Strategie beim Anbieter für C-Teile-Management Lederer

C-Teile-Management im Wandel der Marke

Markus Gebehenne Lederer
Markus Gebehenne ist schon seit 16 Jahren bei Lederer und freut sich auf die Zukunft des Unternehmens. Bild: Lederer
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In der letzten Ausgabe berichtete Markus Gebehenne, wie das Unternehmen Lederer seinen Markenauftritt neu gestaltete, um dem eigenen Wachstum Rechnung zu tragen. Nun zeigt er auf, welche Auswirkungen der Strategiebildungsprozess auf den Markenauftritt hatte.

Beschaffung aktuell: Wie muss sich ein C-Teile-Händler ändern, damit er mit der Zeit gehen kann?

Gebehenne: Ist es für den, der nicht schon vor langer Zeit angefangen hat, sich den geänderten Anforderungen anzupassen beziehungsweise sich stetig weiterzuentwickeln, nicht etwas spät? Digitalisierung ist dabei nur eines von vielen relevanten Themen; dabei geht es vor allem um die Kommunikation, die Nähe zum Kunden und die Reaktionszeiten. Wir hören genau zu, was der Kunde will, reflektieren dies und reagieren dann schnell, zielführend und ehrlich.

Beschaffung aktuell: Ehrlichkeit ist bei Lederer sehr wichtig. Wie würden Sie Ihre Unternehmenskultur weiter beschreiben?

Gebehenne: Ich hoffe, dass sich nicht viel an unserer Unternehmenskultur geändert hat in den letzten Jahren – abgesehen von der Unternehmensgröße. Wir sind sehr entscheidungsfreudig; wir haben den Mut, uns Herausforderungen zu stellen und dann einen Weg zu finden und diesen zu gehen. Ein Beispiel ist die Investitionsfreudigkeit im Unternehmen: Wir setzen vorbehaltlos auf die Zukunft. Das drückt sich etwa in den achtstelligen Investitionen aus, die wir in den letzten Jahren in unsere Infrastruktur getätigt haben.

Ein anderer wichtiger Aspekt der Unternehmenskultur sind kurze Wege – nicht nur „per pedes“, sondern auch in den Prozessen. Diese werden leider umso komplizierter, je größer das Unternehmen wird. Man kann nicht einfach skalieren und sagen: Das, was wir mit 50 Mitarbeitern machen, machen wir genauso mit 200 Mitarbeitern. Je größer ein Unternehmen wird, desto mehr Regeln brauchen wir für eine effiziente und reibungslose Zusammenarbeit. Aber wir glauben im Kern immer noch an eine Kultur der offenen Türen, die es im Bedarfsfall gibt. Auch darum bemühen wir uns.

Beschaffung aktuell: Wie reagieren Sie auf diese Skalierungsherausforderung?

Gebehenne: Es ist schwierig, neue Hierarchien einzuführen, weil es für alle Seiten ungewohnt ist. Zusätzlich ist der reine Administrations- und Kommunikationsaufwand größer und auch wichtiger geworden. Wir machen zum Beispiel – zusätzlich zu den „normalen“ Mitarbeitergesprächen, den formellen einmal im Jahr und den „informellen“, täglichen – schon seit Längerem auch aufwendige Mitarbeiterbefragungen, um herauszufinden, was gut läuft und wo der Schuh drückt. Ein großer Punkt in der letzten Umfrage war das Thema Kommunikation. Wo es früher bisweilen – natürlich nicht bei Lederer – hieß: „Nichts gesagt ist genug gelobt“, gilt dies heutzutage natürlich erst recht nicht. Menschen brauchen Feedback. Wir schulen unsere Mitarbeiter dahingehend gezielt.

Beschaffung aktuell: Was hat sich bei Lederer getan in den letzten zwei Jahren?

Gebehenne: Neben den baulichen Entwicklungen, die zu einer deutlichen Erweiterung im Bereich Lagerkapazität und Automatisierung geführt haben, sind es vor allem die Angebote und Lösungen im Bereich Logistik und C-Teile-Systeme, die wir weiterentwickelt haben. So haben wir schon viele unserer C-Teile-Systeme auf RFID-Technologie umgestellt. Wir heben dadurch gemeinsam mit den Kunden Potenziale, verbessern die Kommunikation und erhöhen die Betriebssicherheit. RFID ermöglicht es uns, Puffer knapper zu kalkulieren und dementsprechend Lagerplätze und Aufwände zu sparen.

Gleichzeitig haben wir in allen Funktionsbereichen des Unternehmens die Mitarbeiterzahl deutlich erhöht und parallel neue Strukturen installiert. So können wir unser Wissen, unser Know-how, zum Beispiel auch bei Zeichnungs- und Sonderteilen, noch intensiver und nachhaltiger an die Kunden weitergeben.

Zusätzlich haben wir im Bereich Qualität und Technik die Fachabteilung Daten-Management installiert, die sich mit Ein- und Ausleitung aller artikelbezogenen Daten befasst. Dies trägt der Entwicklung Rechnung, dass sowohl im Einkauf als auch im Vertrieb zunehmend Import, Export, Bereitstellung und Pflege von Daten nachgefragt werden. Auch hier ermöglichen wir „fast alles“, was unsere Partner wünschen.

Beschaffung aktuell: Neuerdings gibt es die „Lederer-Cloud“. Was verstehen Sie darunter?

Gebehenne: Schon seit vielen Jahren verbinden wir die Lederer-Netzwerke mit den Kundennetzwerken über EDI, elektronischen Datenaustausch. Wir schaffen eine Verbindung zwischen dem Lederer-ERP und den Warenwirtschaftssystemen der Kunden. Zahlreiche, insbesondere große Kunden nutzen dies bereits lange und erfolgreich. Eine solche Anbindung erfordert jedoch von beiden Seiten einen teils nicht unerheblichen Einrichtungsaufwand.

Die Lederer-Cloud ist eine flexible und effiziente Alternative zur EDI-Direktanbindung. Sie ermöglicht einfache und schnelle Zugriffsmöglichkeiten über Standard-WebDAV- und HTTP-Protokolle. So können wir dem Kunden genau die Daten, die er braucht, automatisch und natürlich papierlos zur Verfügung stellen. Dies sind zum Beispiel Lieferavise, Rechnungen, Auswertungen, Artikel- und Katalogdaten, technische Zeichnungen, Werkszeugnisse und vieles mehr.

Beschaffung aktuell: Was gibt es beim Onlineshop Neues?

Gebehenne: Über die diesjährigen Osterfeiertage haben wir einen neuen Release-Stand unseres Warenwirtschaftssystems gestartet, was fast einer kompletten Neueinführung gleichkam. Diese ERP-Veränderung haben wir zum Anlass genommen, alle Prozesse im Haus zu evaluieren. Wir haben also alle Abläufe, mit und in denen wir arbeiten, intensiv hinterfragt, teilweise geändert und diese Änderungen – besser gesagt: Verbesserungen – dann über die neue ERP-Software abgebildet.

Auch den Webshop selbst haben wir über Ostern 2019 neu aufgesetzt. Zum Einsatz kam dabei die Shop-Lösung des auf B2B-eCommerce-Lösungen im Microsoft Dynamics/NAV-Umfeld spezialisierten Partners silver.solutions aus Berlin. Uns war dabei wichtig, dass der Kunde möglichst wenig von dieser Änderung mitbekommt. Der Shop sieht nun zwar anders aus, aber die Bestellprozesse und Klickpfade blieben zu 99 Prozent erhalten.

Beschaffung aktuell: Im Rahmen des Redesigns, über das wir in der letzten Ausgabe sprachen, haben Sie als Unternehmen auch mehrere Strategie-Workshops durchgeführt. Wie kann man sich diese Workshops vorstellen?

Gebehenne: Fast alle Fachbereiche waren bei den Workshops anwesend, weil sie alle ihre eigenen Sichtweisen haben, die natürlich gehört und berücksichtigt werden müssen.

In einem ersten Schritt ging es darum, den Status Quo festzustellen und diesen dann über verschiedene strategische Planungsinstrumente und Techniken zu dokumentieren. Hierauf aufbauend erschließen sich recht schnell weitere Fragen: Wohin möchten wir als Unternehmen? Was wollen wir können und tun? Und wie möchten wir wahrgenommen werden? Was müssen wir bewegen, um die Antworten auf die vorangestellten Fragen zu geben und sie umsetzen zu können? So ergibt sich ein Anfang und ein Ende im Unternehmensnarrativ. Egal, ob der Weg zum Ziel kurz oder lang sein wird; wichtig ist zu wissen, dass es einen Weg gibt, dass wir diesen Weg gehen wollen und dass wir wissen, wohin er uns führt.

All dies explizit herauszuarbeiten war für alle beteiligten Personen sehr spannend und durchaus auch ungewohnt, weil solche Themen im Alltag oftmals zu kurz kommen. Es bedarf tatsächlich immer wieder eines absichtlichen Innehaltens, einer Bestandsaufnahme, um sich und das Unternehmen fit für die Zukunft zu machen.

Beschaffung aktuell: Wie hat der neue Markenauftritt die Strategiebildung beeinflusst? Welche Ergebnisse der Workshops ergaben sich konkret für Lederer?

Gebehenne: Mit dem Redesign war der richtige Zeitpunkt gekommen für ebendieses Innehalten und um sich zu fragen, ob es nur die Außendarstellung ist, die erneuert werden soll. Der neue Markenauftritt hat weniger die Strategiebildung beeinflusst als umgekehrt. Die im ersten Workshop erarbeiteten Inhalte und Ziele beeinflussten den neuen Markenauftritt! Dies war möglich, da unser Agenturpartner für die Corporate-Design-Überarbeitung an den Workshops teilgenommen und diese begleitet hat. Moderiert wiederum wurden diese ganztägigen Termine von einem auf Familienunternehmen und Strategie spezialisierten Unternehmensberater.

Wichtig war uns im Rahmen der Strategieworkshops, Geschäftsfelder genau abzugrenzen sowie endgültig und unmissverständlich zu benennen. Den „klassischen“ und eigentlich banalen Dreisprung Produkt, Dienstleistung, Mehrleistung beispielsweise mit sehr lederer-spezifischen Inhalten gefüllt zu sehen war hilfreich und zielführend. Letzteres haben wir definiert als alles, was „nichts mit Schrauben“ zu tun hat: also etwa der digitale Dokumentenaustausch oder unser Shop. Diskutiert und definiert man Geschäftsbereiche so eindeutig, wie wir es getan haben, kann man mithilfe dieser Darstellung ganz anders über die Zukunft entscheiden.

Das Interview führte Sanja Döttling,

Redakteurin Beschaffung aktuell.


Wir hören genau zu, was der Kunde will, reflektieren dies und reagieren dann schnell, zielführend und ehrlich.“
Markus Gebehenne


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