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USA als Spielverderber?

Internationaler Stahlhandel
USA als Spielverderber?

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(ch) Bereits im ersten Halbjahr 2001 waren die deutschen Stahlausfuhren nach Kanada und in die USA um jeweils rund 30% niedriger als in der entsprechenden Vorjahresperiode. Der Konjunktureinbruch sei nicht zu übersehen, berichtet die Wirtschaftsvereinigung Stahl.

Die amerikanische Stahlindustrie arbeitet fast ausschließlich für den Inlandsbedarf, den sie nicht einmal vollständig decken kann. So importierten die USA 1998, auf dem Höhepunkt der Nachfrage, fast 40 Mio. t Stahlerzeugnisse.
Doch die US-Stahlindustrie versuche nach Meinung der Wirtschaftsvereinigung seit drei Jahrzehnten, ihren Heimatmarkt vor Importen durch Mindesteinfuhrpreise, Einfuhrquoten, Zollkontingente, Selbstbeschränkungsabkommen oder Antidumping- bzw. Antisubventionszölle zu schützen. Weltweit gebe es 135 Antidumping- und Antisubventionszölle gegen amerikanische Stahlimporte. Die Hälfte aller amerikanischen Stahleinfuhren seien von einer Antidumping- bzw. Antisubventionsmaßnahme betroffen. Trotz dieser fragwürdigen Schutzmaßnahmen befinde sich die amerikanische Stahlindustrie in einer Krise, die sie allein den Importen zuschreibe, meint die Wirtschaftsvereinigung.
Wie Albrecht Kormann, Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftsvereinigung Stahl, urteilte, sehe es so aus, als müssten den Preis für Versäumnisse der US-amerikanischen Stahlindustrie, wie hohe Kosten und eine verschleppte Strukturkrise des amerikanischen Marktes, nun alle weltweit agierenden Stahlproduzenten zahlen, denn die Folge des amerikanischen Stahlprotektionismus seien weltweit fallende Preise. Kormann begründet: „Mengen, die in den USA aufgrund von Importrestriktionen abgewiesen werden, suchen sich Zugang zu anderen frei zugänglichen Märkten, wie z.B. die Europäische Union, was in der Regel nur mit erheblichen Preisnachlässen möglich ist.“
Schon hätten Mexiko und Brasilien mit Zollerhöhungen reagiert oder wie Kanada eigene Schutzklauselmaßnahmen angekündigt. Diese Maßnahmen könnten nach Meinung Kormanns den Stahlhandel zum Erliegen bringen. Schon wird der Ruf nach Schutzmaßnahmen auch in der EU laut.
Bereits Anfang der 90er Jahre wurde weltweit über ein „Multilateral Steel Agreement (MSA)“ diskutiert, das unter dem Dach der WTO angesiedelt und zu einer weltweiten stringenten Subventionsdisziplin führen sollte. Die Verhandlungen scheiterten nach Ansicht der Wirtschaftsvereinigung daran, dass die USA nicht einmal bereit gewesen wären, Konsultationen im Vorfeld von Handelsklagen zuzustimmen.
Jetzt scheint die Bush-Administration zu Gesprächen bereit zu sein. Dabei soll es auch um den Abbau der weltweiten Stahl-Überkapazitäten gehen. Einer Rohstahlproduktion in Höhe von 840 Mio. t standen im Jahre 2001 nominelle Produktionskapazitäten von 1.076 Mio. t gegenüber. Seit 1997 wurden durch den Aufbau und die Inbetriebnahme neuer Stahlwerksproduktionsanlagen weltweit neue Kapazitäten in Höhe von 60,7 Mio. t Rohstahl realisiert. Daran beteiligten sich Asien mit 37,6 Mio. t, davon allein China mit 23 Mio. t, die USA mit 9,4 Mio. t, der Mittlere Osten mit 8,4 Mio. t und Lateinamerika mit 6,6 Mio. t. In der Europäischen Union wurden dagegen die Kapazitäten mit einem Zuwachs von nur rund 1 Mio. t annähernd konstant gehalten.
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