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Echtzeitberatung für Lieferengpässe bei Antriebskomponenten

Echtzeitberatung für Lieferengpässe bei Antriebskomponenten
Expertise als Hilfe bei der Entscheidungsfindung

Verzögerungen in der Lieferkette führen zu unerwartet langen Lieferzeiten – auch für Antriebskomponenten. Das zieht steigende Preise nach sich und macht es für Maschinenhersteller praktisch unmöglich, verbindliche Lieferzusagen zu treffen. Die Zusammenarbeit zwischen den Stakeholdern kann hier eine Hilfe darstellen.

Aufgrund der Entwicklungen in den Lieferketten sind Konstruktionsingenieure und Einkäufer immer häufiger gezwungen, Kosten, Lieferzeiten, Leistung und weitere Variablen gegeneinander abzuwägen, um im vorgegebenen Zeitrahmen eine funktionsfähige Komponente zu erhalten, die zumindest die technischen Grundanforderungen erfüllt. Um die Entwicklung von Antriebssystemen trotz einer zuweilen launischen Lieferkette voranzutreiben, kann die Echtzeit-Zusammenarbeit mit den Herstellen eine große Hilfe darstellen, so der Spezialist für Lineartechnik Thomson Industries.

Die aktuell vielzitierten Engpässe in der Lieferkette haben die Beschaffungsprozesse für technische Komponenten laut dem US-Unternehmen drastisch verändert. Die Zeiten, in denen ein Hersteller von Antriebskomponenten sein Angebot ein Jahr oder länger aufrechthalten konnte, sind erst einmal vorbei.

Verzögerungen – ob sie nun durch Probleme bei anderen kritischen Komponenten oder durch sonstige Faktoren verursacht werden – können Lieferfristen von Tagen auf Wochen und sogar Monate hochtreiben. Mit der Aussicht konfrontiert, nicht genau die Teile zu bekommen, die sie benötigen, müssen Unternehmen nicht selten Kompromisse zwischen Lieferzeit, Preis, Leistung und anderen Variablen in Kauf nehmen. Eine Herausforderung besteht darin Qualitätsverlust zu vermeiden.

Zusammenarbeit in Echtzeit

Maschinenkonstrukteure verbrachten bereits vor den aktuellen Problemen in der Lieferkette immer mehr ihrer Zeit in einer virtuellen Welt, so der Lineartechnikanbieter. Dort nutzen sie die Echtzeit-Zusammenarbeit, um ihre Entwürfe zu optimieren, die Beschaffung zu rationalisieren und das Fachwissen von Experten einzubinden. Dieser Aspekt hat durch die verstärkte Homeoffice-Nutzung in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen.

Eine solche Zusammenarbeit beginnt beispielsweise damit, dass ein verantwortlicher Einkäufer oder Konstrukteur die Website eines Anbieters von Linearkomponenten besucht, um dort nach einem bestimmten Teil zu suchen. Die meisten Websites verfügen über Tools für eine vereinfachte Suche und Produktentwicklung. Einige bieten darüber hinaus eine Echtzeit-Direktberatung, was die Planungszeit erheblich verkürzen soll (s. Abbildung 1). Ist keine Ad-hoc-Sitzung verfügbar, enthalten viele Websites alternativ einen Online-Terminkalender.

Während einer solchen Sitzung sollen Kunden und Hersteller das Bewegungsprofil ermitteln sowie weitere wichtige Details wie Einschaltdauer, Anwendungsumgebung und kaufmännische Informationen klären, beispielsweise Zeit- und Kostenaspekte. Genauso kann der Hersteller CAD-Zeichnungen von Standardmodulen bereitstellen, die den Basisanforderungen entsprechen, und dann Modifikationen vorschlagen.

Beratung profitiert von Expertenwissen

Abbildung 2 zeigt das Ergebnis eines solchen Austauschs. Dieses Projekt begann mit einer ersten Beratung zwischen einem Entwicklungsteam für eine selbststehende Krücke und einem Experten für Linearsysteme von Thomson Industries. Die Konstrukteure wollten mit nur einem Aktuator ein Stativ ausklappen lassen, das die Krücke gegen das Umfallen sichert, wenn beispielsweise der Griff der Krücke losgelassen wird.

Auf der Thomson-Website machten die Anwender zunächst mithilfe von Online-Planungstools die Basisangaben zum Bewegungsprofil und verfeinerten ihre Konstruktion dann weiter, nachdem sie einen Termin für eine Live-Beratung vereinbarten. Der beratende Ingenieur hat im Zuge dessen erkannt, dass ein speziell anzufertigender Verdrehschutz benötigt wurde.

Möchte ein Kunde mehrere Kollegen einbinden, können über die Online-Kalender auch Gruppensitzungen vereinbart werden – eine Möglichkeit, auch den übrigen Mitgliedern eines Teams die Auswirkung von Kompromissen zu vermitteln. Ebenso gibt es dem Experten des Herstellers mehr Möglichkeiten, Kollegen einzubeziehen, die möglicherweise über ergänzende Fachkompetenzen verfügen.

Als weitere Verbesserung der Kommunikation in diesem Prozess ermöglicht die Echtzeit-Zusammenarbeit die Erweiterung der virtuellen 3D-Modelle durch Kameraansichten, die das System zeigen, in dem die Antriebsprodukte zum Einsatz kommen werden.

Abwägung der Kompromisse

Zu den Kompromissen können der Preis, die Lieferzeit, bestimmte Elemente des Bewegungsprofils oder andere Aspekte des Projekts gehören, die zur Verzögerung beitragen können. Die Vorteile einer Echtzeit-Zusammenarbeit werden besonders in Situationen deutlich, in denen mehrere Elemente einer Konfiguration für eine Optimierung geändert werden müssen. Übersteigt die zu erwartende Projektlast beispielsweise die Tragzahl der Standardausführung, kann der beratende Ingenieur verschiedene Optionen zur Steigerung der Belastbarkeit vorschlagen. Das kann eine andere Getriebeübersetzung oder Spindel-Gewindesteigung sein, genauso wie Änderungen weiterer mechanischer Leistungsmerkmale.

Wenn der Kunde eine Positionsrückführung wünscht, kann der Anbieter erläutern, wie sich die zahlreichen Optionen auf den Zeitplan auswirken. Als beste Lösung könnte die Wahl schließlich auf einen der verfügbaren smarten Linearaktuatoren fallen. Anpassungen können in Echtzeit vorgenommen werden. Das heißt es ist sofort ersichtlich, wie sich jede Entscheidung auf die Gesamtleistung auswirkt.

Standard oder Sonder – auch eine Frage der Lieferzeit

Viele Gespräche zu möglichen Kompromissen beziehen sich auf maßgeschneiderte Sonderlösungen. Nehmen wir an, eine Sonderlösung verlängert die Lieferzeit. In diesem Fall können Kunde und Ingenieur gemeinsam die Merkmale und Vorteile eines Standardprodukts vergleichen, das möglicherweise schneller lieferbar ist.

Ein Beispiel: Der Kunde hat ein Produkt mit hoher Temperaturbeständigkeit spezifiziert, für das ein Hochtemperaturfett erforderlich ist. Nun muss er abwägen, ob die Temperaturbeständigkeit wichtiger ist oder die kürzere Lieferzeit des Teils. Oder, wenn die lange Lieferzeit durch einen bestimmten Steckverbinder verursacht wird, ist zu entscheiden, ob der daraus gewinnbare Vorteil tatsächlich höheres Gewicht hat als die Lieferzeit.

Zuweilen bevorzugt ein Kunde eine Sonderlösung, um die Markteinführung seiner Produkte zu beschleunigen. Beispielsweise bestellt er einen längeren Aktuator als sein Bewegungsprofil vorgibt, weil sich dieses Modell besonders schnell und einfach ohne Umbauten am vorhandenen System montieren lässt. Der herstellerseitige Experte würde ihn dabei unterstützen, die möglichen Auswirkungen auf Kosten, Leistung und Liefertermine zu bewerten und zu verstehen. Verlängert die Sonderlösung die Liefertermine, könnte der Hersteller zunächst Standardmodelle liefern, mit denen der Kunde sein Konzept überprüfen kann, während der Hersteller die maßgeschneiderten Varianten fertigt.

In den meisten Fällen kann der Ingenieur des Herstellers dem Kunden aufzeigen, welche der möglichen Optionen geeinet ist. Möchte ein Kunde zum Beispiel die Steifigkeit einer Polymer-Gleitlagerbuchse erhöhen, kann der Ingenieur ihm eine 2000 Euro teure Profilschiene mit leicht erhöhter Steifigkeit empfehlen, die in einer Woche verfügbar ist – oder eine Schiene für 4000 Euro mit maximaler Steifigkeit, die aber erst in sechs Wochen geliefert werden kann.

Verantwortlichkeiten der Hersteller

Genauso wie die Kundenseite dafür verantwortlich ist, präzise Angaben zu ihren technischen Anforderungen und Betriebsumgebungen zu machen, müssen die Hersteller genaue Lieferzeiten angeben, die auf einer realistischen Einschätzung ihrer jeweiligen Lieferketten basieren.

Zudem sollten die Hersteller auch eng mit den Kunden zusammenarbeiten, wenn es um Zeitpläne der Markteinführung geht, damit sie wissen, was der Kunde zu welchem Zeitpunkt braucht. Sollte eine termingerechte Lieferung des gesamten Bestellumfangs nicht möglich sein, können eventuell Teillieferungen ausreichen, um die kurzfristigen Bedürfnisse zu erfüllen. Hersteller mit mehreren Produktionsstätten könnten auch Aufträge von einem zum nächsten Standort verlagern, um dringende Liefervorgaben zu erfüllen. (ys)

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