Der Einkauf der Zukunft

Moving to the next decade

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Der Einkauf und die Mega-Trends der Zukunft – so sieht es unser Autor Sven Marlinghaus.

Sven Marlinghaus, Geschäftsführender Gesellschafter BrainNet Navigator GmbH

In den vergangenen Jahren hat der Einkauf bereits eine enorme Wandlung vom „Bestellschreiber“ zum „Strategischen Einkauf“ vollzogen – doch die Reise hat erst begonnen: Nach Ansicht von Michael E. Porter, Professor an der Harvard Business School, werden primär drei Mega-Trends die Wirtschaft in den nächsten zehn Jahren signifikant beeinflussen: Globalisierung, technologischer Fortschritt und die demographische Alterspyramide. Welche Auswirkungen ergeben sich hieraus zukünftig für den Einkauf? Wo stehen wir heute und was wird sich ändern?
Mega-Trend 1 – die Globalisierung: Durch sie erhält der Einkauf Zugang zu neuen Beschaffungsmärkten mit leistungsstarken Lieferanten und Dienstleistern. Hieraus ergeben sich signifikante Optimierungspotenziale – jedoch auch zahlreiche Herausforderungen.
„Im Umfeld von Mergers & Akquisitions, steigendem Wettbewerbsdruck und Internationalisierung der Einkaufstätigkeiten müssen die Strukturen im Einkauf flexibel sein, um schnell auf Veränderungen reagieren zu können. Dezentrale Verantwortung gekoppelt mit strategischer Koordination der Einkaufsaktivitäten bilden die Basis für den Einkaufserfolg“, fasst Josef Schwake, Senior Vice President Corporate Sourcing Coordination der Bertelsmann AG, seine Erfahrungen zusammen. Unternehmen entwickeln sich von vertikal orientierten Organisationen immer mehr hin zu horizontal orientierten Organisationen, basierend auf Partnerschaft und dem Netzwerkgedanken.
Vernetzung der Partner
Virtuelle Teams arbeiten „cross functional“ und „cross company“ rund um den Globus zusammen. Ordnungskriterium ist nicht mehr länger die Funktion, sondern das Objekt wie z. B. der Prozess, das Produkt oder die Materialgruppe. Deren Standardisierung, Compliance der Prozesse sowie die integrative Vernetzung der Partner über die Unternehmensgrenzen hinaus und optimale logistische Prozesse sind die zentralen Erfolgsfaktoren.
Internetbasierte, skalierbare Technologie wie z. B. die mySAP SRM Suite wird zukünftig weiter an Bedeutung gewinnen, da nur so weltweit und unternehmensübergreifend Prozesse effizient gemanagt und transparent gestaltet werden können. Allerdings sollte die Software lediglich Enabler sein. Das System muss immer der Einkaufsstrategie folgen – nicht umgekehrt.
Mega-Trend 2 – der technologische Fortschritt: Nicht Unternehmensgröße oder kurzfristig orientierte Kostensenkungsprogramme entscheiden zukünftig über die Wettbewerbsfähigkeit, sondern die Fähigkeit zur technologischen Innovation. „Rund 70 % der Produktkosten werden bereits im Rahmen der Produktentwicklung festgelegt. Dies erfordert eine frühzeitige Einbindung des Einkaufs in den Entwicklungsprozess sowie ein hohes Maß an technologischem Verständnis im Einkauf. Ferner gilt es Lieferanten von Schlüssel-Technologien frühstmöglich in den Prozess einzubinden. Hierdurch wird bei neuen Entwicklungsprojekten die Generierung von Wettbewerbsvorteilen hinsichtlich Time to Market, Kosten und Technologie-Innovation signifikant gestützt. Die gesamte Organisation des Supply-Management-Prozesses muss diesen Anforderungen Rechnung tragen“, beschreibt Marco Knuist, Vice President Strategic Purchasing bei der Wincor Nixdorf AG, die Notwendigkeit von crossfunktionalen Technologie-Teams.
Supply Network
Die Fähigkeit zu technologischer Innovation wird zukünftig den Einkaufserfolg exorbitant beeinflussen. Das reine „Preisquetschen“ hat ausgedient. Alternative Materialien und Fertigungsverfahren sowie partnerschaftliche Kollaboration mit Lieferanten und Netzwerkpartnern sind die Zukunft. Unterstützt wird diese Entwicklung durch neuste Internettechnologien: Portale mit integrierten Knowledge-Management-Datenbanken dienen als Kollaborationsplattform und verbinden das Supply Network miteinander. Innovationen sind kein Zufallsprodukt – vielmehr gilt es, diese proaktiv zu managen und organisatorisch abzubilden. Die Kenntnis von Best-Practice sowie permanentes Benchmarking sind ganz dringend geboten und prägen die World-Class-Einkaufsorganisation maßgeblich.
Mega-Trend 3 – die Demographie: Die Weltbevölkerung wächst und wird älter. Junge, talentierte und gut ausgebildete Fachkräfte werden zukünftig Mangelware sein. Experten erwarten gar einen „War for talents“, also eine Schlacht um gute Nachwuchskräfte. Suche, Qualifikation und Motivation von „High Potentials“ werden zunehmend zum kritischen Erfolgsfaktor. Dies birgt eine große Herausforderung für die Unternehmen allgemein, jedoch speziell für den Einkauf, da eine Position dort in der Vergangenheit nicht als Karrieresprungbrett galt.
Fähigkeiten ausbauen
Hinzu kommt, dass Universitäten und Fachhochschulen bislang ihren Fokus eher auf Vertrieb und Marketing gelegt haben. Lehrstühle für Supply Management entstehen erst in jüngster Vergangenheit und sind stark unterrepräsentiert.
Ergo muss der Einkauf für Nachwuchskräfte attraktiver werden und die benötigten Skills der Zukunft zielgerichtet entwickeln.
„Da unsere Wettbewerbsfähigkeit nur durch qualifizierte Mitarbeiter optimiert werden kann, überlassen wir die Weiterbildung im Einkauf nicht dem Zufall. Statt auf zufällig besuchte Seminare setzen wir auf langfristig orientierte und strukturierte Weiterbildungskonzepte im Einkauf“, so Astrid Borgmann, Corporate Procurement Coordination & Systems, Schering AG. Besonderer Nachholbedarf besteht allgemein im Einkauf hinsichtlich Management-Skills, technischer Betriebswirtschaft sowie interkultureller und sprachlicher Fähigkeiten. Der Einkauf muss zukünftig mindestens so gut ausgebildet sein wie sein Verhandlungspartner – der Vertrieb.
Letztlich gilt es, den Status des Einkaufs entsprechend seiner Bedeutung weiter zu optimieren und geeignete Motivationswerkzeuge einzusetzen. Incentives sowie eine angemessene, evtl. erfolgsbezogene Vergütung sollten zukünftig im Einkauf selbstverständlich sein.
Globaler Wettbewerb und eine abnehmende Fertigungstiefe erfordern flexible und prozessorientierte Supply-Management-Prozesse und partnerschaftliche Netzwerke. Qualifikation, technologische Innovation und internetbasierte Technologien werden zukünftig weiter an Bedeutung gewinnen.
Herausforderungen
Der Einkauf steht vor bahnbrechenden Herausforderungen. Seine Chancen die Wertschöpfungsprozesse zu beeinflussen steigen. Top-Einkäufer werden zu netzwerkorientierten Supply-Chain-Managern mit internationaler Orientierung. Künftig wird der Einkauf am Steuerrad der Wertschöpfungskette – ergo im Top-Management – sitzen müssen.
Über den Autor:
Sven Marlinghaus ist Geschäftsführender Gesellschafter bei der BrainNet Navigator GmbH. Die BrainNet Gruppe beschäftigt 40 Berater und erzielt über 90 % ihrer Umsätze mit Projekten auf den Sektoren Beschaffung, Materialwirtschaft und Supply Chain Management. Erstklassige Referenzen von internationalen Top-Unternehmen unterstreichen die BrainNet-Beratungsqualität. So wurden z. B. die BrainNet-Klienten Bayer und Miele mit dem BME-Innovationspreis ausgezeichnet, der jährlich vom Bundesverband für Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e. V. für herausragende Innovationen im strategischen Einkaufsmanagement vergeben wird.
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