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Richtiges Sitzen will gelernt sein

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Heißt es im Volksmund nicht „Arbeit ist das halbe Leben?“ Statistiken sagen etwas anderes: Tatsächlich verbringt der Mensch ca. 15% seiner gesamten Lebenszeit am Arbeitsplatz, jedoch größtenteils sitzend. Grund dieser Arbeitsplatzsituation sind die modernen Büro- und Kommunikationstechniken.

Computer-Arbeitsplätze sollen dem Fortschritt dienen, und doch kann ein hoher Prozentsatz ein Gesundheitsrisiko sein. Nicht jeder Computer-Arbeitsplatz entspricht vollständig der Bildschirmarbeitsverordnung, wobei diese bereits im Jahre 1996 wirksam wurde. Nach der Verordnung war jeder Arbeitgeber verpflichtet, bis Ende 1999 jeden Bildschirm-Arbeitsplatz so einzurichten, dass durch die Arbeit am Computer die Belastungen der Augen, Wirbelsäule, Bandscheibe und Muskulatur verringert werden. Die Verordnung definiert einen Bildschirm-Arbeitsplatz auch als solchen, wenn ein Computer auf dem Schreibtisch – unabhängig der daran gearbeiteten Zeit – steht. Die Gewerbeaufsichtsämter können seit 1. Januar 2000 gegen Unternehmen, deren Bildschirm-Arbeitsplätze nicht der Verordnung entsprechen, ein Bußgeld erheben.

Nach heute vorliegenden arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen werden durch die Bildschirmarbeit im allgemeinen keine Gesundheitsschäden verursacht. Treten nach längerer Tätigkeit am Bildschirm dennoch Beschwerden auf, liegt die Ursache häufig in einer falschen Gestaltung des Arbeitsplatzes. Die Folge sind abnorme Körperhaltungen, eine Körperzwangshaltung, die bei chronischer Fehlbelastung zu Beweglichkeitsstörungen und Rückenschmerzen führt. Im Halswirbelbereich gibt es knöcherne Engstellen für Nerven und Blutgefäße. Sollten diese Engstellen durch Abnutzung, hervorgerufen durch Körperzwangshaltungen, weiter verengt werden, können Durchblutungsstörungen und Nacken- oder Kopfschmerzen auftreten.
Ergonomie am Arbeitsplatz
Ein Thema, das immer häufiger zum Mittelpunkt wird. Kein Wunder, denn die Krankenkassen sehen die Konsequenzen dieser Arbeitssituation allzu deutlich. Über 10% aller Krankschreibungen erfolgen aufgrund von Rückenerkrankungen, annähernd 3% als Folge von Halswirbelsäulenerkrankungen. Die Beschwerden stehen eindeutig in Zusammenhang mit der sitzenden Arbeitsweise. Übrigens – es kommen nicht alle Beschwerden vom Bildschirmarbeitsplatz. Auch im privaten Bereich gibt es Dinge, die zu den beschriebenen Symptomen führen können.
Sitzen vor dem Computer: Die Oberarme sollten dabei locker herabhängen, die Unterarme sollten sich in einer waagrechten Linie zur Tastatur befinden. Ober- und Unterarme bilden in dieser Haltung einen Win-kel von 90 Grad oder mehr. Der Stuhl sollte eine verstellbare Rückenlehne und den Sitz in Höhe und Neigung zu solchen Ausrichtungen haben. Die gesamte Sitzfläche muss genutzt werden, der Stuhl darf nicht zu hoch eingestellt sein. Während des Sitzens müssen die Füße auf dem Boden oder auf einer Fußstütze stehen. Ober- und Unterschenkel sollten auch hier einen Winkel von 90 Grad oder mehr bilden. Übereinandergeschlagene Beine stören die Blutzirkulation. Der Abstand zwischen Augen und Monitor sollte je nach Bildschirm- und Schriftzeichengröße 45 bis 80 Zentimeter betragen. Wichtig ist ein nicht flimmernder und regelmäßig gereinigter Bildschirm. Vor der Tastatur muss für die Auflage der Hände ausreichender Platz von 5 bis 10 Zentimetern vorhanden sein. Nicht höhenverstellbare Tische mit 72 Zentimetern Höhe, höhenverstellbare zwischen 60 bis 82 Zentimetern, sind die Empfehlung. Ein weiterer Faktor ist die Beleuchtung des Arbeitsplatzes. Auf dem Bildschirm dürfen keine störenden Reflexionen durch die Beleuchtung oder das Tageslicht auftreten. Beleuchtung beeinflusst durch ihre Qualität die Sehleistung, die Aktivierung, die Arbeitssicherheit und das Wohlbefinden des Menschen. Dabei kann festgestellt werden, dass in größeren Arbeitsräumen aller Betriebe Mitarbeiter die Fensterarbeitsplätze bevorzugen, selbst wenn keine Schutzeinrichtungen gegen Blendung und Wärmeeinstrahlung vorhanden sind. Der Bildschirm sollte stets mit einer zur Fensterfront parallelen Blickrichtung aufgestellt sein, niemals, sofern im Bereich des Möglichen, in unmittelbarer Nähe der Fenster. An dieser Stelle ist der Arbeitsraum durch das Tageslicht am hellsten beleuchtet, so dass auch Spiegelungen häufig unvermeidbar sind. Die parallele Blickrichtung sollte auch bei künstlicher Beleuchtung beibehalten werden.
Dynamisches Sitzen
Neben diesen Punkten der Ergonomie spielt das statische Sitzen auch eine Rolle. Jeder „Schreibtischtäter“ sollte seine Sitzhaltung so oft wie möglich verändern. Bei Nutzung einer dynamischen Rückenlehne sollte diese unblockiert verwendet werden. Ein Wechsel der Sitzhaltung unterstützt den für die Bandscheiben entscheidenden Stoffwechselprozess. Nur durch Nutzen der gesamten anatomisch geformten Sitzfläche ist gewährleistet, dass die Rückenlehne den Körper richtig abstützt und die natürliche S-Form der Wirbelsäule erhalten bleibt. Die Rückenlehne sollte so eingestellt sein, dass die Lendenwirbel abgestützt werden. Die individuell einstellbare Abstützkraft wird dem Oberkörpergewicht angepaßt. Bei richtig eingestellter Sitzhöhe verlaufen die Oberschenkel waagerecht und bilden mit dem Unterschenkel einen rechten Winkel.
Als weitere Nebenerscheinungen des statischen Sitzens können Krampfaderprobleme, Kreislaufbeschwerden und Probleme mit Verdauung und Atmung aufgeführt werden. Bewegungsmangel in Verbindung mit falscher Ernährung kann zu Übergewicht führen, und somit zu einer Belastung des Bewegungsapparates. Schwache Muskulatur des Rückens ist mitunter Ursache von Rückenbeschwerden, denn die Muskeln halten die Wirbelsäule in Form. Durch entstehende Fehlhaltungen steigt der Druck auf die Bandscheiben. Inzwischen ist unumstritten, dass neben den physischen auch die psychischen Belastungen für Rückenschmerzen verantwortlich sind.
Ein häufiger Wechsel zwischen vorderer, mittlerer und hinterer Sitzhaltung (dynamisches Sitzen) fördert die Durchblutung der Muskulatur und entlastet die Bandscheibe durch gleichmäßige Druckverteilung.
Trends und Visionen
Innovative Informations- und Kommunikationstechnologien verändern die Arbeitswelt radikaler als je zuvor: Das Büro als zentraler Arbeitsplatz wächst über seine Grenzen hinaus. So zeigt das Fraunhofer Institut für Arbeitswissenschaft und Organisation (IAO), Stuttgart, in seinem Verbundprojekt „Office21“, dass die neuen Bürolösungen auch eine neue Maxime ermöglichen. „Work where you want – arbeiten Sie mit wem, wo oder wann Sie wollen“. Die Wahl des Arbeitsplatzes erfolgt künftig unter organisatorischen, ökonomischen, ökologischen und persönlichen Gesichtspunkten. Die Voraussetzungen sind flexible Arbeitszeiten und mobiles Arbeiten in virtuellen Netzstrukturen. Mobiles Arbeiten wird weiter zunehmen, in Verbindung mit dem Desk-Sharing, bei dem sich mehrere Mitarbeiter einen Arbeitsplatz teilen. Ein Schwerpunkt der Gestaltung im Bürobereich ist der Bildschirmarbeitsplatz. Über die Bereitstellung optimaler Arbeitsbedingungen hinaus muss jeder Mitarbeiter sensibilisiert werden, sich seiner eigenen Verantwortung zur Erhaltung von Leistungsfähigkeit und Gesundheit bewusst sein. Das Leistungsvermögen der Mitarbeiter hängt insbesondere von der Gesundheit, der Motivation und den Arbeitsbedingungen ab.
Sedus Stoll AG
60318 Frankfurt/M.
BAD Gesundheitsvorsorge und Sicherheitstechnik GmbH
53225 Bonn
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