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Wie die japanische Teezeremonie in die deutsche Produktion Einzug hält

Mehr Produktivität mit Karakuris
Wie die japanische Teezeremonie in die deutsche Produktion Einzug hält

Karakuri ist ein Synonym für Low Cost Automation. Im Sinne der Lean-Philosophie ist es das Ziel einer Karakuri-Lösung, viele Arten von Verschwendung in Unternehmen zu vermeiden.(Bilder: Item)
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Wer bei dem Begriff „Karakuri“ an eine asiatische Kampfsportart denkt, liegt völlig falsch. Der japanische Begriff ist ein Synonym für das Prinzip der rein mechanischen Einfachautomatisierung (engl. Low Cost Automation). Als integraler Bestandteil der Lean-Philosophie dienen Karakuri-Lösungen dazu, viele Arten von Verschwendung in Unternehmen zu vermeiden.

Einfache und sich stets wiederholende Prozesse werden mechanisch automatisiert und Mitarbeiter dadurch entlastet. Das ist die kurze Beschreibung des japanischen Lean Prinzips Karakuri. Dabei spielt die Schwerkraft eine entscheidende Rolle. Müssen zum Beispiel Kisten immer über dieselbe Wegstrecke transportiert werden, gelingt dies einfacher und effizienter über eine Karakuri-Lösung. Ein Beispiel: Durch das einfache manuelle Betätigen eines Hebels oder eines Fußpedals löst ein Mitarbeiter den Transport von Behältern beispielsweise über eine Rollenbahn aus und bekommt so seine Artikel direkt zugeliefert – vergleichbar mit dem Einsatz von mechanischen Teepuppen aus Japan. Der Nutzen im Vergleich zu einer vollautomatischen Lösung ist bereits innerhalb kürzester Zeit sichtbar. Während ein traditionelles Automatisierungsprojekt oft Monate bis zur Inbetriebnahme braucht und meist eine hohe Investition nach sich zieht, kann ein Karakuri innerhalb weniger Tage entstehen. Die Kosten machen nur einen Bruchteil derer einer automatisierten Lösung aus: Weniger Bauteile, kein Strom, keine Sensorik, keine Steuerung und keine Programmierung sind für die Konstruktion notwendig. Eventuell auftretende Störungen im Betrieb können oft ohne den Einsatz von Experten von den Mitarbeitern vor Ort behoben werden. An diesem Punkt setzt auch KVP an: „Kontinuierliche Verbesserung funktioniert nur, wenn die dahinterstehende Philosophie verinnerlicht wurde und jeder Mitarbeiter im Idealfall kreativ und ambitioniert seinen Teil dazu beiträgt“, sagt Stefan Armbruster, Produktmanager Lean Production Systembaukasten bei Item Industrietechnik. Auf dem Weg dorthin bedarf es einiger Überzeugungsarbeit. Karakuri einzuführen, heißt vor allem, die eigenen Mitarbeiter einzubeziehen und zu motivieren. Bestimmte Voraussetzungen können den Entwicklungsprozess hin zu einem Karakuri effektiv beschleunigen.

Ressourcen schaffen und Ideenmanagement etablieren
Die Entwicklung eines effizienten Karakuris gelingt nur unter Einbeziehung der Mitarbeiter – sie sind die besten Ideengeber, da sie tagtäglich mit möglichen Verschwendungsquellen konfrontiert werden. Diese Ideen gilt es anschließend in eine Karakuri-Lösung umzusetzen. Die Mitarbeiter sollen durch einfache mechanische Automation entlastet werden und den positiven Nutzen deutlich spüren. Vor allem Prozesse, in denen Verschwendung offensichtlich ist, lassen sich mit einem Karakuri einfach optimieren. „Wichtig ist es, die Mitarbeiter zu sensibilisieren, damit sie solche Verschwendungen erkennen und die Karakuri-Denke übernehmen“, sagt Stefan Armbruster. „Gibt es zum Beispiel immer wiederkehrende Aufgaben, wie eine Kiste von A nach B zu befördern, dann lohnt es sich, über ein Karakuri nachzudenken. Wer selbst Optimierungschancen sieht und sofort nutzt, ohne lange auf eine Investitionsentscheidung warten zu müssen, profitiert am meisten.“ Die Kreativität der eigenen Mitarbeiter ist somit Dreh- und Angelpunkt bei der Umsetzung eines Karakuris.
Fallstricke erkennen und vermeiden
Sind die Mitarbeiter erst einmal vom Nutzen überzeugt, gelingt der Start mit Karakuri sehr schnell. Anstatt die Mechanik zunächst auf Papier in aufwendigen CAD-Modellen zu zeichnen, ist es sinnvoller, sofort einen Prototyp zu bauen und immer weiter zu verfeinern – ganz im Sinne des KVPs. So lässt sich schnell feststellen, ob das Karakuri auch in der Praxis funktioniert. Eine theoretische Vorgehensweise, basierend auf rein technischen Zeichnungen, scheitert oft, weil beispielsweise Faktoren wie Reibung, Winkelmaße oder Behälterbeschaffenheit darin nicht berücksichtigt werden. Das kann später zu Problemen führen. Um dies zu vermeiden, ist es sinnvoll, eigene Teams zu bilden, die sich ausschließlich mit dem Thema Karakuri beschäftigen. Sie benötigen Freiheiten in der Arbeitsplanung, damit notwendige Verbesserungen selbstständig umgesetzt werden können. „Den Mitarbeitern muss außerdem klargemacht werden, dass sie nicht ersetzt werden, nur weil der ‚Lean-Gedanke‘ Einzug ins Unternehmen hält“, betont Stefan Armbruster. „Lean ist eine Strategie, die zum Ziel hat, Wachstum durch kontinuierliche Verbesserung zu erzeugen. So wird jede einzelne, punktuell eingesparte Arbeitskraft nicht einfach freigesetzt, sondern an anderer Stelle dringender denn je gebraucht. Erfahrungen zeigen, dass durch die erfolgreiche Einführung von Lean-Prinzipien oft viele zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden.“ Darüber hinaus sind die Einsparungen, die sich beispielsweise durch ein funktionierendes Karakuri erzielen lassen, enorm. Gleichzeitig sorgt die Entlastung der Mitarbeiter durch die mechanische Automatisierung von monotonen Arbeitsabläufen für eine höhere Motivation im Arbeitsalltag. Planen, umsetzen, überprüfen, verbessern: Der sogenannte PDCA-Zyklus (PDCA = plan, do, check, act) bildet die Basis des KV-Prozesses. Das heißt konkret: Ist ein Karakuri einmal aufgebaut, getestet und dokumentiert, sollten die Mitarbeiter die Abläufe ständig im Blick behalten: An welchen Stellen hakt es? Werden vor- oder nachgelagerte Prozesse negativ beeinflusst? Gibt es weiteres Optimierungspotenzial? „Theoretisch hat Karakuri keine Grenzen. Im Mittelpunkt muss aber immer die Frage stehen, ob auch alles sinnvoll ist. Und zwar langfristig“, sagt Armbruster.

Annemarie Möller, Produktgruppen Management Marketing bei Item Industrietechnik


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