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Factoring für KMUs

Finanzierungsmodell für die Industrie - Factoring
Mehr Wissen über Factoring und Reverse Factoring

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Während Leasing das Beschaffungsmanagement entlastet, zielt Factoring auf die Unterstützung des Lieferanten. Dieser verkauft seine Forderung an einen Factoring-Partner, der meist innerhalb eines Tages den gesamten Rechnungsbetrag abzüglich einer Gebühr ausgleicht. Reverse Factoring ist dagegen speziell für das Beschaffungsmanagement ausgerichtet.

Mit zunehmender Marktmacht setzen vor allem Großkunden oft immer längere Zahlungsziele durch. Im Extremfall kann das dazu führen, dass die letzte Rate erst nach Ablauf der gesetzlichen garantierten Gewährleistungsfrist bezahlt wird. Das hat Auswirkungen auf die Liquidität des Lieferanten. Dieser muss seine Services und Waren eine bestimmte Zeit vorfinanzieren beziehungsweise sein Kontokorrent beanspruchen, um Mitarbeiter und Vorlieferanten bezahlen zu können. Steigen seine Umsätze, steigt sein Finanzierungs-bedarf – oft über die vereinbarte Kreditlinie hinaus. Gleichzeitig erhöht sich auch das Ausfallrisiko; im schlimmsten Fall bis zu einer existenzbedrohenden Höhe. Factoring kann hier Abhilfe schaffen. Dabei verkauft der Lieferant seine Forderung an seinen Factoring-Partner, der umgehend den gesamten Rechnungsbetrag ausgleicht. Dieser ist ab sofort mit allen Rechten und Pflichten der Gläubiger des Kunden.

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Kommt dieser seiner Zahlungsverpflichtung nicht nach, bleibt der Factoring-Anbieter auf seiner Forderung sitzen. Laut einer aktuellen Studie des Bundesverbands Factoring für den Mittelstand (BFM) aus dem Jahr 2019 erwägen 18 Prozent der Entscheider in deutschen KMUs, ihre Liquidität in Zukunft durch Factoring zu erhöhen. Vor zwei Jahren waren es erst 14 Prozent. Interesse besteht vor allem in den Branchen Im- und Export (78 %), im verarbeitenden Gewerbe (69 %) sowie im Handel (58 %). Factoring ist dabei nicht mit dem oft negativ beleumundeten Inkasso zu vergleichen. Es kann im Gegenteil sinnvoller Bestandteil einer modernen Unternehmensfinanzierung sein. Außer einer höheren Liquidität und dem Schutz vor Ausfällen kann der Factoring-Nehmer ein längeres Zahlungsziel einräumen und aufgrund der verfügbaren Liquidität die Forderungen seiner Lieferanten umgehend bezahlen. Das bietet ihm im Einkauf die Möglichkeit, selbst Vorteile wie Skonti oder günstigere Konditionen auszuhandeln. Schon allein diese Einsparungen gleichen die Factoring-Gebühren oft aus. Darüber hinaus steigen durch die verbesserte Eigenkapitalquote Bonität und das Banken-Rating. Durch diese Vorteile befeuert, gibt es inzwischen deutschlandweit rund 250 Factoring-Anbieter, die 2018 gemeinsam 242 Mrd. Euro umgesetzt haben. Tendenz steigend: Die Zahl der Kunden ist in diesem Zeitraum um 20 Prozent auf circa 43.830 Unternehmen gestiegen. Die Factoring-Branche wächst: Im ersten Halbjahr 2019 stiegen die Umsätze der Mitglieder des Deutschen Factoring-Verbands um rund 12 Prozent im Vergleich zu den ersten sechs Monaten im Vorjahr.

Für die Beschaffung: Reverse-Factoring

Die Anbieter haben inzwischen unterschiedliche Factoring-Angebote mit spezifischen Charakteristika ausgearbeitet. Zum Beispiel Import- und Export-Factoring, das die Anforderungen und Risiken eines Grenzübertrittes abdeckt. Oder auch Full-Service-Factoring, bei dem der Kunde nicht nur einzelne Beschaffungsprojekte, sondern seine gesamte Debitorenbuchhaltung an den Factor auslagert. Ein Angebot, das vor allem auf KMUs zielt, die damit das Debitorenmahnwesen, die Zahlungskontrolle, sowie Inkasso und Rechtsverfolgung in die Hände eines professionellen Partners legen.

Reverse Factoring legt dabei besonders stark zu: 2018 um 127 Prozent auf 4,5 Mrd. Euro. Dabei geht die Initiative zum Abschluss einer bankenunabhängigen Einkaufsfinanzierung nicht vom Lieferanten, sondern von dem Beschaffer aus. Damit sorgt der Käufer dafür, dass seine Lieferanten schnell ihr Geld bekommen (vom Factoring-Unternehmen) und zuverlässig produzieren können. Gleichzeitig kann er durch die verbesserten Zahlungskonditionen unter Umständen Skonti und Rabatte aushandeln. Grundlage ist ein Dreiervertrag zwischen Lieferanten, Abnehmer und Factoring-Anbieter.


Michael Parsiegla-Amato ist bei Grenke Vice President Administration Factoring. Das Unternehmen mit Sitz in Baden-Baden ist heute in 32 Ländern vertreten und seit 2019 im MDAX gelistet. Außer Factoring bietet Grenke auch Leasing- und Bankdienstleistungen für Existenzgründer und Mittelstand.

Interview mit Michael Parsiegla-Amato, Vice President Administration Factoring Grenke-Gruppe

„Die Kosten liegen etwa im Skonto-Bereich“

Beschaffung aktuell: Wo überzeugt Factoring in der Praxis?

Parsiegla-Amato: Factoring entlastet Unternehmen bei ihrem Forderungsmanagement und sorgt dafür, dass Liquidität planbar bleibt. Bei uns haben Kunden die Wahl, ob sie sämtliche Forderungen von Grenke betreuen lassen oder nur ausgewählte Debitoren oder Forderungen in bestimmter Höhe. Dafür haben wir einen einfachen und digitalen Workflow aufgebaut. Der Lieferant stellt seine Rechnung und lädt sie in unserem Online-Portal hoch. Wir bezahlen den Betrag innerhalb von 24 Stunden. Am nächsten Tag ist das Geld auf seinem Konto.

Beschaffung aktuell: Welche Vorteile bietet Factoring im Gegensatz zu „klassischen“ Finanzdienstleistern?

Parsiegla-Amato: Da ist zuerst einmal der Servicefaktor. Statt banktypischer Bürokratie bieten wir einen persönlichen Ansprechpartner. In unserem Online-Portal legen wir großen Wert auf eine einfache Handhabung und Transparenz. Dazu kommen umfangreiche Services: Beispielsweise die Überwachung von Zahlungseingängen, die Betreuung des Forderungsmanagements und Mahnwesens sowie einen Forderungsausfallschutz. Darüber hinaus haben wir die Debitoren im Blick und geben frühzeitig Hinweise, wenn sich das Zahlungsverhalten ändert. Das ist echte Unterstützung im Tagesgeschäft.

Beschaffung aktuell: Wie flexibel ist dieses Online-Portal für den Nutzer?

Parsiegla-Amato: Das Portal bietet zuerst einmal in Echtzeit einen Überblick über alle Transaktionen – alte wie neue. Hier kann der Factoring-Nehmer aber auch noch Einfluss nehmen. Er kann für jeden Kunden individuelle Zahlungsziele vorgeben oder auch in laufende Mahnprozesse eingreifen. Er kann zum Beispiel jederzeit eine Mahnsperre setzen und seinen Kunden zur Klärung kontaktieren.

Beschaffung aktuell: Was kostet Factoring?

Parsiegla-Amato: Da kann ich natürlich nur für Grenke sprechen. Wir legen alle Kosten vorab offen. Die hängen aber von vielen Faktoren ab, beispielsweise vom Gesamtumsatz und der Debitorenstruktur. Deshalb lässt sich das nur grob pauschal beantworten: Die Kosten liegen in etwa im Skonto-Bereich.

Beschaffung aktuell: Sind Güter bzw. Branchen vom Factoring ausgeschlossen?

Parsiegla-Amato: Über Factoring lassen sich grundsätzlich alle gewerblichen Güter inklusive Services verkaufen – von der Kaffeemaschine und dem Bürodrucker bis hin zur Praxiseinrichtung oder einer Produktionsmaschine. Grenke ist spezialisiert auf die Zusammenarbeit mit kleinen, mittelständischen Unternehmen. Wer sich nicht ganz sicher ist: Wir bieten eine Probezeit von drei Monaten, in denen große und kleine Kunden Factoring ausprobieren und im Zweifelsfall unkompliziert zurücktreten können.


Michael Grupp, freier Journalist in Stuttgart

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