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Lieferant für das Wetter gesucht

Vernetzte Fahrzeugdienste
Lieferant für das Wetter gesucht

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Vernetzte Fahrzeugdienste, auch Connected Services genannt, breiten sich im Auto immer weiter aus. Da die Hersteller nicht alle Online-Dienste selbst anbieten können, muss sich der Einkauf neue Lieferanten suchen – zum Beispiel einen, der Wetterdaten bringt.

Die Automobilindustrie steht kurz vor dem Durchbruch, vernetzte Fahrzeugdienste, auch Connected Services genannt, rund um das Auto zu etablieren. Erste Angebote sind bereits auf dem Markt. Sie werden sich in den nächsten Jahren vervielfachen.

Die verschiedenen Dienste und Inhalte zu bündeln, zu betreiben und den Kunden über Abo-Modelle für sich zu gewinnen, ist eine enorme Herausforderung für alle Autobauer. Um am lukrativen Connected-Service- Geschäft der Zukunft entscheidend zu partizipieren, müssen die OEM ihrer Vorreiterrolle als Systemintegrator auch auf der neuen Ebene der Serviceintegration gerecht werden, vor allem bei Fahrzeugsicherheit und After Sales überzeugen und für Commodity-Datendienste schnell die richtigen Zulieferer finden oder Kooperationen eingehen. Volumenhersteller sind auf den Schulterschluss mit starken Service- und Plattformanbietern angewiesen und müssen lernen, die Zusammenarbeit bei der Servicebündelung zu orchestrieren. Gegenspieler beim Werben um die Gunst des Kunden sind insbesondere die After-Market-Player, die mit günstigen und pragmatischen Lösungen zunehmend punkten. Dies sind Ergebnisse der neuen Oliver-Wyman-Studie „Connected Services: Die neuen Chancen der Fahrzeugvernetzung“.
Fahrzeugvernetzung nimmt rasant Fahrt auf. Marktanalysten zufolge beträgt die Penetrationsrate von vernetzten Diensten in Neuwagen bis zum Jahr 2016 weltweit rund 50 Prozent. In Japan, Nordamerika und Westeuropa wird sie sich in den nächsten 15 bis 20 Jahren sogar auf nahezu 100 Prozent entwickeln. Zugleich ist die Weiterentwicklung in vollem Gange. Proprietäre Telematiksysteme mit Einzeldiensten gehören der Vergangenheit an und haben Platz gemacht für konvergente, komplexe und zunehmend offene Systeme. Längst geht es auch nicht mehr darum, das Internet ins Fahrzeug zu bringen, sondern vielmehr das Fahrzeug ins Internet.
In der Studie hat das Beratungsunternehmen sieben Service-Geschäftsfelder identifiziert, die mittelfristig das Fahrzeug erobern werden und deren Betrieb als Gesamtpaket ein Milliardengeschäft verspricht. Im Einzelnen handelt es sich um die Themen Sicherheit und Fernwartung, Flottenmanagement, Mobilität, Navigation, Infotainment, Versicherungen sowie Bezahlsysteme (siehe Grafik).
Notfall- und Sicherheitsdienste werden ebenso wie Ferndiagnose und Kundendienstleistungen, zum Beispiel Wartungsanzeigen oder automatische Werkstattanbindung, in den nächsten Jahren von starkem Wachstum geprägt sein – nicht zuletzt getrieben durch den ab 2015 vorgeschriebenen Einbau des eCall-Systems in allen in der EU verkauften Neufahrzeugen. Allein in Europa beläuft sich das Marktpotenzial auf etwa 16 Millionen Stück pro Jahr. Flottenmanagementsysteme sind bereits im Einsatz. Sie werden systematisch in den Massenmarkt und in Standardplattformen fließen, werden mit jeder neuen Fahrzeuggeneration preisgünstiger und auch in kleineren Flotten Einzug halten. Mit einer geschätzten volumenmäßigen Zunahme von jährlich 20 Prozent kommen sie 2016 auf 5,7 Millionen Stück.
Gezielte Positionierung Für Mobilitäts- und Infotainmentdienste hat sich durch das vernetzte Fahrzeug ein neuer Vertriebskanal eröffnet. Der wachsende Anspruch der Kunden, über das Telematiksystem auch im Auto immer online zu sein und intermodale Funktionalität zur Verfügung zu haben oder in Form von Carsharing Fahrzeuge zu nutzen statt zu besitzen, schafft hohes Wachstumspotenzial. Noch allerdings ist die Bereitschaft der Nutzer gering, für die angebotenen Dienste zu bezahlen.
Navigationsdienste wiederum werden sich evolutionär weiterentwickeln, während mobile Bezahlsysteme noch ganz am Anfang stehen und erst langsam an Dynamik gewinnen. Es gilt, die Akzeptanz sowohl der Nutzer als auch der Geschäftspartner zu erhöhen. Für die Versicherungsbranche ergeben sich je nach Region neue Möglichkeiten in der Produktentwicklung sowie im Kunden- und Unfallmanagement. „Es zeichnet sich ab, dass es für OEM, Zulieferer und After-Market-Player rund um vernetzte Fahrzeugservices künftig sieben Felder geben wird, Geld zu verdienen“, sagt Juergen Reiner, Partner des Beratungsunternehmens und Autor der Studie.
Trumpf aller Automobilhersteller sind ihre bestehenden Kunden und ihre Fahrzeuge. Künftig ist es für die sogenannten „Premium-OEM“ die vorrangige Aufgabe, ihre Innovations- und Integrationshoheit zu bewahren und sich vom System- zum Serviceintegrator weiterzuentwickeln. Dies bedeutet, inhaltliche Hoheit zu erlangen und die unterschiedlichsten Services im Auto zu bündeln und zu betreiben. Dabei ist eine Vielzahl richtiger Entscheidungen zu treffen, beispielsweise hinsichtlich Plattform, Standards, Content oder Dienste. Dies birgt Risiken. Allein auf die falsche Smartphone-Anbindung zu setzen, kann sich negativ auswirken.
Das Gebot der Stunde für Audi, BMW, Mercedes-Benz und VW ist es, sich im Servicebereich auf die eigenen Stärken zu konzentrieren, sprich: den Fokus auf fahrzeugnahe Dienste wie Sicherheit und After-Sales-Services zu legen. Gerade die automatische Werkstattzuführung schafft enormen Mehrwert, da so Fahrzeug und Marge abgesichert werden können. Wenig sinnvoll ist es für Premiumanbieter, sich in Eigenregie um Wetter- oder Navigationsdaten oder das Musikstreaming zu kümmern. Hier gilt es, zeitnah die richtigen Partner zu finden oder bestehende Allianzen auszubauen. Daimler und die Telekom haben beispielsweise gerade angekündigt, fortan bei Onlinediensten und Web-Applikationen im Auto zu kooperieren. Dazu gehören Echtzeitverkehrsinformationen, Mobilitätsangebote, Personalradio und der Zugriff auf soziale Netzwerke.
Zusammenarbeit orchestrieren Für die sogenannten Volumenhersteller stellt sich die Aufgabe, sich Systemintegratoren an die Seite zu holen, um mit diesen gemeinsam das Service-Gesamtpaket zu schnüren.
Dafür heißt es die besten Partner und neue Geschäftsmodelle zu finden. So haben sich beispielsweise Renault und der französische IT-Dienstleister Atos zusammengetan und bieten im Rahmen einer strategischen Partnerschaft vernetzte Fahrzeugdienste an. Renault nutzt die IT-Infrastruktur von Atos, die unterschiedlichste Diensteanbieter einbindet und auch über einen App Store sowie eine Bezahlfunktion verfügt, und vergütet dies transaktionsbezogen.
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