum Umweltschutz, wie bei ZF üblich. Mit der Idee von Supply Chain Management strebt der Einkauf eine kosteneffektive Versorgungskette von Informationen, Materialien und Produkten an. Sie reicht vom Lieferanten über alle ZF-internen Funktionen bis hin zum Kunden. Damit sind die bisherigen Wettbewerbskriterien wie Preise und Qualität um Attribute wie kurze Lieferzeiten bei hoher Lieferflexibilität (Menge und Termin) und Termintreue zu erweitern. Das erreichen die Einkäufer, indem sie den Lieferanten in den Bedarfsplanungsprozess einbinden, C-Teile-Lieferanten sind selbst für die laufende Befüllung der Behälter in Lager und Montage verantwortlich. Ziel ist es, die Bestände in der gesamten Lieferkette zu minimieren. Die Aufgabe des Einkaufs ist es hier, den Kontakt zwischen den Fertigungsbereichen von ZF – also den Bedarfsträgern und den Lieferanten herzustellen, um damit die Kommunikation zu verbessern und die Transparenz bei allen Bedarfen und Fertigungsmöglichkeiten zu schaffen. Diese Geschäftsprozesse und insbesondere der Datenaustausch zwischen ZF und den Lieferanten unterliegen mehrfachen Medienbrüchen. Informationen und Daten wie zum Beispiel Lieferabrufe, Anfragen und Angebote müssen bislang vereinzelt immer noch manuell bei Lieferanten und ZF erfasst werden. Das sind Fehlerquellen. Außerdem führt das zu hohem Arbeits- und Zeitaufwand. Ziel von ZF ist es daher, die Geschäftsprozesse mit Lieferanten zu vereinfachen, zu verbessern und zu beschleunigen. Aus diesem Grund wickelt ZF Prozesse weitgehend über den elektronischen Marktplatz SupplyOn ab. Der Internetmarktplatz ist auf die Bedürfnisse der Automobilzuliefererindustrie zugeschnitten. Die Plattform bietet integrierte Lösungen für Einkauf, Logistik und Produktentwicklung. Im Ergebnis hat ZF Friedrichshafen eine Netzwerkorganisation von unternehmensbereichsbezogener und warengruppenbezogener Einkaufsverantwortung geschaffen. Daniel Zabota
In der folgenden Ausgabe wird
Jörg Teichmann, der Leiter Lieferanten-
entwicklung bei ZF in Friedrichshafen,
über das systematische und sich wieder-
holende System der Lieferanten-
bewertung- und beurteilung berichten.

Am Anfang war das Luftschiff
Die ZF Friedrichshafen AG ist ein weltweit führender Automobilzulieferkonzern in der Antriebs- und Fahrwerktechnik mit 125 Standorten in 26 Ländern. ZF beschäftigt rund 54 500 Menschen, davon etwa 20 000 im Ausland. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 9,9 Milliarden Euro. Es liegt damit in der Rangliste der größten Automobilzulieferer Deutschlands an dritter Stelle. Auf der Weltrangliste der Automobilzulieferer ist ZF unter den 15 größten Unternehmen. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahre 1915 zur Entwicklung und Produktion von Getrieben für Luftschiffe und Fahrzeuge. Heute gehören Getriebe und Lenkungen sowie Fahrwerkkomponenten und komplette Achssysteme und -module zum Produktprogramm. In allen Kernprodukten hält der Konzern eine erste, zweite oder dritte Position im Weltmarkt. Anteilseigner des Unternehmens sind mit 93,8 Prozent die Zeppelin-Stiftung, die von der Stadt Friedrichshafen verwaltet wird, sowie mit 6,2 Prozent die Dr.-Jürgen-Ulderup-Stiftung, Lemförde. dz
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