Startseite » Allgemein »

Stadt des Lichts und der Sonderfahrzeuge

Lyon und die Region Rhône-Alpes
Stadt des Lichts und der Sonderfahrzeuge

Anzeige
Auf Grund eines traditionellen Kirchenfeiertages nennt sich Lyon „Stadt des Lichts“ und noch heute wird das „Lichterfest“ groß gefeiert. Als Besonderheit im industriellen Bereich gelten Sonderfahrzeuge. Die meisten Zulieferer von insgesamt 6.500 sind im Netzwerk der Automobilindustrie. Die Kontakte zu Einkäufern in Deutschland sollen nun weiter forciert werden.

Blickt Vianney Rabhi aus dem Fenster, sieht er einen schönen, schattigen Boulevard, dann die Rhône und schließlich das Panorama des Weltkulturerbes der UNESCO mit der Nummer 872. Es ist die Altstadt von Lyon. Lyon – sie nennt sich Stadt des Lichts und der zwei Flüsse, die sich vereinigen. Madame Fabienne Diaz, für Deutschland zuständige Außenhandelsberaterin bei der Industrie- und Handelskammer (CCI, Chambre de Commerce et d’Industrie), stellt Monsieur Rabhi als typischen Unternehmer aus Lyon und Umgebung vor: kreativ, wohnt am Rande der Altstadt und hat mit der Automobilzuliefererindustrie zu tun.

Vianney Rabhi ist Erfinder und Inhaber eines Unternehmens namens MCE-5 Developpement. Er hat ein System entwickelt, das den Verbrennungsmotor revolutionieren soll. Über eine konstante Steuerung des Einspritzdrucks soll der Wirkungsgrad so verbessert werden, dass der Motor 30 bis 50 Prozent weniger Kraftstoff braucht. Das ist vor allem mit einer Reduzierung des Kohlendioxyd-Ausstoßes verbunden. „So ist viel für die Umwelt getan und überdies hilft das System den Autoherstellern, künftige, strengere Abgasnormen besser einzuhalten“, meint der Erfinder. Die Technologie sei leicht in der Serienherstellung umzusetzen und ist durch mehrere Patente geschützt. Nun beginnt das Präsentieren und Vermarkten. Er sei mit mehreren großen Herstellern im Gespräch, erzählt Vianney Rabhi und blickt zum Fenster hinaus. Vermarkten heißt warten zu können, bis ein Kunde anbeißt. Zeit, die man hat, sich auch mal mit Lyon und der Rhône selbst zu befassen.
Wer Rhône sagt, muss gleich auch Saône hinterherschicken, den anderen Fluss. Denn der Zusammenfluss beider Wässer (sozusagen das französische Pendant zum Deutschen Eck) prägt das Stadtbild und bildet eine Halbinsel, auf der sich ein Großteil der Altstadt befindet. Die Stadt der zwei Flüsse (besonders Witzige sprechen von dreien, der dritte heißt Beaujolais) steht als zweitgrößte Frankreichs nach Paris immer auch im Wettbewerb mit der Hauptstadt. Auch Lyon sieht sich als Hauptstadt, nämlich immerhin als die der Gastronomie (Starkoch Bocuse ist von hier) und die der katholischen Kirche (der Kardinal von Lyon ist Primas ganz Galliens). Übrigens ist das Fête des lumières, das Lichterfest am 8. Dezember, heute noch eines der größten Ereignisse in der Stadt und kommt in jeder Beschreibung vor, auch in der für ausländische Investoren. Das Fest geht zurück auf die Verehrung Mariens. Auch in deutschen katholischen Gegenden ist der 8. Dezember noch als Marienfeiertag bekannt.
Zwischen Nord und Süd
Tatsächlich ist Lyon die Hauptstadt des Départements Rhône und der gesamten Region Rhône-Alpes. Man hat hier beschlossen, sich zwischen dem Norden und dem Süden zu befinden. Auf der Fahrt von Nord nach Süd ist hier wirklich auch die Gegend, wo der Wechsel von mitteleuropäisch zu mediterran deutlich wird: wärmer, trockener und die Oleander sind nicht mehr im Topf, sondern in der Erde. Eine Reihe von Großunternehmen wie Toyota, Firestone, DaimlerChrysler und Volvo haben hier große Logistik-Zentren.
Die Hauptstadt selbst ist wirtschaftlich gesehen eines der Zentren der Fayence-Herstellung, also jener schönen glasierten Tonware, die eigentlich aus Italien stammt. Im 19. Jahrhundert wurde die Gegend zur bedeutenden Industrieregion und ist es bis heute geblieben. Das bekannteste Unternehmen dürfte die Großbank Crédit Lyonnais sein, deren Hauptsitz sich in einem markanten Hochhaus im Osten der Stadt befindet, das seiner Form wegen Crayon (Bleistift) genannt wird. Daneben ist hier ein wichtiger Standort des Pharma-Unternehmens Aventis bzw. jetzt Sanofi-Sythélabo, dessen Vorläufer Rhône-Poulenc hier seinen Hauptsitz hatte.
Wenn den Franzosen etwas wichtig ist, versehen sie es gerne mit dem vorangestellten Attribut „grand/grande“. Es wäre zu einfach, das einfach mit „groß“ zu übersetzen. Eher schon „großartig“. Freunden des Weins fällt sogleich der „Grand cru“ ein et cetera. Jedenfalls bezeichnet die IHK die Region Rhône-Alpes, deren Zentrum Lyon ist, als „grande region de l’industrie automobile française“. Da ist was dran.
Das industrielle Rückgrat
Etwa 6.500 Betriebe der Region zählen sich im weitesten Sinne zur Zuliefererindustrie. 900 Betriebe liefern direkt an die Automobilindustrie. Letztere stehen für einen Umsatz von rund 10 Mrd. Euro und beschäftigen etwa 80.000 Menschen, rund 16 % der dortigen Industriearbeitsplätze. Trotz der starken Präsenz von Renault Trucks (gehört heute zur Volvo AB-Gruppe) und Irisbus (gehört zu Fiat-Iveco) haben nur ein Viertel der Zulieferer direkt mit Lastkraftwagen oder Bussen zu tun. Die Mehrheit hängt am Geschäft mit Pkw und stellen somit das industrielle Rückgrat der Region dar.
Eine Besonderheit ist die Spezialisierung auf Sonderfahrzeuge. Da ist zum Beispiel Aixam-Mega in Aix-les-Bains, die sozusagen die Moped-Version des Autos herstellt. Zweisitzig, maximal 45 km/h schnell (was ein Schild am Heck auch deutlich signalisiert) und vor allem ohne Führerschein zu bewegen. Eher groß sind die Fahrzeuge von Auverland. Der Betrieb baut Geländewagen als Jeep oder Lkw in erster Linie für das Militär, aber auch als Krankenwagen oder Löschfahrzeug. Deficar wiederum fertigt ganz zivil Besonderheiten für Kommunen: zum Grünflächenpflegen, Schneeräumen, Gehwegesäubern, Blumengießen …
Wenn es aber nun demjenigen, der Blumen gießt, selbst zu heiß wird? Da gibt es eine Reihe von kleineren Unternehmen, die sich auf Nischen in der Nische spezialisiert haben. Nehmen wir Kalori – Heizung, Klima, Ventilatoren und Zubehör. Die Männer und Frauen beim Blumengießen oder Baggern erfreuen sich eher geringer Aufmerksamkeit der großen Hersteller, was nicht an Wertschätzung, sondern an Stückzahlen liegt. In geringen Stückzahlen rüstet also Kalori Sonderfahrzeuge, Baumaschinen und auch die genannten Aixam-Autos mit allem aus, was für Wärme oder Kälte sorgt. „Valeo macht nun einmal keine Klimaanlagen für Bagger“, sagt Christian Micollet, der die Geschäfte führt. Seine 34 Mitarbeiter fertigen bis zu 1.500 Systeme pro Monat, etwa ein Drittel davon geht in den Export. Partner in Deutschland sind Webasto, Greentop und Waeco. Jedes Jahr präsentiert Kalori fünf bis sechs Neuheiten. Beispielsweise wurde die Größe der Heizung dem Mini-Auto von Aixam angepasst, also ebenfalls miniaturisiert.
Mit 53 Beschäftigten ist auch Famer Industrie ein eher kleines Unternehmen, das sich wie Kalori auf eine Nische im Fahrzeugbau spezialisiert hat. Klein sind auch die Stückzahlen: Famer übernimmt Bearbeitung und Zusammenbau von Motorblöcken, Zylinderköpfen und Getriebegehäusen wenn es sich um Auslaufprodukte, Ersatzteile oder Instandsetzung handelt. Seltener ist auch ein Prototyp dabei, der wie die anderen Produkte nach den Plänen der Kunden hergestellt wird. Optimiert werden dagegen die Bearbeitung und der Zusammenbau. „Bei einem Motorblock aus Aluminium hat der ursprüngliche Hersteller zehn Arbeitsgänge gebraucht, wir benötigen nur drei“, berichtet Verkaufsingenieur Eric Pichon. Famer hat eine ehrgeizige Investitionspolitik, um Technologieführer zu bleiben. In Frankreich gibt es ein weiteres Werk, ebenso in den USA. Für den Kontakt mit Einkäufern in Deutschland gibt es seit kurzem ein Büro in Saarbrücken. Außerdem liegt eine Broschüre in deutscher Sprache vor, was bei einem französischen Unternehmen dieser Größe nicht selbstverständlich ist.
In einem Bericht über Lyon dürfen die größten Söhne der Stadt nicht fehlen: Antoine de Saint-Exupéry, Dichter und Pilot, zählt dazu, der berühmte Abbé Pierre, André Marie Ampère, Mathematiker und Physiker, sowie die Gebrüder Lumière, die 1895 erstmals einen Film gezeigt haben.
Unweit des ersten Kinos der Welt befindet sich die Rue Lacassagne, wo eine andere Ideenschmiede ihren Sitz hat: das Unternehmen Marmonier. Während die Film der Lumières tonlos waren, hat sich Marmonier auf Lärm spezialisiert. Besser gesagt, ihn zu vermeiden. Für eine Reihe von Fahrzeugen, überwiegend Sonderfahrzeuge, produziert man schalldämmende Materialien. Franck Fumey, der Geschäftsführer, und seine Mitarbeiter skizzieren allerdings den Weg, sich mehr und mehr zum Dienstleister zu entwickeln. „Wir fragen, warum es Lärm gibt, stellen eine exakte Diagnose und präsentieren dann eine Lösung“, erläutert Fumey. Dabei wird das Geräusch entweder unterdrückt oder es wird so gestaltet, dass es den gewünschten Klang bekommt.
Wer sich nun selbst ein Bild von Lyon und der Region Rhône-Alpes machen will, dem seien zwei Organisationen empfohlen: Visiomeca bietet einen Überblick zu allen Branchen der Region und ermöglicht die Suche nach Zulieferern. Aderly ist die Agentur für Wirtschaftsförderung. Sie lädt gezielt Geschäftsleute und Investoren ein, in schattigen Boulevards, der schönen Altstadt und an den Ufern von Rhône und Saône zu flanieren. Daniel Zabota
Informationen über die Region Rhône-Alpes im Internet:
Genannte Unternehmen:
Unternehmen aus Rhône-Alpes auf der Automechanika
Zahlreiche Unternehmen aus der Region um Lyon werden auch auf der Messe Automechanika vom 14. bis 19. September in Lyon ausstellen. Die internationale Leitmesse für den automobilen Aftermarket und Original Equipment Market präsentiert der Branche Werkstattausrüstung, Fahrzeugteile, -komponenten und -systeme, Elektronik, Versorgung und Pflege bis hin zu Umwelt- und Recycling-Konzepten.
Heute ist die Automechanika immer mehr auch eine Plattform für die Erstausrüster in der Automobilwirtschaft, die durch Innovationen und neue Funktionen, Systeme und neue Technologien auf sich aufmerksam machen. Die internationale Bedeutung der Automechanika – immerhin kommen 70 % der Aussteller und 40 % der Besucher aus anderen Ländern – eröffnet auch in diesem Bereich interessante Möglichkeiten.
Ein Gemeinschaftsstand der Region Rhône-Alpes findet sich in Halle 5.0 B89. dz
Anzeige
Aktuelles Heft
Titelbild Beschaffung aktuell 4
Ausgabe
4.2020
PRINT
ABO
Newsletter

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

Webinare & Webcasts

Technisches Wissen aus erster Hand

Whitepaper

Hier finden Sie aktuelle Whitepaper

Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de