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Outsourcing: Zug der Lemminge?

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Wenn man zwei Studien, die jüngst in Berlin die Runde machten, glauben darf, dann hat Outsourcing nun auch den Einkauf voll erwischt. War der Einkauf bisher Motor des Outsourcings im Rahmen von Make-or-Buy-Entscheidungen, so ist er mittlerweile zum Opfer geworden.

Die Digitalisierung des Einkaufs insbesondere im Bereich des indirekten Materials und die Tatsache, dass es mittlerweile Heerscharen von Beschaffungsdienstleistern gibt, hat dazu geführt, dass immer öfter Teile der Beschaffungsaktivitäten an Procurement Service Provider ausgelagert werden. Schon wird herbeigeredet, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis externe Dienstleister auch für direkte Materialien, ja sogar das strategische Sourcing in Betracht kämen.
Es sei abzusehen, dass ganze Produktkategorien inklusive der planerischen Funktionen Dritten übertragen würden. Dies klingt gut. Dennoch lohnt sich kritisches Nachrechnen. Wie hoch sind die realisierbaren Kosteneinsparungen und die neu entstehenden Koordinationskosten? Und: Wie hoch sind die erkauften Abhängigkeiten? Wenn noch Halbwissen über vermeintliche Vorbildstrategien von Marktführern hinzukommt, entsteht schnell ein Zug der Lemminge.
Forscher des Fraunhofer Instituts stellten fest, dass die besonders aus der Automobilindustrie bekannten weitreichenden Outsourcing-Maßnahmen für die Industrie insgesamt keineswegs typisch sind. Man macht im Moment die schmerzliche Erfahrung, dass immer dann, wenn komplexe Schnittstellen unter Beteiligung mehrerer Partner zu handeln sind, massive Qualitätsprobleme besonders im Zusammenhang mit der modernen Elektronik auftreten.
Konsequenz: Das überdrehte Outsourcing-Rad wird in jüngster Zeit wieder zurückgedreht. Marktforscher der Gartner-Group fanden heraus, dass IT-Outsourcing nur selten den erwarteten Kostenvorteil einspielt. Daraus ist abzuleiten: Risiken und Koordinationskosten des Outsourcings müssen realistisch eingeschätzt werden. Überschaubar sind sie bei standardisierten Prozessen, die es vor allem beim indirekten Material gibt. Hier wird die Tendenz zum Outsourcing weiter zunehmen. Voraussetzungen sind jedoch klare Auftragsdefinition, klare Regelung der Verantwortlichkeit und Absicherung gegen Ausfallrisiken der Provider. Beim Einkauf direkten Materials lohnt sich schon ein Redesign der internen Prozesse.
Im Hinblick auf die zukünftige Organisation des Einkaufs ist Outsourcing ein Element, aber nicht der Königsweg! Ziel ist, ein effizientes Supply Management zu realisieren, organisiert nach dem Spargelprinzip: schlank und mit einem klugen Kopf an der Spitze! Wie sagte der legendäre französische Staatspräsident Charles de Gaulle auf die Frage, ob er sich durch den Spitznamen „Spargel“ beleidigt fühle? „Absolut nicht. Immerhin ist das Wichtigste beim Spargel der Kopf.“ Im Supply Management bildet der strategische Einkauf den Kopf – den kann man nicht outsourcen!
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