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Zwischen Konkurrenz und Kooperation

Binnenschiffahrt
Zwischen Konkurrenz und Kooperation

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Daß das Binnenschiff mit den geringsten Lärm- und Schadstoffemissionen ökologisch an erster Stelle steht, wird von niemandem bezweifelt. Die externen Kosten zu Lasten der Volkswirtschaft betragen für das Binnenschiff 0,35 DM, für die Eisenbahn 1,15 DM und für den Lkw 5,01 DM je 100 tkm.

Ob die Binnenschiffahrt in Deutschland jedoch unter den gegebenen Voraussetzungen die Anforderungen der Wirtschaft optimal erfüllen kann, ist fraglich. Besonders das Tarifaufhebungsgesetz zum 1. Januar ‘94, anläßlich der europäischen Integration, gerät den deutschen Partikulieren gegenüber der europäischen Konkurrenz zum Nachteil. Nach Manfred M. Crisand, Geschäftsführer Rhein-Fracht GmbH Mannheim, seien die Einnahmen der deutschen Binnenschiffahrt seit ‘94 um etwa 60% gesunken.
Der Bundesregierung wird vorgeworfen, Zusagen nicht einzuhalten und die Binnenschiffahrt zu vernachlässigen.
Kooperation und Konkurrenz
Von der Binnenschiffahrt werden vor allem Massengüter wie Kohle, Baustoffe, Erze, Getreide und Mineralöle gefahren. Der Containerverkehr macht, obwohl gestiegen, in der Binnenschiffahrt nur etwa 3% des Ladungsaufkommens aus.
Bei Massenguttransporten steht die Binnenschiffahrt in direktem Wettbewerb zu Bahn und Lkw. „Überall dort, wo sie ihre Transportleistung nicht im Punkt-zu-Punkt-Verkehr erbringen kann, ist sie im gebrochenen Verkehr beim Zu- und Ablauf auf eine Kooperation angewiesen.“ (Wilhelm Minning, Präsident Bundesverband der Deutschen Binnenschiffahrt e.V., Duisburg) Die Binnenschiffahrt sei zu enger Zusammenarbeit mit anderen Verkehrsträgern bereit, müsse jedoch einen fairen Wettbewerb für die lange Strecke und zumutbare Raten für den Zu- und Ablauf mit den Binnenhäfen erwarten. Nur so seien verfügbare Kapazitäten bestmöglich zu nutzen. Die Bahn biete auf lange Strecken im direkten Wettbewerb „äußerst billige Raten, während sie für Kurzstrecken und im Zu- und Ablauf mit den Binnenhäfen überhöhte Frachten fordert.“ (Minning)
Thomas Wiedemann, Leiter Marktbereich Baustoffe und Entsorgung DB AG, stellt fest, daß Bahn und Binnenschiffahrt auch in Zukunft mehr Konkurrent als Kooperationspartner sein werden, auch wenn es Bereiche gebe, in denen kooperiert werden könne. Die Bahn werde aber nicht auf einen Teil des lukrativen Massengutgeschäftes zugunsten der Binnenschiffahrt verzichten, in der Hoffnung, diese Verluste durch die Verlagerung von Straßentransporten auf die Schiene ausgleichen zu können.
Für Cornelius Geber, Vorstandsmitglied Kühne & Nagel International AG, hat keiner der drei diskutierten Verkehrsträger, auf sich allein gestellt, eine Zukunft. Oberstes Ziel müsse die Förderung des kombinierten Verkehrs sein. Der Staat müsse für einen fairen Wettbewerb sorgen, damit der Preisdruck nicht weiterhin auf die Partikuliere abgewälzt werde. „Es ist ein Unding, daß sich das Binnenschiffahrtsgewerbe weitgehend aus eigener Kraft sanieren muß, während sich die Schiene nach wie vor großer Subventionsfürsorge erfreut.“ (Geber) Für die Speditionen sei es eine dringende Aufgabe, das Binnenschiff in verstärktem Maße in die logistischen Ketten zu integrieren. Kühne & Nagel habe dazu mit der Gründung der KN Euroshipping GmbH im oberpfälzischen Kelheim einen ersten Schritt getan. Notwendig seien außerdem moderne und gut ausgerüstete Kaianlagen, um die Vor- und Nachlaufverkehre besser integrieren zu können. Ro/Ro-Verkehre sollten innerhalb vorgegebener Zeitfenster vermehrt möglich und finanziell reizvoll gemacht werden.
Bei aller Unterstützung solle man die Möglichkeiten der Binnenschiffahrt jedoch realistisch betrachten. Sie sei nunmal weniger flexibel als der Lkw und an Wasserstände und Schleusen gebunden. Für Geber sind Zwangsverlagerungen von Ladungsströmen keine dauerhafte Lösung.
„Was politisch gewollt ist, kann nur funktionieren, wenn es ökonomisch sinnvoll ist. Sonst sucht sich der Markt … andere Möglichkeiten“, stellte Dr. Hans-Erich Forster zu Anfang fest. Es gebe keinen Königsweg zur Verbesserung der Situation der Binnenschiffahrt, aber gute Ansätze zur Verbesserung der Kooperation mit anderen Verkehrsträgern und zur Stärkung der Marktposition. Mit der vereinfachten Forderung „Mehr Tonnage auf das Schiff …“ komme man aber nicht weiter. (pm)
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