Consolidation Center in Gaggenau

Logistik für Brasilien

Containerverladung im Hafen Antwerpen – nach 31 Tagen Warenausgang Gaggenau sind die Container im brasilianischen Werk (Foto: DaimlerChrysler)
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Bei DaimlerChrysler in Gaggenau ist eines der modernsten Konsolidierungscenter (CC) Europas entstanden, schon Anfang Februar 2002 ging von dort der erste Container in Richtung Brasilien. Nun ist der Betrieb ins Rollen gekommen: Gaggenau übernimmt die Abwicklung der gesamten Logistik für das Nutzfahrzeugwerk in Sao Bernardo do Campo von DaimlerChrysler do Brasil. Von der Disposition bis zum Transport werden sämtliche Logistikprozesse im CC gebündelt.

Bündelung von Disposition, Verpackung und Transport
Mario Stoll, Mitarbeiter im Wareneingang, sorgt mit zwei Kollegen für die reibungslose Abwicklung der Lkw-Entladung. Hier variiert die Anzahl der Mitarbeiter je nach Zahl der erwarteten Lieferungen. „Heute ist Normalbetrieb“, sagt Stoll.
Nach der Entladung der Lkw vergleichen die Mitarbeiter des Wareneingangs die Lieferpapiere mit der eingehenden Ware. Anschließend werden schon hier im Wareneingang Vorbereitungen für den späteren Verpackungsprozess getroffen. „Das geht über den normalen Wareneingangsprozess hinaus“, so Stoll. „Wir versehen das Material nicht nur mit Materialbegleitkarten, sondern ordnen dem Material bereits im Wareneingang die Verpackungsaufträge und die Labels für den späteren Versand nach Brasilien zu.“
Pro Tag werden durchschnittlich 15 – 20 Lkw abgewickelt. Rund 300 Standorte von gut 250 verschiedenen Lieferanten aus ganz Europa liefern an das Gaggenauer CC. Bisher beauftragte das brasilianische Werk, wie alle Auslandswerke des Konzerns, seine Lieferanten direkt. Jeder Lieferant musste sich selbst um die physische Versendung und die entsprechenden Formalitäten kümmern. Disposition, Verpackung und Transport werden nun in Gaggenau koordiniert und ausgeführt. Vom einfachen Elektronikteil bis zum fertig montierten Aggregat, vom Blechteil bis zur Innenverkleidung – alles, was das brasilianische Werk importiert, wird in Gaggenau versandfertig verpackt und verschickt.
Gaggenau ist nicht irgendein Projekt bei DaimlerChrysler. „Das Gaggenauer Konsolidierungscenter hat Pilotcharakter“, sagt Edmund Trapp, Leiter des CC Gaggenau. „Wenn wir hier erfolgreich sind, werden wir bei DaimlerChrysler die Materialversorgung im Nutzfahrzeugbereich weltweit über Konsolidierungscenter abwickeln.“
Eine einheitliche EDV-Plattform
Der gesamte Informationsfluss zwischen Auslandswerk und Zulieferern läuft in Gaggenau über eine einheitliche EDV-Plattform. Dazu wurde SAP-Automotive eingeführt. Die SAP-Projektleitung lag bei der Berliner Unternehmensberatung Alogis AG. Das Team um SAP-Projektleiter Andreas Walter bewältigte die SAP-Einführung in fünf Monaten. SAP wurde ohne Modifikationen eingeführt.
Das SAP-System überprüft für jede Lieferung automatisch, welches Material direkt zur Verpackung und welches ins Lager geschickt werden kann. Für Materialien, die zum direkten Weiterversand vorgesehen sind, wird schon im Wareneingang mit der Erstellung des Packauftrags gleichzeitig die Zuordnung in eine so genannte Vorbereitungszone ausgelöst. Staplerfahrzeuge bringen die Materialien hin. „Dort bleiben sie bis zur Verpackung“, erklärt Projektleiter Walter. Das CC kann auf diese Weise Lagerbestände und interne Transporte auf ein Minimum reduzieren.
Acht Packplätze stehen für Klein- und Mittelteile am Packband zur Verfügung. Daneben gibt es noch einen Packbereich für Groß- und Sperrteile sowie für Luftfrachtumfänge. Am Ende des Packbandes erfolgt die Palettierung. Die Paletten werden belabelt, ein Stapler bringt sie zur Container-Wartezone. Über eine Laderampe wird der Container hier beladen.
Die Materialsteuerung in Gaggenau läuft in Abhängigkeit von der aktuellen Bedarfssituation im brasilianischen Werk. Das Containervolumen wird damit bestmöglich ausgenutzt. „Wenn wir sehen, dass ein Container nicht voll wird, können wir mit unserer Materialsteuerung einen größeren Bedarfszeitraum berücksichtigen, also die nächsten fälligen Teile schon vorziehen und noch weitere Packstücke in den Container verladen“, sagt Walter.
Die Befüllung der Container richtet sich aber nicht nur danach, was gerade am besten in den Container passt. Trapp: „Die Reihenfolge der Befüllung hier in Gaggenau orientiert sich zusätzlich an der Montagelinie des brasilianischen Werkes. Bisher mussten die Sendungen in Brasilien ja immer umgepackt werden.“
Parallel erfolgt mit Hilfe eines Container- Stauprogramms die optimale Zusammenstellung des Containers nach Gewicht und Volumen für die Beladung. Rechnungen und Zollpapiere werden erstellt. Die Reise nach Brasilien kann beginnen.
Die erste Etappe legen die Container via Lkw zurück, von Gaggenau zum Rheinhafen in Wörth. Diese Transportkette liegt verantwortlich bei der Firma Unikai. Von dort aus geht es dann per Schiff weiter: den Rhein hinunter über die holländische Grenze. Drei Tage dauert die Fahrt, dann sind die Container im Seehafen von Antwerpen.
Einen Tag nimmt die Verladung in Antwerpen in Anspruch. Dann geht es per Seeschiff übers Meer nach Santos in Brasilien. Durch die geringere Anzahl an Sendungen wurden die Entzollungsvorgänge in Brasilien deutlich vermindert. Nach Entladung und Verzollung werden die Container per Lkw zum Werk Sao Bernardo do Campo gebracht. 31 Tage nach Warenausgang in Gaggenau im brasilianischen Werk – am Ziel.
Tracking & Tracing über das Internet
Die Reise der Container bleibt zu keinem Zeitpunkt unbeobachtet. Eine von der Alogis AG entwickelte wesentlich erweiterte Tracking & Tracing Funktion ermöglicht allen an der Prozesskette beteiligten Personen zu jeder Zeit den Abruf des aktuellen Status und Ortes der Sendung über das Internet. Mögliche Engpässe können leicht identifiziert werden. Walter: „Die Daten- und Warenströme sind nun durchgängig transparent. Wir haben damit eine Lösung aus einem Guss realisiert.“
Weltweit plant der Daimler Chrysler-Konzern vier bis fünf weitere Konsolidierungscenter dieser Art, wenn sich Gaggenau bewährt. Die Erwartungen sind jedenfalls hoch. Trapp betont: „Wir rechnen mit Kosteneinsparungen von rund 20 Prozent.“ Bereits Ende des Jahres sollen täglich zwei Container aus Gaggenau nach Brasilien verschifft werden.
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