Gerd Kerkhoff, Kerkhoff Consulting, Dr. Bodo Wiegand, Geschäftsführer Prolean Consulting GmbH

„Einkauf und Produktion optimieren“

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Viele Berater haben sich spezialisiert: Kerkhoff auf den Einkauf, Prolean auf die Produktion. Jetzt gehen die beiden zusammen. Im Gespräch mit Beschaffung aktuell erläutern die beiden Geschäftsführer Gerd Kerkhoff und Bodo Wiegand diesen Schritt.

Beschaffung aktuell: Herr Kerkhoff, Sie haben sich mit Ihrem Unternehmen jetzt maßgeblich an der Prolean Consulting GmbH beteiligt, die auf „Produktionsprozessberatung“ spezialisiert ist. Warum?

Gerd Kerkhoff: In den vergangenen zwölf Monaten haben Unternehmen ihre Kostenstruktur auf Vordermann bringen müssen. Dazu haben sie – genau richtig – den Hebel Einkauf genutzt, um kurzfristig Liquidität generieren zu können. Immer wieder haben wir aber die Anfrage erhalten: Können Sie auch die Prozesse nach Eingang der Ware optimieren, um Geld zu sparen? Diese Frage mussten wir stets mit „Nein“ beantworten. Mit unserem neuen Partner Prolean an der Seite wird es uns zukünftig möglich sein, die Wertschöpfungskette in den Bereichen Einkauf, Produktion und Verwaltung komplett zu optimieren.
Beschaffung aktuell: Herr Dr. Wiegand, es heißt, die Prolean-Ingenieure würden dabei helfen, mit einem bestehenden Produktionspark mehr Güter herzustellen. Das ist schön. Aber haben die meisten produzierenden Betriebe nicht eher das umgekehrte Problem, nämlich mit einem bestehenden Produktionspark wesentlich weniger Güter herzustellen?
Dr. Bodo Wiegand: Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat dazu geführt, dass Unternehmen drastisch ihr Personal reduziert haben. Wir kennen Unternehmen, in denen bis zu 30 Prozent der Mitarbeiter in Verwaltung oder Produktion entlassen worden sind. Uns ist die Frage gestellt worden: Wie können wir mit der nun reduzierten Mitarbeiterzahl den gleichen Produktionsoutput generieren wie zuvor? Auch hier helfen wir selbstverständlich. Grundsätzlich haben wir vier Bereiche, in denen wir Beratungsleistungen anbieten. Erstens bei Einsparungen in Produktion und Verwaltung, zweitens bei Wachstum ohne Investitionen, drittens bei der Schaffung von Transparenz und viertens bei der Unterstützung, die Bedürfnisse der Kunden unserer Kunden nach mehr Individualität und Geschwindigkeit beim Warenoutput zu befriedigen.
Beschaffung aktuell: Geht Produktionsoptimierung auch, ohne zu viele gute Leute zu verlieren?
Wiegand: Die Frage ist, welche Zielsetzung Unternehmen verfolgen. Nehmen Sie die folgende Debatte: In Deutschland wird stets über Fachkräftemangel geklagt. Gerade hat eine große Strategieberatung erneut eine Studie veröffentlicht, in der Fachkräftemangel als ein großes Zukunftsproblem behandelt wird. Ich bin der Auffassung: Es gibt keinen Fachkräftemangel in Deutschland, die Produktivkraft der Mitarbeiter wird nur nicht richtig freigesetzt. Wir können dabei helfen, diese Produktivität zu steigern und das Problem damit zu beseitigen.
Beschaffung aktuell: Hat das produzierende Gewerbe hierzulande überhaupt noch eine Zukunft, wo wir doch mit Riesenschritten auf die Dienstleistungsgesellschaft zu marschieren?
Wiegand: Ihr Verlag sitzt in Baden-Württemberg, neben Bayern dem stärksten Bundesland im Bereich der mittelständischen Produktionsbetriebe. Glauben Sie im Ernst, dass diese Betriebe, teils weltweite Qualitätsführer, in Zukunft verschwinden werden? Aber Sie haben Recht: Die Wettbewerbsintensität nimmt zu, sonst müsste man uns gar nicht engagieren.
Beschaffung aktuell: Wird der Name „Prolean“ erhalten bleiben?
Kerkhoff: Bodo Wiegand und ich sind der Auffassung, dass Kerkhoff Consulting und Prolean beides starke Marken sind, die auch ihre Eigenständigkeit behalten sollten.
Beschaffung aktuell: Herr Kerkhoff, warum integrieren Sie die 35 Leute von Prolean nicht einfach. Kerkhoff ist doch mit 218 Beratern viel größer.
Kerkhoff: Die Beteiligung an Prolean war keine feindliche Übernahme, sondern eine Hochzeit von zwei Beratungsunternehmen, die sich inhaltlich ergänzen und nicht substituieren. Darum ist eine solche Allianz für beide Seiten sinnvoll. Wenn Sie das aber als reine Kooperation anlegen, ist eine Ernsthaftigkeit in der Zusammenarbeit meistens geringer, als wenn Sie gesellschaftsrechtlich und damit finanziell miteinander verwoben sind.
Wiegand: Unsere Kunden fragen nach Spezialisten – ob für den Einkauf oder für die Produktion. Prolean beschäftigt andere Berater als Kerkhoff Consulting. Unsere Leute sind überwiegend Ingenieure, ausgebildet zunächst in operativen Management-Funktionen in Unternehmen und heute Spezialisten für Lean-Management und Prozessoptimierung. Kerkhoff Consulting beschäftigt Einkaufsspezialisten, die zum Großteil Kaufleute und Betriebswirte sind. Es gibt für Gerd Kerkhoff und mich keinen Grund, diese Spezialisten künftig in einen Topf zu werfen.
Beschaffung aktuell: Sie haben einmal geschrieben, die Arbeit von Kerkhoff Consulting ende beim Eingang der Ware. Ist der Einkauf nicht auch für den internen Materialfluss zuständig?
Kerkhoff: Der Einkauf sollte an diesem Materialfluss beteiligt sein. Er sollte Schnittstellen mit Produktion, Entwicklungsabteilung, Bestandsmanagement und Logistik aufgebaut haben. Dies führen unsere Berater seit Jahren in umfangreichen Organisationsprojekten durch. Am Ende optimieren wir aber nicht den gesamten Fluss, sondern immer aus der Einkäuferbrille. Unser Job ist es, Ware einzukaufen und die Einkaufsabteilung optimal im Unternehmen zu platzieren. Dies kann Prolean künftig ganzheitlicher betrachten.
Beschaffung aktuell: Sehen Sie kulturelle Differenzen zwischen Einkaufs- und Produktionsfachleuten?
Wiegand: Wie zuvor dargelegt, gibt es selbstverständlich Unterschiede zwischen Einkaufs- und Prozessfachleuten – in der Ausbildung, im täglichen Geschäft. Gerd Kerkhoff und ich sind aber – und das muss ich hier ausdrücklich betonen – sehr glücklich, dass wir zwei Unternehmen führen, deren Wertemaßstäbe und Kultur perfekt zusammenpassen. Kerkhoff und Prolean stehen beide für Umsetzung, für hohe Transparenz und Messbarkeit und für nachhaltige Projekterfolge. Unseren Leuten ist gemein: Sie sind eher Unternehmer und Macher als Berater. Und sie können auch prima miteinander feiern, wie unsere „Hochzeitsfeier“ im März in Düsseldorf gezeigt hat.
Beschaffung aktuell: Sie haben Einblick in viele Unternehmen: Wie ist es Ihrer Erfahrung nach um den Strategischen Einkauf bestellt?
Kerkhoff: Strategischer Einkauf bedeutet für uns die Beobachtung von Märkten und Antizipation, was nun mit dem eigenen Einkauf zu tun ist. Aus meiner Sicht findet dies heute noch viel zu selten statt. Dies hat aber mit einer natürlichen Evolution der Einkaufsmanager zu tun. Vor über zwanzig Jahren, weit vor der Gründung von Kerkhoff Consulting, habe ich angefangen, für Klienten Konditionen neu zu verhandeln. Einkäufer waren Preisdrücker. In den vergangenen fünf Jahren ist vor allem die organisatorische und Management-Funktion hinzugekommen: Neben dem Aufbau von Einkaufsabteilungen sind wichtige Schnittstellen zum Beispiel mit der Entwicklungsabteilung geschaffen worden. Jetzt stehen die Einkaufsmanager vor neuen Herausforderungen: Wie entwickeln sich die Märkte, was bedeutet dies für ihre Unternehmen und wie gehen sie damit um?
Beschaffung aktuell: Und wie ist der Strategische Einkauf in der Geschäftsführung bzw. im Vorstand verankert?
Kerkhoff: Ich sage immer: Damals ging in den Einkauf, wer keine Karriere machen oder wer seine Karriere beenden wollte. Das ist heute ganz anders: Unternehmen haben erkannt, welch wichtige Stellung der Einkauf für sie hat – rein monetär und auch in Hinblick auf ihre Versorgungssicherheit in den heute so volatilen Märkten. Darum gibt es immer mehr Einkaufschefs, die nicht nur direkt unter, sondern auch bereits in der Geschäftsführung oder im Vorstand zu finden sind. Aus meiner Sicht wird dies in den kommenden Jahren noch weiter zunehmen. Einkauf wird genauso wichtig wie Vertrieb, Marketing oder Controlling. Darum gehen heute bereits die richtig guten jungen Leute in den Einkauf.
Beschaffung aktuell: Wie sehen Sie die Zukunft des Einkaufs?
Kerkhoff: Besonders in der Wirtschafts- und Finanzkrise ist Vorständen und Geschäftsführern durch Zweierlei vor Augen geführt worden, wie wichtig der Einkauf für ihre Unternehmen ist: Zum einen als Kostenhebel für die rasche Freisetzung von Liquidität. Zum anderen haben viele Unternehmen zu spüren bekommen, was Lieferantenausfälle für ihre eigene Produktion bedeuten – nämlich eine Katastrophe, die Bänder stehen still! Darum werden sich Unternehmen zukünftig stärker darum bemühen, aus den richtigen Märkten zu den richtigen Preisen eine Liefer- sicherheit herzustellen. Das bedeutet auch, dass Einkaufsmanager in der Unternehmenshierarchie aufrücken werden.
Beschaffung aktuell: Warum lesen Sie Beschaffung aktuell?
Kerkhoff: Die „Beschaffung Aktuell“ ist eines der wichtigsten Branchenblätter für das Thema Einkauf und Beschaffung. Auch wenn wir nicht immer mit Ihrer Berichterstattung übereinstimmen: Wie würden wir daran vorbeikommen?
Beschaffung aktuell: Herr Kerkhoff, Herr Wiegand, wir danken für dieses Gespräch.
Einkauf wird genauso wichtig wie Vertrieb, Marketing oder Controlling. Darum gehen heute bereits die richtig guten jungen Leute in den Einkauf.
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