Unterschiede und Auswahlkriterien für UL-Listed- und UL-Recognized-Kabel

Zulassung allein reicht nicht

Anzeige
Da UL nicht gleich UL ist, sollte die Auswahl der Zulassungsart für elektrische Leitungen wohlüberlegt erfolgen. Damit es nicht zu erheblichen Problemen kommen kann, sollten sich die verantwortlichen Mitarbeiter zunächst mit den Zulassungen beschäftigen, bevor sie die Kabel für ihre Maschinenkonstruktion auswählen.

Der nordamerikanische Markt ist ein wichtiger Absatzmarkt für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau und fordert eine UL-Zulassung. Es kann entweder eine Maschine als Ganzes UL-zugelassen werden oder alle verwendeten Einzelkomponenten haben eine UL-Kennzeichnung. Der zweite Weg erleichtert die Abnahme im Allgemeinen.

Die unabhängige Organisation Underwriters Laboratories (kurz UL) untersucht und zertifiziert Produkte hinsichtlich ihrer Sicherheit. „Unsere Kunden fordern oft eine UL-Zulassung, ohne die Inhalte sowie Vor- und Nachteile der einzelnen Zulassungsarten zu kennen“, beschreibt Horst Messerer, Produkt-manager Daten-, Netzwerk- & Bustechnik bei der Helukabel GmbH, ein grundsätzliches Problem. Generell erleichtert eine UL-Zulassung den Eintritt in den kanadischen und US-Markt, da damit eine grundlegende Akzeptanz vorhanden ist. Jedoch gibt es große Unterschiede in den einzelnen Zulassungsarten und deren Behandlungen durch die Prüfer.
Messerer erläutert die Problematik anhand eines Beispiels: „Ein Maschinenbauer stellt in einer Fabrikhalle mehrere Maschinen auf. Diese werden mit einer Schleppkettenleitung mit PUR-Mantel verkabelt, welche eine Zulassung UL-Recognized AWM Style oder UL-Listed CMX besitzt. PUR ist ein hervorragender Werkstoff für permanent bewegte Leitungen mit langer Standzeit und langer Lebensdauer. Aufgrund seiner chemischen Zusammensetzung ist das Material aber nicht hoch flammwidrig. Für die Verkabelung innerhalb der Maschine eignet sich dieses Kabel zwar sehr gut, nicht aber sobald die einzelnen Maschinen miteinander verbunden werden. Dann ergibt sich folgendes Problem: Die Leitungen werden etwa am Boden in Kabelschächten oder über Kabeltragschienen verlegt. Diese Verleg-art fällt unter die Gebäudeverkabelung (CM/CMG), die einen Bündelbrandtest erfüllen muss. Bei der Pritschenverlegung verlangen die Amerikaner eine hohe Flammwidrigkeit. Der prüfende Fire Marshal wird somit die Verkabelung in der Maschine abnehmen, nicht aber die Verkabelung zwischen den Maschinen. Dann muss das verbaute Kabel komplett oder teilweise wieder ausgebaut und beispielsweise durch eine Version mit PVC-Mantel und UL-Listed CMG ersetzt werden.“
Grundsätzlich wird unterschieden zwischen der UL-Listed-Norm und dem Prüfsiegel UL-Recognized: „UL-Listed Norminhalte sind allgemein bekannt. Damit genießt die Norm für die Verkabelung in Gebäuden, von Werksausrüstung und Feldverkabelung der Maschinen und Anlagen eine höhere Akzeptanz bei den Prüfern“, erklärt Messerer. „Der Prüfer hat die ständig wiederkehrenden Normen sogar meist im Kopf und kann so eine schnellere Entscheidung bei der Abnahme treffen.“ Für den Maschinen- und Anlagenbauer ergeben sich signifikante Zeiteinsparungen und erheblich geringere Prüf- und Abnahmekosten.
Hinter UL-Recognized verbergen sich Hunderte AWM (Appliance Wiring Material) Styles, die unter der sogenannten „Yellow Card“ (Ausweis von UL, der die vorhandenen AWM-Styles eines Herstellers ausweist) zu finden sind. Diese Zulassungsart ist vergleichbar mit der VDE-Registernummer. Die Vergabe der Zulassung erfolgt folgendermaßen: Ein Produkt für die Maschinen-/Geräteverdrahtung wird mit Angaben zur Applikation bezüglich Spannungsebene, Flammwidrigkeit oder etwa Temperaturbereich bei UL eingereicht. Die Behörde prüft dieses Produkt hinsichtlich der Anforderungen und erteilt dann einen vorhandenen AWM Style, wenn die Paramater passen. Ist das nicht der Fall, wird ein neuer AWM Style erlassen.
Aufgrund der Vielzahl der AWM Styles weiß der Prüfer nicht auf Anhieb, welche Klassifizierungen sich jeweils dahinter verbergen. Er muss nachschauen, was bei 50 bis 80 verschiedenen Kabeln pro Maschine sehr aufwendig werden kann. Dabei stößt er gegebenenfalls auf ein Kriterium, das die Abnahme verhindert. Der Kunde muss dann umrüsten und erneut eine Zulassung bewirken. Das kostet Zeit und ist teuer.
Empfehlung des Spezialisten
„Der Einkäufer sollte sich immer zuerst für die Norm entscheiden, weil die Norm auf dem Kabel einfacher zu prüfen ist und die Abnahme schneller erfolgt“, rät Messerer. „Erst wenn er hier nicht fündig wird, kann er sich bei den AWM Styles umschauen. Mit einem Produkt nach Norm hat er den Prüfer auf seiner Seite, weil er ihm quasi die AWM-Recherche erspart.“ AWM Styles haben aber durchaus Vorteile: Sie sind auf die Anwendung zugeschnitten, denn nicht alle Applikationen lassen sich in die UL-Norm pressen.
„Unsere Kunden sind sich oft gar nicht drüber im Klaren, welche Anforderungen ihre Applikation eigentlich stellt und wie die Installationsmöglichkeiten in Nordamerika bei den unterschiedlichen Anbietern aussehen“, gibt Horst Messerer zu bedenken. Er wünscht sich, dass sich Einkäufer mit der UL-Thematik befassen und auch einmal mit den Installateuren die Applika-tion diskutieren. Leider sei es oft so, dass zu wenige die Thematik verstehen oder bereit sind, sich darüber zu informieren. „Wir können nur dann die richtige Auswahl treffen, wenn wir die Umstände der Applikation kennen“, versucht Messerer die Anwender zu sensibilisieren.
Datenleitungen werden in der Norm UL444 beschrieben. Je nach Einsatzfall und Flammwidrigkeit gibt es in den einzelnen Kapiteln die Normzuordnung CMP, CMR, CM, CMG und CMX nach den jeweiligen Kriterien für Datenleitungen. Helukabel bietet für diverse PVC-Ausführungen CM oder CMG UL-Listed (Bündelbrandtest), aber auch AWM Style UL-Recognized (vertikaler oder horizontaler Einzelbrandtest). Dasselbe gilt für FRNC (Flame Retardant Non-Corrosive)-Ausführungen. Für die PUR-Ausführungen stehen CMX UL-Listed oder UL-Recognized zur Verfügung. Beide sind nur mit vertikalem oder horizontalem Einzelbrandtest möglich. „Hinter UL verbergen sich zu viele Möglichkeiten, als dass die richtige Auswahl ein Kinderspiel ist. Gerne stehen wir unseren Kunden dabei mit Rat und Tat zur Seite“, so Horst Messerer. dk


Hier finden Sie mehr über:
Anzeige

Aktuelles Heft

Newsletter

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

Webinare & Webcasts

Technisches Wissen aus erster Hand

Whitepaper

Hier finden Sie aktuelle Whitepaper

Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice

Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de