Buchrezension

Erfolgsfaktor Nr. 1: die Arbeitskultur der Mitarbeiter

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Warum ist Toyota so erfolgreich? Diese Frage wird seit Jahren diskutiert. Die wohlfeile Antwort der vielen vermeintlichen Experten der Beraterzunft, die Toyota nie selbst von innen erlebt haben, aber darüber amerikanische Sekundärliteratur gelesen haben, lautet: Dies liegt an der konsequenten Umsetzung der Lean-Methoden. Weit gefehlt, meint die japanerfahrene Autorin Aino Bender-Minegishi. Der Erfolgsfaktor Nr. 1 sei die Arbeitskultur der Mitarbeiter auf allen Ebenen.

Das vorliegende Buch, „Toyotas wahre Stärke: Erfolgreiche Arbeitskultur mit meisterhaften Mitarbeitern“ verdient Beachtung. Es stellt bei der Suche nach den Erfolgsfaktoren des seit 1998 immer wieder bewunderten und in unseren Unternehmen mehr schlecht als recht kopierten Toyota Way die Toyota-Mitarbeiter und deren Arbeitskultur in den Mittelpunkt. Die Autorin tut dies aus eigener Anschauung. Sie präsentiert hier nicht den x-ten lobhudelnden Aufguss des Toyota-Produktionssystems (TPS) und der zugehörigen Lean-Methoden. Sie fokussiert sich auf eine Säule des Toyota Ways, die bisher weitgehend übersehen wurde.

„Making things means making people“

Ihr geht es um eine für viele unserer Unternehmen wenig schmeichelhafte Gegenüberstellung der dort praktizierten und nur mäßig erfolgreichen Umsetzung von Lean Management und des nachhaltig überaus erfolgreichen Toyota Ways. Die Autorin verkneift es sich daher völlig zu Recht, die mittlerweile hinlänglich bekannten Methoden des Lean Managements als Allzweckwaffen noch einmal abzuhandeln. Sie zeigt auf, dass diese Methoden nur das Beiwerk einer ganz besonderen Arbeitskultur bei Toyota sind. Die Toyota-Arbeitskultur, die ungemein treffend in dem Satz „Making things means making people“ zusammengefasst wird und das dieser Organisationskultur zugrundeliegende Human Model nimmt sie gründlich unter die Lupe. Sie leitet hieraus konkrete Handlungsempfehlungen für die Praxis auch und gerade in unseren Unternehmen ab.

Qualitätsgetriebene Arbeitskultur

Der Toyota Way – ein Begriff, der über den des Toyota-Produktionssystems hinausgeht – sei gekennzeichnet durch eine einzigartige Kombination aus einer nicht wie im Westen krampfhaft effizienzgetriebenen, sondern qualitätsgetriebenen Arbeitskultur, die gepaart sei mit einer konsequenten Anwendung der Lean-Methoden. Diese nur sehr schwer kopierbare Kombination mache die wahre Stärke von Toyota aus. Die Verfasserin konstatiert vor diesem Hintergrund zu Recht, man könne soviel Kanban, Poka Yoke und Prozessstandardisierung machen, wie man wolle, die entscheidende Voraussetzung für eine Weltklasseorganisation sei die Arbeitshaltung der Mitarbeiter auf allen Ebenen. Für die Toyota-Mitarbeiter in der Produktion und ebenso in der Verwaltung gehe es stets und in erster Linie um Qualität und Zuverlässigkeit ihrer Arbeit und dies auch bei jedem kleinsten Handgriff. Sie handelten nicht nach der in unseren Unternehmen weitverbreiteten Devise „passt schon“, sondern nach der Devise „das geht noch besser!“. Diese Arbeitskultur mache den Unterschied zu unseren Unternehmen aus. Wenn wir in unseren Unternehmen Lean Management einführten und uns für viel Geld von vermeintlichen Lean-Experten, die den Toyota Way nie aus eigener Anschauung, sondern nur aus der amerikanischen Sekundärliteratur kennengelernt hätten, beraten ließen, so gehe es vor allem darum, einzelne Lean-Methoden und -Werkzeuge vor allem auf der operativen Ebene in der Produktion und kaum in der Verwaltung durchzusetzen. Eigentlich Taylorismus pur! Dies ist nach Auffassung von Aino Bender-Minegishi viel zu kurz gesprungen. Es komme vor allem auf echte Qualitätsarbeit an jeder Stelle in der Organisation, auf der Basis einer entsprechenden Arbeitskultur, an. Was nach außen stets als deutsche Wertarbeit gelte, sei bei näherer Betrachtung ein täglicher Kampf mit Qualitätsproblemen auf allen Ebenen. Dies mache den entscheidenden Unterschied zum Toyota Way aus. So kenne Toyota beispielsweise keine Nacharbeit vor der Auslieferung der fertigen Fahrzeuge.

Die wahre Stärke eines Unternehmens

Das Buch ist kein ultimativer Leitfaden und auch kein Appell zur Toyotisierung unserer Unternehmen. Es geht in erster Linie darum, die krassen Unterschiede der Arbeitskulturen bei Toyota und in unseren Unternehmen zu kontrastrieren. Die Autorin will ins Gedächtnis zurückrufen, dass die wahre Stärke einer Organisation auf einer erfolgreichen Arbeitskultur mit meisterhaften Mitarbeitern beruht. Darüber sollte man wirklich einmal wieder nachdenken und entsprechend handeln!

Aino Bender-Minegishi, „Toyotas wahre Stärke: Erfolgreiche Arbeitskultur mit meisterhaften Mitarbeitern“, Campus Verlag, 2018, 254 Seiten.


Prof. Dr. Robert Fieten, fachlicher Berater der Beschaffung aktuell, Köln

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