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Komplexitätsmanagement

Ergebnisse einer Studie
Komplexitätsmanagement

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Prof. Dr. Günther Schuh, WZL der RWTH Aachen, www.wzl.rwth-aachen.de

Komplexitätsmanagement steht heute überall auf der Tagesordnung. Im Zuge zunehmender Globalisierung und Individualisierung nehmen die Faktoren, die das wirtschaftliche Handeln beeinflussen, zu. Immer schneller verändern sich die Anforderungen von Anspruchsgruppen an die Unternehmen und deren Produkte.
Neben der zunehmenden Komplexität des Wettbewerbsumfeldes (fortschreitender Verlust an Differenzierung, erhöhtes Risiko an Diskontinuitäten, weltweite Überkapazitäten etc.) ist die unkontrollierte Entwicklung des Unternehmens eine Ursache für zunehmende Komplexität. Das Komplexitätsmanagement im Sinne der Gestaltung und Steuerung der Vielfalt und der Veränderungen im Unternehmen wird zum Kern der Managementaufgabe. Ziel ist die exakte Erfüllung der Kundenwünsche bei gleichzeitig hoher Wirtschaftlichkeit durch Beherrschung der Vielfalt in allen Wertschöpfungsstufen.
Die Studie hatte folgende Zielsetzungen:
  • Identifikation des Status quo im Komplexitätsmanagement,
  • Analyse der Wirksamkeit der aktuellen Methoden und Praktiken zur Komplexitätsbeherrschung,
  • Ableitung des Handlungsbedarfs für die Beherrschung der Komplexität im Unternehmen.
Die Interdependenzen von Markt und dem angebotenen Leistungssystem sowie von Unternehmensstrukturen und Prozessen sind bei einem ganzheitlichen Komplexitätsmanagement von herausragender Bedeutung und sollen daher besondere Beachtung erhalten.
Fokussierung auf Schlüsselmärkte
Die Studie hat gezeigt, dass das Thema Komplexitätsmanagement in allen befragten Unternehmen ein äußerst wichtiges Thema ist, und dass in den letzten Jahren deutliche Fortschritte in der Komplexitätsbeherrschung zu verzeichnen sind. Jedoch wird das Komplexitätsmanagement bisher überwiegend nur in Einzeldisziplinen realisiert. Es fehlt meist eine ganzheitliche Herangehensweise, die in Anbetracht der Tatsache, dass die Variantenvielfalt bzw. die Unternehmenskomplexität weiterhin ansteigen, heute wichtiger ist denn je.
Erfolgreiche Unternehmen begegnen der steigenden Komplexität durch die Fokussierung auf Nischenmärkte und die Konzentration auf Schlüsselkunden. Ein absolutes Muss sind dazu regelmäßige Kundenanalysen durch möglichst direkte Einbindung der Schlüsselkunden in die Anforderungsdefinition für neue Produkte sowie regelmäßige Wettbewerbsanalysen.
Erfolgreiche Unternehmen differenzieren sich in erster Linie über Qualität und individuelle Problemlösungen. Der Preis ist bei den untersuchten Firmen kein entscheidendes Differenzierungskriterium. Erfolgreiche Unternehmen der Automobilzulieferbranche setzen zudem auf Technologie-Know-how und Innovationsfähigkeit. Die Bedeutung zusätzlicher Dienstleistungen zur Erweiterung des Leistungsangebotes nimmt im Maschinen- und Anlagenbau zu.
Regelmäßige Produktprogrammplanung
Erfolgreiche Unternehmen führen mittlerweile regelmäßig eine strategische Produktprogrammplanung durch, um die Kundenwünsche möglichst exakt zu treffen und einen unkontrollierten Anstieg der Produktvarianten zu verhindern. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Bedeutung von Nischenmärkten und Schlüsselkunden zeichnen sich erfolgreiche Unternehmen dadurch aus, dass sie konsequent Marktsegmentierung betreiben und gezielter ihr Produktprogramm auf ihre Kunden ausrichten und planen. Die wichtigsten Methoden zur strategischen Produktplanung (Roadmapping, Variantenplanung, Szenariotechnik und Product Life Cycle Management) sind den Unternehmen zwar bekannt, werden allerdings noch unzureichend genutzt. Die Potenziale, die im richtigen Einsatz dieser Methoden stecken, sind künftig stärker auszuschöpfen.
Zur Beherrschung der Produktkomplexität gibt es eine Vielzahl von Instrumenten und Prinzipien. Die heute am weitesten verbreiteten Ansätze sind Standardisierung und Modularisierung. Plattformkonzepte, Variantenfilter, Gleichteile-Mangement und Customizing-Ansätze sind noch wenig in der Praxis etabliert. Auch darin liegen insbesondere für Modul- und Systemlieferanten weitere Potenziale. Wichtig für ein erfolgreiches Variantenmanagement ist neben dem richtigen Methodeneinsatz insbesondere proaktives Handeln und die Benennung eines verantwortlichen Variantenmanagers.
Die Studie hat gezeigt, dass viele Unternehmen immer noch Probleme damit haben, den für sie optimalen Grad an Standardisierung zu identifizieren und die Potenziale, die darin stecken, auch tatsächlich zu nutzen. Insbesondere scheitern die weniger erfolgreichen Unternehmen immer noch am Spagat zwischen Standardprodukten und kundenspezifischen Lösungen. Sie sitzen zwischen den Stühlen und leiden unter zu hohen Kosten. Erfolgreichen Unternehmen hingegen gelingt es, zusätzliche Varianten vom Markt durch höhere Preise honoriert zu bekommen; dies ist ein klares Zeichen für gesteigerte Preisqualität.
Der Kostenfalle entkommen
Um der Kostenfalle zu entkommen, müssen die entsprechenden Kosten den jeweiligen Varianten verursachungsgerecht zugewiesen und bei der Preisgestaltung berücksichtigt werden. Erfolgreichere Unternehmen schaffen die notwendige Kostentransparenz über prozessorientierte Kostenrechnung und setzen die gewonnenen Erkenntnisse gezielt z.B. zur Angebotskalkulation und Entscheidungsfindung in der Produktentwicklung ein.
Erfolgreiches Komplexitätsmanagement beinhaltet eine frühzeitige Produktprogrammdefinition sowie flache Hierarchien und klar definierte Prozessabläufe mit kurzen Entscheidungswegen. Verfügbare IT-Systeme zum Komplexitätsmanagement, wie Product Life Cycle Management Systeme und Produktkonfiguratoren, werden noch unzureichend genutzt. Potenziale einer vollständig integrierten IT-Infrastruktur (CAD, ERP, PLM) liegen noch weitgehend brach.
Handlungsbedarf für ganzheitliche Lösungen
Die Studie hat gezeigt, dass sich viele Unternehmen ihrer Variantenvielfalt bzw. Komplexität bewusst sind und die damit verbundenen Probleme identifiziert haben. Die meisten Methoden und Ansätze zur Komplexitätsbeherrschung sind den Unternehmen zwar bekannt, werden aber heutzutage nur in einzelnen Bereichen bzw. nur bedingt wirkungsvoll eingesetzt. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Variantenproblematik bzw. Komplexität besteht daher akuter Handlungsbedarf für ganzheitliche Lösungen.
Die Durchführung der Studie erfolgte durch das Laboratorium für Werkzeugmaschinen und Betriebslehre der RWTH Aachen (WZL). Aufgrund langjähriger Erfahrungen auf dem Gebiet des Komplexitätsmanagements wurden Fragestellungen und Ergebnisse in Zusammenarbeit mit führenden Unternehmen ermittelt. Eine schriftliche Befragung von ca. 150 Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz im ersten Quartal 2004 diente als empirische Datenbasis.
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