Mobilitätsmanagement - Kluge Ideen für einen stressfreienArbeitsweg - Beschaffung aktuell

Mobilitätsmanagement

Kluge Ideen für einen stressfreienArbeitsweg

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Zwei Drittel aller Beschäftigten in Deutschland fahren mit dem Pkw zur Arbeit. Das führt vielerorts zu Staus, viel Lärm und bedeutet für die Pendler selbst vor allem Stress. Etliche Betriebe steuern inzwischen dagegen und versuchen, ihre Mitarbeiter von umweltfreundlichen Pkw-Alternativen zu überzeugen. Welche Möglichkeiten es gibt und wie erfolgreiches Mobilitätsmanagement konkret aussehen kann, erklärt folgender Beitrag.

Mitarbeiter eines Betriebes sind täglich viel unterwegs. Sie fahren zu Besprechungen und Geschäftskunden, liefern Waren aus und legen allein auf dem Weg zur Arbeit etliche Kilometer zurück. Für all diese Strecken ist der Pkw noch immer das Verkehrsmittel Nummer eins. Die Konsequenzen sind für jeden spürbar: verstopfte Straßen, störender Lärm und schlechte Luft. Auch Betriebe haben mit dem zunehmenden Autoverkehr zu kämpfen. Denn die Folgen sind gestresste, oft ausfallende Mitarbeiter, teure Stellplätze und eine schlechte Umweltbilanz.

Damit der Verkehr rund um den Unternehmensstandort tatsächlich entlastet wird, braucht es ein systematisches Vorgehen. Das Konzept des betrieblichen Mobilitätsmanagements schafft Abhilfe und identifiziert Lösungen, die zum Standort und den Bedürfnissen der Belegschaft passen. Am Anfang steht eine umfassende Analyse: Wo kommen die Mitarbeiter her, wie sind sie unterwegs? Und gibt es gute Radwege oder eine regelmäßige und schnelle ÖPNV-Anbindung? Auf Basis dieser Analyseergebnisse erfährt ein Unternehmen, welche alternativen Verkehrsmittel zum Pkw sich für den täglichen Arbeitsweg eignen. Im nächsten Schritt gilt es Anreize zu schaffen, damit Beschäftigte diese Alternativen auch tatsächlich nutzen.

Während sich viele Betriebe auf ein bestimmtes Verkehrsmittel konzentrieren – weil ein Großteil der Belegschaft ähnlich weit entfernt oder im selben Ort wohnt – setzen andere eine ganze Bandbreite an betrieblichen Mobilitätsmaßnahmen für unterschiedliche Mitarbeiterbedürfnisse um. Das schafft Vielfalt und überzeugt auch Mitarbeiter, die ihre Unabhängigkeit und Mobilität nicht verlieren möchten. Ihnen ist es wichtig, Einkäufe während der Pause erledigen zu können oder nach Hause zu kommen, selbst wenn der letzte Bus bereits lange gefahren ist.

Das Pharmaunternehmen WALA mit Sitz im ländlich gelegenen Bad Boll (Baden-Württemberg) setzt auf ganz verschiedene Anreize: Beschäftigte, die ihren Arbeitsweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen, bekommen die Kosten für die Fahrkarte komplett erstattet und müssen lediglich den Steueranteil tragen. Darüber hinaus fördert WALA das Fahrradfahren. „Mit dem Rad zu kommen lohnt in mehrfacher Hinsicht. Die Bewegung als Ausgleich zur Arbeit fördert die Gesundheit, man spart die Kosten für Sprit und schont die Umwelt“, so der Umweltbeauftragte Stefan Weiland. Damit möglichst viele Kollegen umsteigen, hat sich der Mittelständler einiges einfallen lassen: Seit 2015 können Beschäftigte hochwertige Fahrräder und Pedelecs leasen. Die monatlichen Raten werden durch Gehaltsumwandlung erbracht und vom Bruttolohn abgezogen.

Mit dem richtigen Fuhrpark zu einer besseren Umweltbilanz

Das ist deutlich günstiger als beim Privatkauf und ermöglicht dem Beschäftigten, das Rad auch privat zu nutzen. Oft sind es aber schon die kleinen Dinge, die die WALA-Mitarbeiter aufs Fahrrad bringen: Je nachdem, wie oft das Fahrrad für den Arbeitsweg genutzt wird, beteiligt sich das Unternehmen an eventuellen Reparaturkosten und bietet regelmäßige Fahrradchecks an. Mit Dusch- und Umkleidemöglichkeiten, ausleihbaren Regenponchos sowie einer jährlichen Fahrradaktion, bei der fleißige Radler Gutscheine gewinnen können, versucht der Pharmahersteller auch den letzten Zweiradmuffel zu überzeugen.

Doch nicht überall klappt es mit dem Umstieg. Gerade in ländlichen Gebieten mit einer schlechten ÖPNV-Infrastruktur lässt sich auf den Pkw nicht verzichten. Erst recht nicht bei längeren Fahrten zu Kunden oder Geschäftspartnern. Mobilitätsmanagement nimmt deshalb auch die Gestaltung des Fuhrparks sowie die Dienstreiserichtlinien in den Blick. Beim hauseigenen Fahrzeugpool stellen immer mehr Betriebe Effizienz und Nachhaltigkeit vorn an. Das reduziert die CO2-Emissionen und setzt ein positives Signal in der Belegschaft. Auch bei WALA können Fahrzeuge ausschließlich aus einer vorgegebenen Liste ausgewählt werden, die von den Umweltbeauftragten und Fuhrparkverantwortlichen regelmäßig angepasst wird. Erlaubt sind derzeit Modelle mit einem maximalen CO2-Ausstoß von 120 Gramm pro 100 Kilometer. Mit Fahrsicherheits- und Ökofahrtrainings sowie einer halbjährlichen Kraftstoffauswertung sensibilisiert das Unternehmen seine Mitarbeiter für eine möglichst umweltschonende Pkw-Nutzung.

Unternehmen wie WALA zeigen, dass kreative Ideen die Basis eines erfolgreichen Mobilitätsmanagements sind – und diese Ideen fördern derzeit das Bundesumwelt- und Bundesverkehrsministerium im Rahmen der Initiative „mobil gewinnt“. Bei einem Wettbewerb können Unternehmen und öffentliche Einrichtungen ihre Mobilitätskonzepte einreichen. Die besten Vorschläge werden im Dezember auf einer Konferenz in Berlin prämiert. Im Anschluss haben die Gewinner gute Chancen, Fördergelder für die Realisierung der skizzierten Vorhaben zu erhalten. Dabei sind bis zu 500 000 Euro pro Projekt möglich. Für den Einstieg ins Mobilitätsmanagement bietet die Initiative außerdem 150 kostenfreie Erstberatungen. Dabei kommt ein erfahrener Mobilitätsberater in den jeweiligen Betrieb und untersucht neben den Arbeitswegen der Beschäftigten die Dienstreiserichtlinie oder den Fuhrpark. Ziel der Beratung ist es, das Potential neuer Mobilitätslösungen aufzudecken und Betrieben erste Lösungsansätze an die Hand zu geben. Die Bewerbungsfrist für eine der kostenlosen Beratungen läuft bis Februar 2018.

Kreativität ist die Basis von erfolgreichem Mobilitätsmanagement

Die Erstberatungen und der Wettbewerb ermöglichen öffentlichen und privaten Institutionen einen Einstieg in das komplexe Feld des Mobilitätsmanagements. Denn trotz Parkdruck, oder drohender Fahrverbote ist die Wirksamkeit des Konzeptes noch nicht überall bekannt. Dabei zeigen Erfahrungen, dass sich rund 20 Prozent der Alleinfahrten im Auto auf umweltfreundliche Alternativen verlagern lassen. Kommunikation und ein Gespür für die Bedürfnisse der Beschäftigten sind dabei der Schlüssel zum Erfolg. Das weiß auch Stefan Weiland: „Hartnäckige Skeptiker haben wir glücklicherweise selten. Aber natürlich kommt immer wieder die Bequemlichkeit oder auch die Gewohnheit zum Tragen. Da hilft nur regelmäßiges Erinnern.“


Sarah Rothe
Kommunikation Mobilitätsmanagement, ACE Auto Club Europa

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