Automobil-Zulieferer - Konjunkturmaschine im Osten - Beschaffung aktuell

Automobil-Zulieferer

Konjunkturmaschine im Osten

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Vor allem in Sachsen und Thüringen gilt die Zulieferbranche als Hoffungsträger. Ansiedlungen von Zulieferern schießen wie Pilze aus dem Boden und eine eigene Fachmesse soll die aufkeimenden Netzwerke stärken.

Das Klagen über die schlechte Wirtschaftslage in den neuen Bundesländern gilt zumindest für eine Branche nicht: Die Auto-Zulieferer haben die Region zwischen Werra und Neiße entdeckt und sorgen für häufige positive Meldungen. Ganz gleich ob in Hagenwerder bei Görlitz, in Eisenach oder in Markranstädt westlich von Leipzig – überall werden von Investoren aus der Branche derzeit Gewerbeflächen besichtigt – und auch gekauft.
„Wir haben in den letzten Jahren eine sehr erfreuliche Dynamik entwickeln können, besonders auch, was die Auftragslage der bereits bestehenden Unternehmen betrifft“, meint Volkmar Vogel, Chefkoordinator der vom Freistaat Sachsen vor gut zwei Jahren ins Leben gerufenen „Verbundinitiative Automobilzulieferer Sachsen 2005“. Hinter dem langen Titel verbirgt sich eine ebenso kleine wie schlagkräftige Truppe in einem Chemnitzer Neubau, der für mittlerweile viele der 350 sächsischen Zulieferer-Unternehmen eine gute Adresse ist. Denn Vogel und seine Mitarbeiter haben längst Zugang zu den Chefetagen der deutschen Autokonzerne, wo letztlich die Entscheidungen über den milliardenschweren Einkauf getroffen werden.
Netzwerke als Instrument für Mittelständler
Die Bildung von Netzwerken bietet sich vor allem in der Industriestruktur der neuen Bundesländer geradezu an, in der die kleinen Unternehmen zahlenmäßig dominieren und schon Mittelständler entweder die Ausnahme oder Filialbetriebe ohne eigene Entscheidungskompetenz bei strategischen Dingen sind. „Von den 300 thüringischen Firmen aus dem Bereich der Zulieferer sind fast alle dem Bereich KMU zuzuordnen“, berichtet Ute Schulz von der in Erfurt angesiedelten Automobil-Zulieferer Thüringen e.V. „Die meisten der kleinen Firmen mit weniger als 100 Mitarbeitern hätten ohne Kooperation bei der Verfahrensentwicklung, der Produktion von geforderten Systemkomponenten und auch dem immer mehr auf globalen Einkauf gerichteten Marketing keine Chance“, versichert Schulz. Der erst vor einem Jahr gegründete Verein habe bereits zehn Netzwerke aufgebaut; bis Ende 2002 soll die Zahl mindestens verdoppelt werden.
Die für die Projektkoordination verantwortliche Mitarbeiterin sieht als wichtigste Gründe für den Aufschwung der Unternehmen neben der zentralen Lage der ostdeutschen Bundesländer mit guter Infrastruktur und der Nähe zu wichtigen Werken der OEM vor allem das Vorhandensein einer starken Technologiebasis an den technischen Hochschulen. Deshalb lägen die Schwerpunkte der Ansiedlungen auch dort, wo die Zusammenarbeit zwischen der Forschung und den Betrieben besonders erfolgreich verlaufe: In Zella-Mehlis (TU Ilmenau) und in Gera oder Erfurt, wo an den dortigen FH Forschungsthemen bearbeitet werden.
Das gilt natürlich auch für Sachsen, wo ja vor allem die Chemnitzer Region als Wiege des deutschen Fahrzeug- und Maschinenbaus gilt. „Wir haben in Sachsen jetzt eine gute Ausgangsbasis, aber wir haben auch noch einige Defizite, etwa die Kapitalschwäche ostdeutscher Unternehmen“, so Vogel. Als Vorteil sieht der AMZ-Chef hingegen die große Innovationskraft und die Netzwerke. „Interessant sind für die Einkäufer vor allem komplette Lösungen, funktionierende Herstellungstechnologien, die oftmals nur gemeinsam entstehen können.“ So sind unter den 38 im Vorjahr erfolgreich auf den Weg gebrachten Projekten der AMZ mehr als die Hälfte, bei denen bis zu einem halben Dutzend Zulieferer gemeinsam agieren. Vogel setzt in der ersten Phase vor allem auf Kunden aus dem Kreis der Systemzulieferer: Mit diesen Unternehmen lassen sich in der Regel schneller Verträge neu abschließen, während bei den Auto-Herstellern häufig lange Vorlaufzeiten den Neueinstieg erschweren.
In Sachsen-Anhalt existiert mit der Verbundinitiative Magdeburg-Harz-Region ein ähnlicher Knotenpunkt für die Bildung von Netzwerken. „Wir haben zwar keine Endfertigung, doch sind die Entfernungen zu Standorten wie Ludwigsfelde und Sömmerda (DaimlerChrysler), Leipzig mit Porsche und BMW oder Eisenach gering – entsprechend günstig entwickeln sich die Unternehmen“, berichtet Uwe Jacubke von MaHReg. Besonders im Leichtbau werde der Technologievorteil von Unternehmen wie dem IFA Maschinenbau Haldensleben, dem Rundbearbeitungsspezialisten KMB Staßfurt oder den Kunststoffherstellern in Harzgerode und Gardelegen von den Einkäufern längst beachtet.
Bereich Automotive dominiert
Doch der Konzentrationsdruck und ein immer globaler werdender Einkauf verlangen immer neue Marketinganstrengungen. Für die ostdeutschen Unternehmen sind deshalb auch die Präsentationen bei Kunden und Messeteilnahmen – von Detroit bis Bangkok – von entscheidender Bedeutung. „Verträge kommen nur zustande, wenn die Zulieferer mit der Sicherheit aufwarten können, absolut zuverlässig zu sein“, sagt der Chemnitzer AMZ-Chef Volkmar Vogel.
Schon mehr als ein Fünftel der Wertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe des Freistaates kann dem Bereich Automotive zugerechnet werden – Tendenz weiter stark steigend. Kein Wunder, dass der Koordinator der sächsischen IHK für die Branche, Michael Stopp, bereits vor dem Eindruck warnt, Sachsen als Mono-Auto-Industrieland nach außen zu präsentieren. Ohnehin, so Stopp, werde künftig vor allem der Export das Feld für weitere Expansion bieten, da die deutschen Märkte gesättigt seien. Doch auch hier seien die einheimischen Unternehmen längst aktiv, so im Zusammenhang mit einem neuen Fordwerk bei St. Petersburg oder in Tschechien. „Bei allen Fortschritten auf diesem Gebiet sind wir noch ein gutes Stück von anderen Regionen, etwa Bayern, entfernt“, so Stopp.
Zwar werde sich die Zahl der Beschäftigten vor allem durch den Bau des BMW-Werkes und die Ansiedlung entsprechender Zulieferer noch deutlich erhöhen, doch sei gerade die Autoindustrie eine sehr zyklische Branche, die zudem unter starken Konzentrationszwängen steht. „Ich denke, wir werden in Sachsen bald ein vorläufiges Ende des Wachstums nach innen erleben“, so der IHK-Experte, der diese Prognose jedoch nicht unbedingt negativ verstanden wissen möchte. Dauerhaftes Wachstum könne nur durch den Export von Technologie gesichert werden. „Wir denken an länderübergreifende Netzwerke. Unsere Stärken, also die Entwicklung und Serieneinführung neuer Technologie, werden dann mit Partnern gemeinsam umgesetzt, die sehr lohnintensive Fertigungen mit übernehmen.“
Dabei wollen die Ostdeutschen in Zukunft durchaus auch als Systemanbieter auftreten: „Die OEM verlangen eine Komplettlösung für ein Problem. Sie verlangen auch einen Ansprechpartner des Lead-Unternehmens“, erklärt AMZ-Chef Vogel. Als erfolgreiches Beispiel dafür nennt Vogel einen Verbund der Sachsen-Feuerwerk GmbH (Freiberg), der Takata Sachsen und Elterlein, die den Zuschlag als Zulieferer für Airbag-Gasgeneratoren bekommen haben. Bislang wurde dies von US-amerikanischen Wettbewerbern erledigt, „wir haben einfach inzwischen neben unserer Nähe zum Markt auch eine deutlich gewachsene Kompetenz in die Waagschale werfen können“, so Vogel.
Zuliefermesse Z 2002 als Marketinginstrument gefragt
Große Erwartungen verbinden sich bei allen Verbundinitiativen und vor allem den zahlreichen kleinen und mittleren Zulieferern mit der im Juni stattfindenden Messe „Z 2002“ in Leipzig. Man erwarte dort aufgrund der Zusage wichtiger Hersteller und Systemlieferanten eine Leistungsschau der gesamten ostdeutschen Zuliefererbranche, die sich in den kommenden Jahren durchaus auch zu einer Veranstaltung von internationalem Rang entwickeln dürfte, hofft beispielsweise Volkmar Vogel.
Dabei liefern die Ostdeutschen längst nicht mehr nur für den Bedarf der im eigenen Lande angesiedelten OEM. Damit konnte zwar nach 1991 mit den Autowerken in Eisenach und Zwickau begonnen werden, doch inzwischen werden Leistungen und Produkte im Wert von zuletzt 3,6 Mrd. Euro exportiert – mehr als ein Drittel des gesamten Exportvolumens in Sachsen und Thüringen. Die Summe der Gesamtinvestitionen in den Fahrzeugbau und die Zulieferindustrie wird allein in Sachsen mit mehr als 5 Mrd. Euro beziffert.
Während für die Wirtschaftsförderer die vor allem in der 3. Ebene der Zuliefererpyramide aktiven Unternehmen Unterstützung nötig haben, bauen auch längst die Systemlieferanten auf das Netzwerk in Sachsen, dessen Vorzüge durch die Nähe zu immer mehr OEMs noch potenziert wird. Neben den Standorten von Mosel (VW), Dresden (VW), Eisenach (Opel), und Leipzig (Porsche, BMW) werden wesentliche Zuliefererleistungen auch für das Neoplan-Werk bei Plauen, die VW-Motorenfertigung in Chemnitz und das neue DaimlerChrysler-Motorenwerk bei Sömmerda nachgefragt. Dazu kommt noch die seit kurzem angelaufene Produktion des neuen Mercedes-Minivans in Ludwigsfelde. Grund genug beispielsweise für Siemens VDO, das Werk im sächsischen Limbach-Oberfrohna zum Kompetenzzentrum für Dieseleinspritzanlagen auszubauen. Das einst kleine Hydraulikwerk wurde bereits in diesem Jahr von 350 auf nunmehr 840 Beschäftigte hochgefahren. In den nächsten zwei Jahren werden weitere 150 Mio. Euro investiert und rund 200 neue Stellen geschaffen.
Dass solche Technologiezentren und nicht nur verlängerte Werkbänke entstehen, ist für die sächsischen Wirtschaftsförderer besonders wichtig. „Wir haben in Sachsen schließlich jahrzehntelang eine Führungsrolle im Automobil- und Maschinenbau Deutschlands gehabt. So eine Tradition hatte Wurzeln, die jetzt wieder kräftig geworden sind“, sagt Vogel und nennt als Beispiel Neuentwicklungen zur Ventilsteuerung oder ein Elektronenstrahl-Schweißen für Getriebekomponenten bei Pro-beam Hörmann. Auch dieses Projekt wurde mit einem Netzwerk durch die AMZ im vergangenen Jahr erfolgreich auf den Weg gebracht. Rund ein Dutzend sächsischer Anlagenhersteller haben sich unter Leitung der Schweißexperten an diesem Vorhaben beteiligt, dazu mehrere Hochschulen.
Noch 1999 kannte kaum jemand das damals 15 Mitarbeiter zählende Unternehmen aus Chemnitz, das inzwischen 50 Stellen hat und bereits die ersten Anlagen mit dem neuen Schweißstandard auslieferte, unter anderem an das VW-Werk in Baunatal. Sechs Patente kann Geschäftsführer Rolf Zenker jetzt bereits vorweisen und ist sicher, dass das erst der Anfang ist. Elektronenstrahlschweißen, bislang in der Welt technologisch noch kaum eingeführt, ist wesentlich einfacher und sicherer als Laserschweißen einzusetzen und ist universell anwendbar. Inzwischen liefert Pro-beam Hörmann längst auch ins Ausland und wird auch von anderen Branchen umworben, so von der Flugzeugindustrie.
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