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Vom Profi zum Master

Berufsbegleitende Weiterbildung – Masterstudiengang für Einkäufer
Vom Profi zum Master

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Lebenslanges Lernen: Der neue Masterstudiengang „Supply Chain Management“ an den Hochschulen in Nürnberg und Hof zeigt, wie Einkaufsprofis ihre Kernkompetenzen entwickeln und sich für die zukünftigen Anforderungen fit machen.

Gerhard Heß Professor für Supply Management an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg www.master-einkauf.de www.gso-bsm.de

Kann ein Einkaufsprofi mit einem Hochschulstudium als Betriebswirt oder Ingenieur und mehreren Jahren Berufserfahrung noch etwas lernen? Eigentlich ist er doch hoch kompetent.
Ein Profi denkt so nicht: Er sieht sein Know-how als seine persönliche Kernkompetenz, die er systematisch und nachhaltig entwickeln muss. Mit der zunehmenden Bedeutung von Einkauf und Supply Chain Management im Unternehmen steigen die Anforderungen an die Qualifikation und die Kompetenz der strategischen Einkäufer. Sie verantworten ja eine Schlüsselfunktion im Unternehmen. Der „Kampf um die besten Köpfe“ ist schon lange entbrannt. Für Einkaufsprofis ist diese Entwicklung gleichermaßen Chance und Risiko.
Die Frage für Einkaufsprofis lautet also nicht, ob sie sich weiterbilden, sondern wie dies am wirkungsvollsten geschieht: Selbstverständlich im Job im Rahmen interessanter Projekte, Kongresse, Messen und eventuell im Selbststudium. Was bringt darüber hinaus ein systematisches berufsbegleitendes Weiterbildungsstudium?
Diese Frage soll am Beispiel des neuen berufsbegleitenden Masterstudiengangs „Supply Chain Management“ beleuchtet werden. Der Studiengang wurde speziell für erfahrene Einkäufer und Logistiker an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg und der Hochschule Hof eingerichtet. Er basiert auf dem Zertifikatslehrgang „Beschaffung und Supply Chain Management“, der seit Jahren erfolgreich durchgeführt wird.
Der Studiengang zielt auf eine systematische Vermittlung der grundlegenden Konzepte und Entwicklungen in der Supply Chain, die für Einkäufer und Logistiker bedeutsam sind. Dabei wird ein cross-funktionaler Ansatz gewählt, da die Zusammenarbeit und Optimierung über die beteiligten Abteilungen hinweg den zukünftigen Unternehmenserfolg maßgeblich beeinflussen.
Der Studiengang gliedert sich in drei Studienabschnitte:
  • „Beschaffung und Supply Chain Management“, in dem alle einkäuferischen und logistischen Aspekte an der Schnittstelle zu den Lieferanten behandelt werden.
  • „Logistik und Supply Chain Management“, in dem die Steuerung von Supply Chains und vertieft logistische Themen erörtert werden.
  • Masterarbeit, in der möglichst ein Problem aus der eigenen Berufspraxis mit einer systematischen Vorgehensweise „gelöst“ werden soll.
Im Zentrum des Lehrgangs stehen moderne Methoden und Instrumente des Einkaufs und der Logistik. Insbesondere interessieren Anwendungs- und Implementierungsfragen. Ein besonderer Mehrwert von guten Studiengängen liegt darin, dass die Methoden und Instrumente in einem systematischen Fachkonzept eingebettet sind und deren Zusammenhänge bzw. auch deren Widersprüchlichkeiten deutlich werden. Damit können auch zukünftige Fragestellungen sicher analysiert und bewertet werden.
Das Fachkonzept des 1. Studienabschnittes geht beispielsweise von der Supply-Strategie und von Beschaffungsmarktstrategien aus. Auf dieser Basis gilt es Versorgungsquellen zu identifizieren, zu bewerten und nachhaltig zu entwickeln. So bilden das Lieferantenmanagement und die Frage nach Verlagerung (Make or Buy) die zweite Säule im Beschaffungsmanagement. Die Optimierung und die Steuerung der Versorgungsprozesse, z.B. Bestellprozess, E-Procurement, Global Sourcing, stellt einen dritten Schwerpunkt dar und wird mit fünf Kurseinheiten sehr differenziert behandelt. Das Management von Einkauf und Beschaffung umfasst Themen wie Einkaufscontrolling oder das Management der Lieferantenqualität.
Raum für Kreativität und Innovation
Die Lernatmosphäre schafft Raum für Kreativität und innovative Ideen. Die Erfahrungen der Trainer und der anderen Teilnehmer lassen alte Fragestellungen plötzlich in neuem Lichte erscheinen oder führen gar zu völlig neuen Lösungskonzepten für die eigene Praxis. Dabei hilft gleichermaßen der Blick über den Tellerrand in andere Unternehmen und andere Branchen wie der feste Teilnehmerkreis im Studiengang. Nach kurzer Zeit ist das persönliche Arbeitsumfeld im Lehrgang bekannt, so dass die Diskussion beziehungsweise Tipps und Hinweise sehr konkret auf die aktuelle Situation der Teilnehmer bezogen werden können.
Die erfolgreiche Praxis
Letztlich bemisst sich der Weiterbildungserfolg nach der Umsetzung in der persönlichen Praxis. Dieses Ziel wird über erfahrene Dozenten mit der Doppelkompetenz „Theorie und Praxis“ und mithilfe umsetzungsorientierter Lehrmethoden, wie Fallstudien oder Fallübungen, angestrebt.
Darüber hinaus bieten Langzeitstudiengänge durch mehrfache Lernschleifen eine besondere Chance: Ein neues Konzept oder eine Idee kann in der persönlichen Praxis ausprobiert, auf Basis der Umsetzungserfahrung wieder diskutiert und nochmals verbessert fortgeführt werden. Lernen braucht Zeit!
Die Master- und die Seminararbeit bieten eine weitere Chance, das Gelernte erfolgreich zu praktizieren. Beispielsweise verbesserte Wolfgang Knorr von Siemens A&D in seiner Seminararbeit zum Zertifikatslehrgang das C-Teilemanagement bei Siemens A&D und realisierte damit Einsparungen im sechstelligen Bereich. Thomas Lammer, Leiter Einkauf und Logistik der Funkwerke plettac electronic, verknüpfte das Leistungsangebot der Komponentenlieferanten mit dem Vertrieb und erhöhte somit die vertriebliche Reaktionsfähigkeit (vgl. Beschaffung aktuell Juni 2007, S. 76 f.)
Studierbarkeit
Der Weiterbildungsstudiengang ist auf die zeitlichen Möglichkeiten von Einkaufsprofis zugeschnitten. Insbesondere wird auch auf die Anforderungen auswärtiger Teilnehmer geachtet.
Die ersten beiden Studienabschnitte umfassen jeweils zwölf Kurseinheiten mit einer Präsenzphase von jeweils zwei Tagen (Freitag und Samstag). Sie erstrecken sich jeweils über zwei Semester, so dass im Durchschnitt monatlich eine zweitägige Kurseinheit stattfindet. Pro Semester findet ein Prüfungstermin statt. Die Master- und die Seminararbeit beziehen sich möglichst auf Fragestellungen aus der eigenen Praxis, so dass sich erhebliche Synergien mit der Praxis ergeben.
Zulassung und Titel
Voraussetzung für die Teilnahme ist ein überdurchschnittlich gut abgeschlossenes Hochschulstudium sowie mindestens zwei Jahre einschlägige Berufserfahrung. In Zweifelsfällen klärt ein persönliches Gespräch die Zulassung. Darüber hinaus besteht auch weiterhin die Möglichkeit, am Lehrgang mit dem Studienziel Zertifikat teilzunehmen.
Erfolgreiche Teilnehmer erhalten den akademischen Titel Master of Arts (M.A.) (siehe Kasten). Dies öffnet die Türen für anspruchsvolle Jobs, für eine Laufbahn im höheren Dienst oder zur Promotion.
Nicht zuletzt …
… entwickeln sich durch die feste Kursstruktur im Studiengang ein interessantes Netzwerk, nicht selten Freundschaften und stets viel Spaß und Vergnügen.

Der Autor


Mastertitel im Überblick

Bis 2010 soll die Umstellung auf das neue akademische Ausbildungssystem mit den zwei akademischen Graden Bachelor und Master abgeschlossen sein. Ziel der Umstellung ist es, einen einheitlichen europäischen Hochschulraum zu schaffen.
Der Master ist die zweite Stufe in der akademischen Ausbildung und setzt einen ersten akademischen Grad (z. B. Bachelor, Diplom) voraus. Die Masterausbildung ist ein wissenschaftliches Studium, auch wenn die einzelnen Masterstudiengänge profiliert werden können, z. B. als stärker forschungsorientiert oder stärker anwendungsorientiert. Masterstudiengänge können konsekutiv oder weiterbildend sein. Konsekutiv bezeichnet in der Regel einen Vollzeitstudiengang im direkten Anschluss an den ersten Abschluss. Weiterbildende Studiengänge werden meist berufsbegleitend durchgeführt und setzen eine entsprechende Berufspraxis voraus.
Um der Titelvielfalt Einhalt zu gebieten, hat die deutsche Kultusministerkonferenz im Jahr 2003 nach Fächergruppen geordnet Mastertitel für konsekutive Masterstudiengänge festgelegt. Im wirtschaftswissenschaftlichen Bereich sind je nach der inhaltlichen Ausrichtung zwei Titel relevant:
  • Master of Arts (M.A.) soweit das Studium eher anwendungsorientiert ist.
  • Master of Science (M.Sc.) falls das Studium eher forschungsorientiert ist.
Für Weiterbildungsstudiengänge und nicht-konsekutive Masterstudiengänge dürfen auch Mastergrade verwendet werden, die von den vorgenannten Bezeichnungen abweichen (z. B. MBA).
Anders als im Ausland hat sich in Deutschland noch nicht die international verbreitete enge Definition des MBA-Studiums als international orientiertes generelles Managementstudium ohne fachliche Spezialisierung durchgesetzt. Abweichend von diesem international gültigen Grundsatz gibt es in Deutschland zahlreiche Anbieter thematisch spezialisierter „MBA“-Programme. Deren internationale Anerkennung als MBA ist derzeit zumindest fraglich.
Unser Rat: Wer in erster Linie eine international anerkannte generelle Managementausbildung sucht, sollte sich deshalb an die wenigen „echten“ MBA-Angebote halten. Wer sich lieber fachspezifisch und anwendungsnah qualifizieren will, ist langfristig mit einem MBA schlecht beraten und sollte besser einen M. A. in seinem Fachgebiet anstreben.
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