Einkaufsorganisation

Qualität stärkt das Unternehmen

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Nicht nur die Autoindustrie macht durch Rückrufe wegen Qualitäts- problemen von sich reden. Für die Qualität ist der Einkauf zwar verantwortlich – aber beileibe nicht als einziger im Unternehmen. Könnte der Einkauf für ein größeres Qualitätsbewusstsein in der Wertschöpfungskette sorgen, führte das zu einer langfristigen Stärkung des Unternehmens.

Kaum ein Tag vergeht ohne neue Nachrichten über teilweise gigantische Rückrufaktionen. Häufig sind die Ursachen dieser Aktionen auf einzelne Teile oder Lieferanten zurückzuführen, so dass die Einkaufsorganisation bei solchen Problemen besonders im Fokus steht. In Anbetracht der zunehmenden Anzahl von Produktrückrufen stellt sich die Frage, wie ein Unternehmen proaktiv Qualitätsprobleme minimieren kann und welche Rolle der Einkauf hierbei spielt.

Eine Studie der Beratungsgesellschaft Santiago Advisors, Willich, kommt zu dem Schluss, dass der Einkauf stärker entlang der Wertschöpfungskette eingebunden werden muss, um eine nachhaltige Qualitätsstrategie zu verfolgen. An der Studie im Juni dieses Jahres haben 32 Einkaufsleiter aus neun Branchen teilgenommen.
Das Dilemma Die Verantwortung für Fehler und Qualitätsprobleme, welche zu Rückrufaktionen führen, wird dem Einkauf zugeschrieben. Diese Sicht wird von den Einkaufsleitern selbst geteilt: Bei einer Einstufung der Verantwortlichkeiten für die Sicherstellung der Produktqualität wird die Einkaufsabteilung an erster Stelle gesehen (Durchschnittsplatzierung 1,1), gefolgt von der Qualitätssicherung (1,7) und der Entwicklungsabteilung (2,2). Gerade hier wird das Dilemma des Einkaufs deutlich: Auf der einen Seite gibt es die Qualitätsverantwortung, auf der anderen Seite herrscht jedoch ein permanenter Kostendruck. 87 Prozent nennen den Kostendruck in der Branche als Hauptursache für Qualitätsdefizite. Hinzu kommen eine zunehmende Komplexität in der Produktentwicklung (78 %) und immer kürzere Produktlebenszyklen (67 %).
Der Einkäufer bewegt sich folglich in einem schwierigen Spannungsfeld von hoher Qualität und niedrigen Kosten im Beschaffungspreis. Während die Studienteilnehmer nahezu gleich Qualität und Kosten als Zieldimension im Einkauf angeben, spielen andere Aspekte, wie beispielsweise der Servicegrad, nur eine untergeordnete Rolle.
Fehlerreduktion Dieser Kostendruck limitiert den Umfang von vorbeugenden Maßnahmen zur Fehlerreduktion: Investitionen in Qualitätssicherungsmaßnahmen stehen somit kurzfristig immer im Wettbewerb zu niedrigen Beschaffungskosten. Hierbei wird von den Teilnehmern insbesondere auf die mangelnde Unterstützung für Kontrollmaßnahmen hingewiesen: Übermäßige Kontrollausgaben sollen in den Unternehmen vermieden werden. Die Einstufung, welche Kontrollmaßnahmen von Relevanz für das eigene Unternehmen sind und welche zu viel, lässt sich nur schwierig vornehmen, da Fehler, die zu Rückrufaktionen führen, häufig erst mehrere Jahre nach der Produktion auftreten.
Quality Sourcing Bei den Überlegungen und Diskussionen zur Reduktion von Qualitätsproblemen spielt das sogenannte „Quality Sourcing“ eine wichtige Rolle: Ein qualitätsorientiertes Management der gesamten Wertschöpfungskette und ein stärkeres Qualitätsbewusstsein im Einkauf führt zu einer langfristigen Stärkung des Unternehmens.
Qualität erfüllt dabei jedoch keinen „Selbstzweck“, sondern dient der Vermeidung von Kosten (bzw. Gesamtkosten). Als wichtiger Stellhebel zur Etablierung des Quality Sourcings wird die frühzeitige Einbindung aller Funktionen, insbesondere des Einkaufs, entlang der Wertschöpfungskette gesehen.
So regt ein Teilnehmer an, schon frühzeitig die Lieferanten in den Produktentwicklungsprozesses einzubinden, um die Qualität innerhalb der Supply Chain zu steigern. Das kann/soll so weit gehen, dass eine direkte Prozessoptimierung vor Ort beim Lieferanten durchgeführt wird. Auch multifunktionale Teams werden gefordert: Der Einkauf trägt zwar eine große Verantwortung für die Qualität, ist jedoch nicht der einzige Beteiligte in Sachen Quality Sourcing.
Der Einkauf wird bei Qualitätsproblemen und Rückrufaktionen auch weiterhin im Vordergrund stehen. Umso wichtiger ist es für moderne Einkaufsorganisationen, dass zukünftig der Einkäufer als Business Partner entlang der gesamten Wertschöpfungskette fungiert und frühzeitig in den Produktentwicklungsprozess eingebunden wird. Die Ausgestaltung der Einbindung ist dabei in vielerlei Formen möglich. Angefangen von Gremienstrukturen aus den verschiedenen Abteilungen bis hin zu separaten Einheiten mit Einkäufern fokussiert auf Quality Sourcing. Unterm Strich muss die Einkaufsorganisation ihrer strategischen Rolle zur langfristigen Sicherstellung der Qualität stärker gerecht werden.
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