Sicherheitsvorschriften für Maschinen, Anlagen und Geräte in Nordamerika

Manchmal entscheidet der Sheriff

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Nordamerika ist einer der wichtigsten Märkte für Maschinen und Anlagen. Hersteller, die Produkte nach Nordamerika exportieren, müssen unterschiedliche Sicherheitsanforderungen berücksichtigen. Vor allem bei elektrisch-betriebenen Geräten existieren zahlreiche Unterschiede in den Sicherheitsvorschriften.

In den USA existieren keine gesetzlichen Vorschriften, dass ein Produkt beim Eintritt in den Handelsraum ein Konformitätszeichen tragen muss. Alle kommerziell eingesetzten Produkte müssen jedoch mindestens den gesetzlichen Anforderungen der OSHA entsprechen. Die Occupational Safety and Health Administration (Bundesamt für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz) veröffentlicht Richtlinien für die Sicherheit in Betrieben und Arbeitsstellen.

Nur von der OSHA akkreditierte Prüf- und Zertifizierungsinstitute, sogenannte NRTL (Nationally Recognized Testing Laboratories) sind berechtigt, Produkte für den nordamerikanischen Markt zu testen und zu zertifizieren. In Betrieben erfolgt die Genehmigung durch lokale Inspektoren, den AHJ (Authority Having Jurisdiction). Diese sind auch unter dem Namen „Code Enforcement Officers“ bekannt. „Wird die Konformität einer Anlage oder Maschine mit den Normen angezweifelt, kann diese vorläufig gesperrt werden, sie erhält einen „Red Tag“,“ fasst Thomas Kloft von Intertek den Rahmen für Nordamerika zusammen. Intertek bietet alle Dienstleistungen von Auditierung und Inspektion, über das Prüfen bis hin zu Qualitätssicherung und Zertifizierung von Produkten und Prozessen weltweit an.
Selbst für Profis sind die Vorschriften für die Elektroinstallation im Anlagenbau in den USA ziemlich verwirrend. Grund: Die Zertifizierungsvorschriften sind nicht nur sehr komplex, sondern auch abhängig vom Aufstellungsort der Anlage. Rudolf Fleig, Projektleiter von Emis Electrics berichtet: „Die Vorschriften und Normen für die Installationstechnik sind teilweise von Bundesstaat zu Bundesstaat und von Stadt zu Stadt unterschiedlich. Es gibt Fälle, da entscheidet der lokale Sheriff, der kein Fachwissen besitzt. Das macht es oft sehr schwer, die genauen Vorschriften eindeutig zu klären.“
Die Ingenieure von Emis Elec-trics kennen das Problem. Das Unternehmen hat sich als Komplettdienstleister im Bereich Elektrotechnik von Maschinen und Anlagen auf der ganzen Welt spezialisiert. Ein wichtiger Kunde ist Mack Rides GmbH in Waldkirch, Weltmarktführer für den Bau von Fahrgeschäften in Vergnügungsparks. Emis Elec-trics übernimmt für den Bau von Achterbahnen, Wildwasser- und Geisterbahnen die komplette Elektrotechnik von der Planung bis zur Inbetriebnahme und Abnahme durch entsprechende Prüfinstanzen. Dabei ist auf ein höchstes Maß an Sicherheit zu achten. Für den Einsatz in den verschiedenen Fahrgeschäften muss das Kabelmaterial vielfältigen Beanspruchungen standhalten: UV-Beständigkeit für die Verlegung im Freien, Eignung für Verlegung im Erdreich, im Wasser, im Kabelkanal, für Verlegung ohne Befestigung oder entlang von Konstruktionselementen. Außerdem müssen die Leitungen den mechanischen Beanspruchungen standhalten und die Installation muss EMV-gerecht sein.
Während in Europa die Installation der Kabel und Leitungen in Gebäuden, Schaltschränken oder an Motorenanschlüssen offen durchgeführt wird, ist in den USA eine Verlegung in Rohren mit Einzeldrähten üblich. Die Verrohrung ist ähnlich einer Sanitärinstallation. Hierfür fehlt dem Europäer schlichtweg das Know-how und das Werkzeug. Diese Art der Installation ist extrem unflexibel und verlangt in der Anfangsphase der Planung detaillierte Verrohrungs- und Anschlusspläne.
Auch für den Aufbau der Leitungen gibt es genaue Vorschriften. Feldgeräte und Installationsmaterial müssen über die UL-Zulassungen verfügen. Für nahezu jede Einsatzart gibt es umfangreiche US-Normenwerke wie NEC, UL, NEMA, ASTM oder OSHA. Fleig warnt: „Das Besondere daran ist, dass lokales Recht über dem Bundesrecht steht und es je nach Installationsort unterschiedliche Vorschriften gibt.“
Für eine NEC konforme Installation gibt es jedoch eine Lösungsmöglichkeit, die es erlaubt eine offene Kabelverlegung durchzuführen und die Nachteile einer Verrohrung zu vermeiden. Im Artikel 336 werden die Bedingungen für ein offen verlegbares Kabel (TC-Kabel) definiert. Wer im europäischen Installationsstil arbeiten will, kann dies normenkonform nach US-Vorschriften nur mit TC-Kabeln wie Ölflex Tray II oder Ölflex Tray II CY von Lapp Kabel realisieren. Dennoch empfiehlt es sich, bei jeder Anlage vor der Planung und Installation mit den jeweiligen lokalen Genehmigungsbehörden zu sprechen. „Denn,“ so Fleig, „die besten Ergebnisse werden erzielt, wenn der Endkunde oder das Installationsunternehmen bereit ist, an der Problematik mitzuarbeiten.“ So können im Vorfeld spezifische Anforderungen geklärt und teure Verzögerungen bei der Inbetriebnahme vermieden werden. kg
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