Digitalisierung

Bodensee-Forum: Digitaler Wandel erfasst auch die Bodensee-Region

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Verfolgten gespannt, was es Neues zu Industrie 4.0 zu berichten gibt: 140 Einkäufer, Logistiker und Supply Chain Manager kamen zum 12. Internationalen Bodensee-Forum des BME nach Dornbirn. Bild: Frank Rösch/BME
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„Die digitale Vernetzung verändert auch Arbeitswelt und Beschaffungsprozesse der Unternehmen in den Anrainerstaaten Deutschland, Schweiz, Österreich und Liechtenstein“, betonte Volkher Lins, Vorstandsvorsitzender der BME-Region Bodensee-Oberschwaben, auf dem 12. Internationalen Bodensee-Forum für Einkauf und Materialwirtschaft in Dornbirn.

„Um uns angesichts der neuen Herausforderungen nicht zu verzetteln und die eigenen Unternehmensziele weiter im Auge zu behalten, sollten wir den Weg in die Digitalisierung bedacht, aber auch konsequent gehen. Deshalb ist es für Konzerne und KMU gleichermaßen wichtig, Kurs zu halten im Spannungsfeld zwischen Agilität und Stabilität“, sagte Lins in Anspielung auf das diesjährige Veranstaltungsmotto. In diesem Jahr waren 140 Einkäufer, Logistiker und Supply Chain Manager der Einladung der BME-Region Bodensee-Oberschwaben, des Schweizerischen Fachverbandes für Einkauf und Supply Management (procure.ch) sowie des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik in Österreich (BMÖ) gefolgt. Gastgeber ist traditionell das WIFI – Wirtschaftsförderungsinstitut der Wirtschaftskammer Vorarlberg.

„Da die Unternehmen der Bodensee-Region ebenfalls im globalen Wettbewerb stehen, müssen auch sie sich tagtäglich den wachsenden Herausforderungen stellen“, äußerte BME-Hauptgeschäftsführer Dr. Silvius Grobosch in seinem zuvor veröffentlichten Grußwort. Neben der Globalisierung zwinge vor allem Industrie 4.0 den Einkauf zum Handeln. Die digitale Transformation durchdringe schon heute Privatleben und Wirtschaft, breche zudem althergebrachte – bis dato erfolgreiche – Strukturen auf und ersetze diese. Dieser disruptive Prozess habe auch für das Procurement weitreichende Folgen. Schließlich solle der Einkauf künftig Schrittmacher dieses Prozesses und aktiver Wegbereiter der digitalen Vernetzung zwischen den Unternehmen sein.

„Verschlafen wir die Digitalisierung?“, hieß die provokante Frage von Professor Dr. Claus W. Gerberich von der Hochschule Luzern, der die Antwort in seiner Keynote gleich mitlieferte. So würden zwar die Vorteile der Digitalisierung immer häufiger erkannt. Allerdings werde noch zu wenig gehandelt. Er verwies in diesem Zusammenhang auf aktuelle Zahlen zur Lage der Digitalisierung in deutschen Unternehmen. Danach sehen 89 Prozent der Befragten in Industrie 4.0 eine Chance während 78 Prozent bereits eine Digitalisierungsstrategie verfolgen. 58 Prozent sähen sich als Nachzügler der Digitalisierung, acht Prozent darin ein Risiko und fünf Prozent meinten, sie hätten den Anschluss verpasst. Der studierte Maschinenbauer ging auch auf die Notwendigkeit der Digitalisierung ein. Diese werde seiner Ansicht nach „für die Unternehmen zum existenziellen Schwerpunktthema“ und führe zu einem deutlichen Wandel der Wirtschaft. „Die Zeit, wo ein Unternehmen Stand-alone war, ist vorbei. Jetzt geht es um die möglichst enge Vernetzung aller Glieder der Supply Chain“, so Gerberich weiter. Die Digitalisierung verändere die Bedürfnisse und Erwartungen der Kunden. Deshalb müsse sich der Einkauf vor allem mit ihnen verzahnen, „um zu erfahren, was die Kunden wollen“. Ein weiterer Aspekt: Auch die Produktion werde vom Internet der Dinge erfasst. So erlaube der Einsatz Künstlicher Intelligenz neue technologische Lösungsansätze, führe aber auch zur Verdrängung etablierter Unternehmen – wie im Falle von Nokia durch Apple geschehen.

Mit der Frage „Einkauf 4.0 – Was macht der Einkäufer dabei?“ beschäftigte sich Axel Butterweck, Geschäftsführer der TALENT-net (CH) GmbH, in seinem Statement. Der ehemalige Konzerneinkaufsleiter der Schweizer Post, Bern, sieht seinen Berufsstand als Enabler der digitalen Transformation. Schließlich kenne der Einkäufer seine Firma, die Innovationen seiner Lieferanten, die kommenden Veränderungen und die Geschäftsrisiken am besten. Bevor er sich jedoch mit den Chancen und Herausforderungen von Einkauf 4.0 auseinandersetze, sollten einige Aufgaben bereits erledigt sein. Dazu zähle laut Butterweck beispielsweise eine mit dem gesamten Unternehmen abgestimmte und von den Stakeholdern freigegebene Beschaffungsstrategie. Darüber hinaus sollten die Lieferantenstammdaten von hoher Qualität und Maverick Buying in allen Unternehmensbereichen kein Thema mehr sein. Damit Industrie 4.0 und Einkauf 4.0 erfolgreich im Unternehmen realisiert werden könnten, seien vom Einkauf zunächst eine Reihe wichtiger Fragen zu klären: „Welche neuen Entwicklungen gibt es in den Beschaffungsmärkten, aber auch mit Blick auf das eigene Geschäftsmodell? Welche Auswirkungen haben diese auf Strategie, Governance und Compliance?“, listete Butterweck weitere To Dos auf. Offene Punkte seien zudem, wie sich das Procurement künftig aufstelle, welche Organisationsformen es wähle und wo genau Kapazitäten gegebenenfalls umgebaut werden müssten. Butterweck wagte auch einen Blick in die Glaskugel. So werde seiner Ansicht nach „der operative Einkauf sterben. Wir wissen nicht wann, aber es wird passieren.“ Der Einkauf sollte die Zeit bis dahin nutzen und überlegen, wie er den digitalen „Change begleiten kann“.

Weitere Infos:

frank.roesch@bme.de

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