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„Wir haben die Vorteile aus zweiSystemen kombiniert“

Gespräch mit Picavi-Geschäftsführer Dirk Franke über Pick-by-Vision-Systeme
„Wir haben die Vorteile aus zweiSystemen kombiniert“

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Vor Kurzem wurde die Technik von sogenannten Smart Glasses noch belächelt, heute sind sie in der Intralogistik und der Kommissionierung angekommen. Wir haben mit Dirk Franke, Geschäftsführer bei Picavi, über die Entwicklung und die Vorteile gegenüber Pick-by-Voice und Pick-by-Light gesprochen.

Beschaffung aktuell: Herr Franke, auf was kommt es bei einer Datenbrille an?

Dirk Franke: Ganz wichtig und entscheidend bei der Auswahl einer Datenbrille ist für uns die Tragbarkeit, also ein geringes Gewicht und Balance, für die bewegungsintensiven Abläufe in der Kommissionierung.
Beschaffung aktuell: Seit wann sind Sie mit ihren Pick-by-Vision-Lösungen auf dem Markt?
Franke: Die Marktreife unserer Software-Lösung für Datenbrillen in der Kommissionierung haben wir im Frühjahr 2015 erreicht und erstmals auf der Logimat dem Fachpublikum präsentiert.
Beschaffung aktuell: Wie lange betrug die Entwicklungszeit?
Franke: Wir hatten eine Entwicklungsphase von rund zwei Jahren.
Beschaffung aktuell: An welche ERP- und Lagerverwaltungs-Schnittstellen kann man die Picavi-Brille koppeln?
Franke: Unsere Lösung kann über Webservices und andere Standards Daten mit beliebigen ERP und LVS austauschen. Zu gängigen Systemen wie SAP WM/EWM, Wamas und Viadat existieren bereits Schnittstellen. Auch RF-Devices mit HTML oder Telnet-Client können auf diese Weise direkt genutzt werden.
Beschaffung aktuell: Was zeichnet die Picavi-Lösung aus?
Franke: Zunächst einmal ist es unser Anspruch, dass der Lagerist nach einer Schicht die Datenbrille so akzeptiert, wie er am Ende des Tages die eigene Brille akzeptiert. Unsere Modelle wiegen aktuell lediglich rund 13 Gramm mehr als eine herkömmliche Brille. Unsere Lösung soll die Handscanner im Lager ablösen, die wenig effizient sind, weil der Mitarbeiter die Hände nicht frei hat. Mit der Brillenlösung ist er viel effizienter.
Beschaffung aktuell: Wie viel effizienter ist die Datenbrille in der Kommissionierung?
Franke: Je nach Pickdichte werden typischerweise zwischen acht und zehn Prozent Pickzeit eingespart. Darüber hinaus sorgt Picavi für eine deutlich höhere Prozesssicherheit.
Beschaffung aktuell: Auf welchen Hersteller greifen Sie am meisten zurück?
Franke: Das ist aktuell die Google Glass-Brille. Sie wurde ursprünglich für den Consumer-Bereich entwickelt. Dort kam sie bekanntlich aber nicht gut an und fokussiert sich nun auf den Business-Sektor. Aber wir haben Beziehungen zu allen Datenbrillen-Herstellern weltweit, zum Beispiel Vuzix. Es gibt jedoch Modelle, die unter Geheimhaltungsverträgen stehen und in der Industrie bei namhaften Unternehmen im Einsatz sind. Hier wird nach erfolgreichen Tests an die Öffentlichkeit gegangen.
Beschaffung aktuell: Was ist der besondere USP bei Picavi?
Franke: Wir haben den Picavi Power Control entwickelt. Er versorgt die Brille mit Strom und verfügt über fünf Tasten, mit denen der Werker die Brille auch mit Handschuhen bedienen kann. Er liefert darüber hinaus Strom für eine ganze Schicht und ist mit einem widerstandsfähigen Industriestecker versehen. Das Gerät liefert Strom, dient als alternative Bedieneinheit und bietet eine professionelle Stecklösung. Zudem ist unsere Picavi Power Control mit jeder Android-Datenbrille kompatibel.
Beschaffung aktuell: Wie groß ist der Markt im Bereich B2B-Datenbrillen?
Franke: Der B2B-Datenbrillenmarkt wächst rasant. Insbesondere der von uns fokussierte Bereich der Lager- und Prozesslogistik.
Beschaffung aktuell: Was für ein System ersetzen Sie am häufigsten und was für Kosten treten auf?
Franke: Üblicherweise ersetzen wir Handheldsysteme und Papierlisten. Ein Pick-by-Vision-System von uns kostet nicht mehr als ein Pick-by-Voice-System.
Beschaffung aktuell: Was hat Pick-by-Vision für Vorteile gegenüber Pick-by-Voice?
Franke: Zunächst ist zu sagen, dass man bei beiden Systemen die Hände frei hat. Wissenschaftliche Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass Sprache mehr ermüdet und dass rund 80 Prozent der Auffassungsgabe des Menschen über die Augen abläuft. Pick-by-Voice kommt bei hohen Pickdichten an die Grenze. Wir können mit unserem System viel höhere Pickdichten abwickeln, als sie mit Pick-by-Voice möglich sind.
Beschaffung aktuell: Können Sie auch Sonderwünsche mit der Software abdecken?
Franke: Ja, das geht sehr wohl. Als Beispiel kann ich hier einen Kunden nennen, der pro Tag 5000 Auslieferungen hat und immer wieder die zehn gleichen Kunden hat, die sich am Folgetag beschweren, dass die falsche Lieferung angekommen ist. Hier besteht die Möglichkeit, dass über ERP oder LVS ein Marker gesetzt wird, bei welchem Kunden eine Fotodokumentation der fertig verpackten Ware gemacht werden soll. Der Mitarbeiter schießt ein Bild mit der integrierten Kamera. Das Foto wird dann im System abgelegt und wenn der Kunde sich beschwert, erhält er das Foto per E-Mail.
Beschaffung aktuell: Wie geht Picavi mit dem Thema Datenschutz um?
Franke: Das Picavi-Standard Paket fällt nicht unter die Rechtsgrundlage zur Videoüberwachung in Deutschland, da kein Bild dauerhaft aufgezeichnet oder übertragen wird oder eine dritte Person in die Lage versetzt wird, sich das Bild live anzuschauen. Das einzige, was wir mit der Kamera machen, ist der Scan für die Barcodes.
Beschaffung aktuell: Herr Franke, vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Alexander Gölz.


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