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Buchrezension: „Sprache des Donald Trump“ von Bérengére Viennot

Linguistik
Buchrezension: „Sprache des Donald Trump“ von Bérengére Viennot

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Zu Trump und der Art, wie er kommuniziert, gibt es viel zu sagen. Das weiß auch die Bérengére Viennot, die als Übersetzerin die Äußerungen des verbal inkontinenten Präsidenten ins Französische übertragen darf. Sie rechnet in ihrem Buch „Die Sprache des Trump“ charmant mit dem Präsidenten ab.

Das Phänomen „Präsident Trump“ war für einen großen Teil der internationalen, gebildeten und sozialdemokratisch ausgerichteten Community ein Schock. Dabei rückte seine unehrliche Kommunikation in kurzen Twitter-Nachrichten in den Mittelpunkt. Für Viennot ist diese Sprache „Teil einer eigenständigen Welt – zugleich Ursache und Wirkung eines neuen Amerika“. Diese „Welt“ will sie mit ihrem Werk auf den Grund fühlen.

Zu Anfang des Buches erklärt die Autorin, dass es beim Übersetzen darauf ankommt, die Botschaft einer bestimmten Aussage aus dem Kontext der einen Sprache so in den der Zielsprache zu übertragen, dass die Botschaft vom Leser der Übersetzung emotional und intellektuell verstanden wird. Bei Trumps vulgären, sinnentleerten und oft wiederholenden Aussagen ist das eine besondere Herausforderung: man brauche Mut, ihn zu übersetzen, denn er sprenge den „beschaulichen Ramen des politischen Diskurses“. Trumps Aussagen mangelt es an dem oben angesprochenen Kontext, aber allzu oft auch an grundlegender Syntax oder Botschaft. Das macht das Übersetzen umso schwerer.

Das Buch beschäftigt sich dabei mit Themen wie Trumps Twitter-Präsenz, der ständigen Aggression seiner Äußerungen, geht aber auch darüber hinaus und beschreibt unter anderem seine Beziehung zur Religion, zur First Lady und der Wahrheit. Dazu nimmt sie sich zum Beispiel einen Tweet des Präsidenten vor und untersucht diesen detailgenau hin auf unterliegende Botschaften – eine gelungene Darstellung ihrer Arbeit als Übersetzer, die ja auch immer die Interpretation mit umschließt. Sie argumentiert unter anderem, dass Trump bei aller Falschheit und Faktenlosgelöstheit, mit der er um sich wirft, kein Lügner ist: denn er glaubt selbst an seine Aussagen, seien sie auch noch so simplistisch und widersprüchlich.

In kurzen, fein geschriebenen Kapiteln erzählt die Übersetzerin frei von der Leber weg, was sie über Trump denkt. Sie schreibt weniger ein Buch als Essays, die in der Tradition von anderen französischen populärphilosophischen Werken stehen. Sie gibt dabei selbst zu, dass sie ein wenig Küchenpsychologie betreibt, etwa wenn sie mutmaßt, dass Trump Legastheniker ist oder wenn sie Trumps Sprache mit der der Nazis vergleicht. Das sind natürlich subjektive Aussagen, die nicht unbedingt für bare Münze genommen werden sollten, sie machen das Buch aber unterhaltsam und regen zum Nachdenken an. Im Buch geht es weniger um einen stringenten Aufbau oder das Entwickeln komplexer Argumente, sondern viel eher darum, dass die Autorin mit dem Stift in der Hand niederschreibt, was sie denkt. Und das tut sie mit starker Ausdruckskraft und feinem Sarkasmus.

Ein ausdrückliches Lob auch an die Übersetzerin, Nicola Denis, die beim Übertragen ins Deutsche geschickt die Stolperfallen umschiffte, die sich daraus ergeben, ein Buch über das Übersetzen zu übersetzen.

Eine Rezension von Sanja Döttling.

Die Sprache des Donald Trump.
Bérengére Viennot. Aufbau Verlag, 2019.
Hardcover, 154 Seiten, 18,00 €. ISBN: 978-3351034832

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