Neue Plattform für Werkzeuge

Verwaltung von C-Teilen intelligent vernetzt

In Zusammenarbeit mit Partnern entwickelt Mapal eine Open-Cloud-Plattform für das Werkzeug-(Daten-)Management. Neuheiten auf der AMB: Mapal hat für die Bearbeitung von Bauteilen aus Titan einen Walzenstirnfräser mit ISO-Wendeschneidplatten entwickelt. (Bild: Mapal)
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Für eine digital vernetzte Fertigung auf dem Weg zu Industrie 4.0 spielt die effiziente Verwaltung von Daten eine entscheidende Rolle. Die Menge an verfügbaren Daten zu jeder Anwendung nimmt zu. Was die Verwaltung der Daten anbelangt, so gibt es noch enormes Verbesserungspotenzial. Dieses Potenzial auszuschöpfen, hat sich das Werkzeugbauunternehmen Mapal gemeinsam mit globalen Partnern zum Ziel erklärt.

Die Handhabung von Werkzeugen und werkzeugbezogenen Daten stellt im Bereich der zerspanenden Fertigung eine große Herausforderung dar. Es wird damit gekämpft, die Vielzahl an Informationen, die zu jedem Werkzeug entstehen, wie Stammdaten, Prozessdaten und Bestandsdaten, effizient zwischen den teilweise schlecht integrierten, monolithischen Systemen, wie CAD/CAM-Systemen oder MES-Systemen (Manufacturing Execution System), zu verwalten. Noch aufwendiger wird die Verwaltung, wenn zusätzlich mit Lieferantensystemen interagiert werden muss.

Zwar stehen sogenannte EAI-Softwares (Enterprise Application Integration) auf dem Markt zur Verfügung, um alle Systeme zu verbinden und Daten in einer zentralen Datenbank zu verwalten, allerdings sind diese Lösungen in der Regel sehr komplex. Die Installation ist aufwendig und zeitintensiv. Zudem besteht oft die Gefahr, an den Hersteller der Anwendung gebunden zu sein (Vendor-Lock-in-Effekt). Darüber hinaus konzentrieren sich die meisten dieser Systeme auf die Fertigungsprozesse und sind nicht oder nur bedingt für Einkaufsprozesse und -zwecke geeignet.
Dabei sind sogenannte C-Teile, unter die auch Werkzeuge fallen, in Unternehmen gerade für den Einkauf ein großes Thema. Für die Datenverwaltung und die Einkaufsprozesse muss ein hoher administrativer Aufwand betrieben werden. In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Unternehmen deshalb Einkaufsplattformen eingeführt. Dort können Lieferanten unter anderem ihre elektronischen Kataloge hochladen. Die Bestellungen im Unternehmen können dann direkt auf dieser Plattform getätigt werden. So gut diese Lösungen für Standardteile und auch Standardwerkzeuge sind, so ungeeignet erscheinen sie für Sonderwerkzeuge, die einen bedeutenden Marktanteil besonders in der Automobilindustrie ausmachen. Zudem sind die Systeme lediglich Einkaufsplattformen und nur ins ERP-System und nicht in andere IT-Systeme integriert. Darüber hinaus sind sie aufwendig in der Datenpflege – sowohl von Kunden- als auch von Lieferantenseite.
Davon ausgehend lassen sich zwei wichtige Herausforderungen identifizieren. Zum einen gibt es Grenzen hinsichtlich der Skalierbarkeit. Je höher die Zahl der Einkaufsplattformen und Kataloge, desto höher ist der Verwaltungsaufwand. Dasselbe gilt für die EAI-Lösungen. Ihr Implementierungsaufwand wächst proportional zu den Produktionsstandorten. Zum anderen ist die Datenverarbeitung problematisch. Daten werden repliziert und „im Inneren“ des jeweiligen Systems abgelegt. Andere Akteure haben nur begrenzten oder gar keinen Zugriff auf diese Daten. Und genau das ist das zugrunde liegende Problem: Zwar nutzen und benötigen beispielsweise Kunden und Lieferanten dieselben Daten, allerdings nutzt jeder seine eigene Datenbank. Das heißt: Daten werden mehrfach angelegt und verwaltet. Aktualisiert ein Lieferant die Daten in seinem System und Kunden tun dies nicht, wird mit unterschiedlichen Daten gearbeitet.
Es stellt sich die Frage nach der Berechtigung dieser Insellösungen. Schließlich gibt es zahlreiche Beispiele, die die Vorteile des Teilens anstelle des Besitzens zeigen. Nicht nur physische Vermögenswerte, wie beispielsweise Fahrzeuge oder Unterkünfte, werden heute erfolgreich freigegeben und geteilt, sondern auch Digitales, wie Musik oder Filme. Das Teilen ist „grüner“, schneller und vor allem kostengünstiger.
Wie könnte dieses Sharing-Prinzip auf das Werkzeugdatenmanagement angewendet werden? Vorstellbar ist eine gemeinsame, offene Plattform, auf der Kunden und Lieferanten, basierend auf klar definierten Regeln und Zugriffsrechten, all ihre relevanten Werkzeugdaten pflegen und teilen. Diese Plattform wäre immer auf dem neuesten Stand. Die Daten würden nur auf dieser einen Plattform vom Eigner der Daten einmal gepflegt, unabhängig von der Anzahl der Nutzer. Das gesamte Ecosystem rund um das Werkzeug wäre effizienter und schneller als die bisherigen Lösungen. Denn: Die richtigen Daten wären jederzeit und von allen Standorten für alle Akteure verfügbar. Mit einer solchen Plattform würden Unternehmen eine bis heute unerreichte Transparenz erhalten. Angewandte technische Lösungen könnten innerhalb des Unternehmens verglichen werden, beispielsweise Werkzeuge und Bearbeitungsparameter für gleiche Werkstücke, die an unterschiedlichen Standorten gefertigt werden. So könnten Standardisierungen oder Benchmarking-Strategien unterstützt werden. Bestandsmengen sowie Beschaffungsstrategien könnten mit erheblichen Kostensenkungen harmonisiert und optimiert werden. Die Interaktion zwischen dem Einkauf und der Produktion sowie zwischen dem Einkauf und den Lieferanten könnte extrem vereinfacht werden. Lieferanten hätten die Möglichkeit, gezieltere und neue Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen. Eine gemeinsame Plattform würde dazu beitragen, die Anzahl der E-Mails, um aktuell verwendete Daten zu übertragen, drastisch zu reduzieren und zeitgleich einen strukturierten Kommunikationsprozess und Dokumentenaustausch zu ermöglichen.
Mapal hat sich der praktischen Umsetzung dieser Vision angenommen. Denn das Teilen von Daten ist ein notwendiger und unvermeidbarer Schritt, um die Voraussetzungen von Industrie 4.0 hinsichtlich Datenverfügbarkeit und Datenaustausch zu erfüllen. In Zusammenarbeit mit globalen Partnern entwickelt Mapal eine Open-Cloud-Plattform. Dort werden den Kunden die Werkzeugdaten von Mapal und, da es sich um eine offene Plattform handeln wird, die Daten anderer Anbieter zur Verfügung stehen. Damit wird der Weg zu einem völlig neuen, digitalen Werkzeug-(Daten-)Management eröffnet. Details und Features der Plattform mit dem Namen C-Com werden auf der AMB in Stuttgart im September 2016 vorgestellt.

Giari Fiorucci, Leiter Digitale und Logistikdienstleistungen, Mapal Dr. Kress KG


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