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„Standardisieren und Bündeln hat Potenzial“

Gespräch mit Lothar Färber, Einkaufsleiter der Carl Zeiss AG, und Werner Kalbfuß, ehem. Einkaufsleiter Carl Zeiss AG
„Standardisieren und Bündeln hat Potenzial“

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Stabübergabe in Oberkochen: Werner Kalbfuß wechselt nach 14 Jahren an der Spitze des Konzerneinkaufs der Carl Zeiss AG in den Unruhestand. Sein Nachfolger ist Lothar Färber, der seit 2003 im Unternehmen ist und bisher für den Einkauf von Zeiss Optronics verantwortlich war. Eine Nachbesetzung aus eigenen Reihen ist bei Zeiss gern geübte Praxis. Die guten internen Aufstiegschancen tragen auch zur Attraktivität des Unternehmens bei.

Karin Gramatins

Beschaffung aktuell: Herr Färber, Sie sind der neue Einkaufsleiter bei Carl Zeiss. Welche Ziele haben Sie sich gesetzt?
Lothar Färber: Wir betreuen bei Carl Zeiss ein Einkaufsvolumen von rund 1,3 Mrd. Euro. Dabei haben wir aufgrund der technologisch anspruchsvollen Produkte vielfach mit wenigen, hoch spezialisierten Lieferanten zu tun.
Der Konzerneinkauf besteht jetzt im Wesentlichen aus zwei Bereichen: Beschaffung von Nichtproduktionsmaterial, diesen Bereich hat bisher Herr Kalbfuß betreut. Neu dazugekommen ist die Beschaffung von bündelbarem Produktionsmaterial. Im ehemaligen Bereich von Herrn Kalbfuß werde ich versuchen, weitere Einsparungspotenziale zu ermitteln und für den Carl Zeiss Konzern zu realisieren.
Für den neu geschaffenen Bereich des bündelbaren Produktionsmaterials liegt meine oberste Priorität erst einmal darin, gute Einkäufer für diese interessanten Stellen zu bekommen. Dann wird es darum gehen, mit den Geschäftsbereichen das Beschaffungsvolumen zu analysieren und gemeinsam Einsparungspotenziale zu erschließen. Diese können beispielsweise durch die Standardisierung von Materialien oder durch Bündelung bei Konzernvorzugslieferanten entstehen. Auch in einer optimalen Nutzung unserer neu strukturierten Global-Sourcing-Struktur sehe ich noch erhebliches Potenzial.
Beschaffung aktuell: Herr Färber, gibt es Baustellen, sprich große Projekte, die Sie von Herrn Kalbfuß übernommen haben?
Färber: Der Einkauf ist ein dynamisches Feld, in dem sich immer wieder neue Aufgaben stellen. Es gibt große Projekte, wie das immer wiederkehrende Thema der Materialstammdaten im Einkauf. Hier werden wir auf jeden Fall einen Akzent setzen.
Beschaffung aktuell: Herr Kalbfuß, gibt es Projekte, die Sie noch hätten angehen wollen, wenn Sie nicht in Ruhestand gegangen wären?
Werner Kalbfuß: Es sind vor allem die anstehenden Bauvorhaben von Carl Zeiss. Mir hat die Arbeit mit Architekten und Ingenieuren immer Spaß gemacht und nicht zuletzt hat das Materialgruppenmanagement in diesem spannenden Umfeld vor Jahren seinen Ursprung gehabt.
Beschaffung aktuell: Wie hat sich der Wechsel an der Einkaufsspitze bei Carl Zeiss vollzogen?
Kalbfuß: Diese Hand-zu-Hand-Übergabe geht in diesen Tagen zu Ende. Genau so fließend ist der Übergang bei den Aktivitäten in Verbänden und Kooperationen. Aus meiner Sicht können wir so einen richtig ordentlichen Wechsel umsetzen. Aus dem Tagesgeschäft vor Ort habe ich mich aber sofort ausgeklinkt.
Färber: Im Nachhinein kann man immer gut überlegen, was vielleicht hätte besser laufen können. Insgesamt hat das gut geklappt. Auf dem Gebiet des Nichtproduktionsmaterials war es allerdings nicht ganz einfach, weil es keine Übergangsphase zwischen Herrn Kalbfuß und mir gab. Doch wir haben die Sache im Griff und werden die kommenden Aufgaben gemeinsam mit dem Team meistern. Mit der neuen Aufgabe für bündelbare Lieferanten und Materialien werden noch einige Herausforderungen auf uns zukommen. Diese werden wir in den nächsten Wochen angehen.
Beschaffung aktuell: Herr Kalbfuß, kann man einen so großen Erfahrungsschatz, wie Sie ihn in 14 Jahren bei Zeiss angesammelt haben, überhaupt weitergeben?
Kalbfuß: Man kann es zumindest versuchen. Ich halte weiter den Kontakt zu Hochschulen, Verbänden und vor allem der BME-Akademie. Hier bringe ich mich aktiv in die Qualifizierungs- und Weiterbildungsprogramme ein. Außerdem habe ich mich der Implementierer GmbH angeschlossen, die vor allem kleineren und mittleren Unternehmen hilft, die notwendige Neuausrichtung des Einkaufs voranzubringen. Dabei nützt mir natürlich die Erfahrung mit den Widerständen, die bei solchen Vorhaben auftreten können. Hier muss man ansetzen – an Sachthemen ist schließlich noch keine strukturell notwendige Veränderung gescheitert.
Beschaffung aktuell: Herr Färber, steht Ihnen Herr Kalbfuß künftig sozusagen als Berater zur Verfügung?
Färber: Ja. Herr Kalbfuß ist auch extern als Top-Experte anerkannt. Es ist gut zu wissen, dass uns sein Wissen bei Bedarf noch zur Verfügung steht.
Beschaffung aktuell: Wie ist der Einkauf bei Carl Zeiss künftig aufgestellt. Berichten Sie weiterhin an das Vorstandsmitglied Dr. Hermann Gerlinger?
Färber: Der Konzerneinkauf gehört zur Konzernfunktion „Global Supply Chain“. In diesem Bereich sind auch die Bereiche Logistik und Supply Chain Excellence zusammengefasst. Der Leiter dieser Konzernfunktion berichtet an Herrn Gerlinger.
Beschaffung aktuell: Die Carl Zeiss Gruppe hat die Sparte Augenoptik, die als Carl Zeiss Vision bisher zur Hälfte einem Finanzinvestor gehörte, nun ganz integriert. Heißt das, dass Sie jetzt mit neuen Kollegen einen gemeinsamen Konzerneinkauf bilden? Post-Merger-Integration im Einkauf?
Färber: Wir sind natürlich im Gespräch miteinander. Wir analysieren unsere Möglichkeiten und die Potenziale aus dem vergrößerten Einkaufsvolumen. Auch für unsere Lieferanten wird der Konzern nach diesem Schritt aufgrund des steigenden Gesamtvolumens nochmals interessanter.
Beschaffung aktuell: Carl Zeiss hat gerade das Geschäftsjahr 2009/2010 mit einem sehr guten EBIT abgeschlossen. Werden Ihre Lieferanten daran einen „Anteil“ verlangen, sprich bei Preisverhandlungen nicht so nachgiebig sein?
Färber: Man kann sich den Gegebenheiten nicht entziehen und der Markt wandelt sich derzeit wieder in einen Verkäufermarkt. Daher werden manche Verhandlungen mit unseren Partnern anstrengender werden. Man darf jedoch nicht nur die reine Preisseite sehen, sondern auch Themen wie Flexibilität werden in unserem Geschäft immer wichtiger.
Beschaffung aktuell: Es heißt, Carl Zeiss will mehr in China produzieren. Was bedeutet das für den Einkauf?
Färber: Wir müssen uns noch globaler aufstellen und haben bereits ein China Sourcing Office gegründet. Dieses wird vor allem für unsere lokale chinesische Produktion genutzt, arbeitet aber auch für unsere weltweiten Produktionsstätten. Durch ein erhöhtes Produktionsvolumen steigt automatisch das Beschaffungsvolumen. Unser China Sourcing Office wird sich daher rasch weiter entwickeln. Der Einkauf in China und in Asien im Allgemeinen gewinnt an Bedeutung.
Beschaffung aktuell: Vielen Dank für das Gespräch und Ihnen beiden alles Gute für die Zukunft!
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