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Lettland – Handel und Holz

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Lettland – Handel und Holz

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Lettland hat einen langen Küstenstreifen an der Ostsee. Im Osten grenzt es an Russland, im Südosten an Weißrussland, im Süden an Litauen und im Norden an Estland. Es umfasst die historischen Landschaften Kurland, Semgallen, Lettgallen und das südliche Livland. Das Land ist mit zahlreichen Wäldern und Wiesen bedeckt. Die hügelige Landschaft steigt im Westen zu den Kurländischen Höhen an. Der Osten Lettlands wird auch poetisch „das Land der blauen Seen“ genannt.

Lettland ist stark urbanisiert. Über ein Drittel der Bevölkerung lebt in der Hauptstadt Riga. Riga wurde bereits 1201 gegründet und ist die größte baltische Stadt. Sie gilt mit ihren an Frauenköpfen und Blumenmotiven reichen Fassaden als Schatzkammer des Jugendstils. Besonders sehenswert ist die Albertstraße. Architekten wie Henry van der Velde, einer der Mitbegründer des Jugendstils, und Michail Eisenstein, Vater des berühmten Filmregisseurs, haben hier gewirkt. Der historische Stadtkern der alten Hansestadt Riga zählt zum Weltkulturerbe der UNESCO.
Die mündliche Überlieferung ist in den Dainas, wie die vierzeiligen, viele Jahrhunderte alten Volkslieder heißen, noch immer lebendig. Im 19. Jahrhundert wurden die Texte gesammelt und klassifiziert und so diese Tradition erhalten. Über eine lange Tradition (seit 1873) und politische Bedeutung verfügen die Sängerfeste. Im Laufe der Zeit haben sie sich zu einer nicht mehr wegzudenkenden kulturellen Institution Lettlands etabliert.
Durch die Sowjetisierung Lettlands nach dem zweiten Weltkrieg kamen viele russische Arbeitskräfte ins Land. Große Anlagen wurden aus dem Boden gestampft, die Fernmeldetechnik oder Autobusse für die UdSSR lieferten. Die Produktion orientierte sich nicht an den Bedürfnissen des Kleinstaates Lettland, sondern produzierte für die Sowjetunion. Das Gleiche galt für den Handel, auch er war voll auf die UdSSR ausgerichtet. Nach der Wende änderte sich das. Die Länder der Europäischen Union sind heute Lettlands Handelspartner Nummer Eins .
Im Vergleich zu größeren Beitrittsländern wie Polen sind die Balten wirtschaftlich weiter. Sie konnten Reformen wesentlich zügiger durchführen. Die Letten haben ihre Wirtschaftsstruktur schon komplett umgekrempelt. Während Polen noch stark landwirtschaftlich geprägt ist, hat Lettland den Sprung zur Dienstleistungsgesellschaft bereits geschafft. Zwei Drittel des Bruttoinlandprodukts werden hier erwirtschaftet (Industrie: 17 Prozent/BIP).
Die Letten sind bedingt durch die günstige Meerlage und die eisfreien Häfen traditionell Händler. Wichtigste Exportgüter sind Holz, Holzwaren, Kleidung und Stahl. Bei den Einfuhren sind Maschinen und elektrische Ausrüstung, Pharmazeutika und Pkws stark vertreten. Wie auch die beiden anderen baltischen Staaten sind die Letten in Sachen Internet ganz weit vorn. Internetbanking, Internetshopping – für Letten gehört das bereits zum Alltag.
Die lettische Volkswirtschaft zählt zu den dynamischsten Wachstumsregionen in Europa. Das Jahr 2004 verzeichnet ein Wachstum der wirtschaftlichen Leistung um ca. 6,5 Prozent, nach einem Wachstum von 7,1 Prozent in 2003 und 6,1 Prozent in 2002. Die Wirtschaft befindet sich bei einer Inflationsrate von 2,9 Prozent somit auf einem nachhaltigen Wachstumskurs.
Für die lettische Wirtschaft ist die Entwicklung im Transportbereich von besonderer Bedeutung. Das Land ist eine wichtige Drehscheibe im Ostseeraum. So profitiert Lettland auch von der dynamischen Entwicklung in den nordeuropäischen Staaten sowie Russland und der GUS-Staaten.
Über die Hälfte seines Handels wickelt Lettland mit der EU ab. Deutschland ist derzeit größter Handelspartner Lettlands. Das deutsche Exportvolumen nach Lettland betrug 2004 mehr als 450 Millionen Euro, aus Lettland wurden für 980 Millionen Euro Waren nach Deutschland importiert. Fertigprodukte wie Kraftfahrzeuge, Maschinen und chemische Erzeugnisse sind auf dem lettischen Markt besonders erfolgreich. Deutschland führt vorzugsweise Vorprodukte ein. Holz- und Holzwarenimporte haben hier den größten Anteil. Die Lohnveredelung nimmt ebenfalls einen hohen Stellenwert ein.
Beziehungen zu Deutschland
Einen mehrseitigen Sonderteil widmete Anfang Oktober 2004 das Rigaer Blatt „Dienas bizness“ den deutsch-lettischen Wirtschaftsbeziehungen:
„Deutschland ist noch immer Handelspartner Nr. 1 für den Ostseestaat, doch geht sein relativer Anteil seit Jahren zurück, und bei den Importen aus Lettland hat Großbritannien heuer zum ersten Mal die Bundesrepublik überrundet. Die Zahlen: 2003 gingen 14,9 Prozent der lettischen Ausfuhren nach Deutschland, 2000 waren es dagegen noch 17,2 Prozent. Allerdings bedeute diese rückläufige Tendenz keineswegs eine Verringerung des Handelsvolumens, versichert „Dienas bizness“. Umgekehrt hat der Ostseestaat vergangenes Jahr 16,1 Prozent seiner Einfuhren aus der Bundesrepublik bezogen.
Hauptausfuhrgüter nach Deutschland sind Holz (25,0 Prozent), Textilien und Metallerzeugnisse. Aber auch andere Branchen ziehen nach. So verzeichnet die Lebensmittelsparte in den letzten Jahren Zuwächse bei Produkten wie Branntwein, Käse, tiefgefrorenen Dorschfilets, Weizen, Apfelsaft oder Zucker. Ein besonderer Exportschlager, für den mittlerweile auch schon etliche sportliche Erfolge sprechen – lebende Pferde. Umgekehrt werden aus Deutschland vor allem Maschinen und Kraftfahrzeuge nach Lettland eingeführt. Bei den Lebensmitteln dominieren tiefgefrorenes Schweinefleisch, Sojaöl, aber auch abgepackte Erzeugnisse wie Kaffee, Tierfutter, Joghurt, Schokolade oder Margarine.
Mit umgerechnet 460,2 Millionen Euro zum ersten Halbjahr 2004 ist Deutschland bei den kumulierten Direktinvestitionen auch weiterhin Spitzenreiter an der Daugava. Dabei flossen die meisten Mittel in Unternehmen der Versorgungsbranche – Wasser, Strom, Gas (34 Prozent, bzw. 156,6 Millionen Euro), gemeint ist vor allem das Engagement der Essener „E.ON Ruhrgas“ AG bei „Latvijas gaze“. Mit 32 Prozent gleichfalls gut platziert die Finanzsparte – dank des Einstiegs von „Vereins- und Westbank“ (Hamburg) und „Nord/LB“ (Hannover). Wer Unterstützung für eine Geschäftstätigkeit mit Lettland sucht, findet in Hamburg im Büro der lettischen Wirtschaftsförderung eine erste Anlaufstelle für sein Vorhaben. Dieses ist der lettischen Investions- und Wirtschaftsförderungsagentur IWAL zugeordnet. Sie bietet eine kleine Exportdatenbank online, www.exim.lv/pls/eximmain/exim_home, (in lettisch, russisch und englisch), d ie eine Suche nach Branchen erlaubt: Aluminium, Chemikalien, Baumaterial, Elektronikprodukte, Lebensmittel und Getränke, Möbel, Metallbearbeitung, Bergbau, Kunststoffe und Glas, Keramik, Textilien, Pelze, Schuhe, Holz und Holzwaren. Als zweiten Dienst bietet IWAL eine Seite: „Find Latvian Suppliers“. Hier sind kurze Branchenporträts hinterlegt, unter „Relevant contacts“ kommt man auf Handelskammern u. ä. Wichtige Messetermine in Lettland sind im April die „Wald und Holz“, Ausstellung für Forstwirtschaft und Bauholzverarbeitung (<a href="http://www.bt1.lv“ target=“_blank“ title=“www.bt1.lv„>www.bt1.lv), im Oktober die Möbelausstellung „Möbel“ (<a href="http://www.bt1.lv“ target=“_blank“ title=“www.bt1.lv„>www.bt1.lv), im November die „Baltic Industry“, Messe für Maschinenbauwesen, Werkzeuge, Elektrotechnik und Elektronik (www.prima.lv). kg

Links zum Land
  • www.liaa.gov.lv – Latvian Investment and Development Agency (Seite auch auf Deutsch), lettische Wirtschaftsförderungsgesellschaft mit Nachrichten aus Lettland, Export-Import-Directory, Messeverzeichnis
  • www.latviatourism.info – Lettisches Reisebüro, Landesinformationen, unter „more information“ auch Business directory
  • www.117.lv – umfangreiches lettisches Branchenverzeichnis, auch auf Deutsch
  • www.ahk-est.ee/index.php?id=1093 Deutsch – Baltische Handelskammer in Estland, Lettland, Litauen, Seite zu Lettland
  • www.hagen.ihk.de – Schwerpunkthandelskammer zu Lettland, unter „International” Länderinformationen zu Lettland
  • www.ixpos.de – unter Länder und Branchen Länderinformationen zu Lettland, viele Links

  • Fakten
    Fläche: 64.589 km² Hauptstadt: Riga, 745 000 Einwohner Bevölkerung: 2,34 Mio. Einwohner 58,3 % Letten, 29,1 % Russen, 4,0 % Weißrussen, 2,6 % Ukrainer
    Amtssprache: Lettisch
    Nationalfeiertag: 18. November (Tag der Proklamation der Republik Lettland 1918) Nationalhymne: „Dievs, sveti Latviju“ („Gott segne Lettland“) Währung: 1 Lats (LVL) = 100 Santims; 1 Euro = ca. 0,70 Lats
    Politisches System: Parlamentarische Demokratie Staatsoberhaupt: Vaira Vike-Freiberga (seit 1999) Regierungschef: Indulis Emsis (seit 9. März 2004) Mitgliedschaft in internationalen Organisationen: UNO, UNESCO, Europarat, WTO, OSZE, WEU (assoziierter Partner), Council of Baltic Sea States u. a.
    Telefonvorwahl: 00 371
    Wirtschaftswachstum: +7,5 % (2004) Arbeitslosenquote: 8,5 % (2004) Wichtigste Exportländer: Deutschland, Großbritannien, Schweden, Russland Wichtigste Importländer: Deutschland, Russland, Finnland
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