Startseite » Einkauf »

Nachhaltige Kleidung verlangt transparente Wertschöpfungsketten

Umweltfreundlichkeit bei Textilien nachweisen
Nachhaltige Kleidung verlangt transparente Wertschöpfungsketten

Nachhaltiger produzierte Bekleidung und Textilien sind im Mainstream angekommen. Eine transparente textile Wertschöpfungskette ist zwingend erforderlich, um das Vertrauen der Kunden zu gewinnen. Initiativen wie das U.S. Cotton Trust Protocol bieten verifizierte Daten, die ihre Fortschritte hinsichtlich einer nachhaltigeren Lieferkette auch für externe Stakeholder glaubhaft darlegen.

Gary Adam, Präsident des U.S. Cotton Trust Protocol

Über fünf Milliarden Kleidungsstücke hängen in Deutschlands Schränken, Tendenz steigend. Gleichzeitig versucht die Textilindustrie, die Mengen an CO2-Ausstoß, Wasserverbrauch und Mikroplastik zu senken. Denn das Bewusstsein der Konsumenten für ökologische Standards steigt und ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Gefragt sind vor allem ganzheitliche und glaubwürdige Ansätze, die die Bemühungen um mehr Umweltfreundlichkeit nachweisen. Ein Beleg für das Interesse der Branche an einer nachhaltigeren Herstellung und umweltverträglichen Produkten sind die gestiegenen Bemühungen der Unternehmen um hochwertige Transparenzverfahren. Verantwortliche können aufgrund der Transparenz von Textilien und Kleidung über die gesamte Lieferkette hinweg beurteilen, wie nachhaltig ihr Produkt bezogen wurde. Beispielsweise in puncto Herkunft, Umweltauswirkungen, Hersteller und Produktionsbedingungen.

Transparenz entscheidend für Glaubwürdigkeit

Komplexe Lieferketten gehen oft mit mangelnder Durchsichtigkeit einher, was wiederum die Verbesserung der Nachhaltigkeit erschwert. Eine vollständige Kenntnis der Lieferkette ist aber unerlässlich, um die Verbindung zwischen der nachhaltigen Beschaffungspolitik des Unternehmens und den tatsächlichen Nachhaltigkeitsergebnissen aufzuzeigen. Die meisten Unternehmen, die nachhaltigere Baumwolle beziehen, arbeiten aus diesem Grund mit Zertifizierungsinitiativen zusammen.

Ein Beispiel aus der Praxis für derartige Zertifizierungen ist die Baumwoll-Initiative „U.S. Cotton Trust Protocol“. Das Trust Protocol konzentriert sich auf die Baumwollproduktion in den Vereinigten Staaten. US-Baumwolle gehört bereits zu den am nachhaltigsten angebauten Baumwollsorten der Welt; nur wurde dies bis zum Jahr 2020 nicht immer adäquat erfasst und quantifiziert. Die Charta schafft messbare und verifizierbare Ziele und Messgrößen für eine nachhaltigere Baumwollproduktion und treibt deren kontinuierliche Optimierung voran.

Belegbares Umweltengagement pro Einheit Wolle

Einzelhändler können mithilfe dieser Verfahren Behauptungen über Produkte und Praktiken validieren und gegenüber den Verbrauchern kommunizieren. Die Konsumenten können sich so auf den nachhaltigeren Ursprung eines Produkts verlassen, wodurch ihr Vertrauen und die Bindung an den Händler oder die Marke steigt. Letztere profitieren durch eine erhöhte Glaubwürdigkeit. Lieferanten verzeichnen dank einer lückenlosen Transparenz ein optimiertes Management der Lieferkette, wodurch sich auch die Versorgungssicherheit erhöht.

Die Transparenz der Lieferkette wird durch die sogenannte Protocol Consumption Management Solution (PCMS) gewährleistet, die den Mitgliedern des U.S. Cotton Trust Protocol die Möglichkeit gibt, sogenannte Protocol Cotton Consumption Units zu erhalten. Das System basiert auf der von den teilnehmenden Landwirten tatsächlich geernteten Menge an Rohfasern. Sobald ein Kilogramm Baumwolle den Entkörnungsprozess durchlaufen hat, wird die Einheit auf ihre Echtheit geprüft und mit einem individuellen Barcode in die Blockchain eingeführt. Diese Identifikationsnummer ist mit der Entkörnungsanlage, dem Klassifizierungsbüro und den Qualitätsdaten der Baumwolle verknüpft. Diese präzise Dokumentationsmethode gibt den Käufern in der gesamten Lieferkette die Gewissheit, dass die von ihnen erworbenen Produkte nicht auf dem Weg ausgetauscht worden sind. In jeder Phase des Verarbeitungs- und Lieferprozesses erfolgen eine Prüfung der Bestellung sowie eine Messung und Bestätigung der Menge.

Die PCMS unterscheidet sich von vergleichbaren Lösungen durch die intelligente Kombination der Technologien der Protocol Plattform und der Textile-Genesis-Plattform. Auf diese Weise wird ein unübertroffenes Maß an Transparenz bis hin zum einzelnen Kleidungsstück in der Auslage erreicht. Jedes Mitglied der Initiative kann eine bestimmte Anzahl an Protocol Consumption Units anfordern, die erst mit dem Erwerb der entsprechenden Trust-Protocol-Faser eingelöst werden können. Dieses System ermöglicht es Marken und Einzelhändlern, ihr Umweltengagement in Bezug auf die sechs zentralen Nachhaltigkeitskriterien Landnutzung, Bodenkohlenstoff, Wassermanagement, Bodenverlust, Treibhausgasemissionen und Energieverbrauch gegenüber ihren Kunden und anderen Stakeholdern zu belegen.

Den ökologischen Fußabdruck der Trust Protocol-Baumwolle messen die Verantwortlichen direkt auf den Baumwollfeldern. Das Trust Protocol kooperiert hierbei mit seinem Datenpartner Field to Market, der den Field Print Calculator entwickelt hat. Dank dieses Tools ist es möglich, den Fortschritt der Baumwollfarmer grafisch aufzubereiten. Die Datensätze werden gebündelt und den Partnerunternehmen des Trust Protocol für deren Nachhaltigkeitsberichte übermittelt. Darüber hinaus beinhaltet das Trust Protocol ein umfassendes Verifizierungsprogramm. Die Leistung der Baumwollfarmer wird anhand der Kriterien des Protocol überprüft und anschließend durch Control Union Certifications North America als unabhängigen Dritten verifiziert.

Verlässliche Datenbasis unabdingbar

Die erhöhte Transparenz von Textilien ist sowohl für Händler als auch für Produzenten eine unverzichtbare Grundlage für vertrauenswürdige Aussagen bezüglich Nachhaltigkeitsgrad, Qualität und Herkunft ihrer Produkte. Textil- und Modefirmen werden schon jetzt stark von diesen Aspekten bestimmt und sollten sich weiter engagieren, wenn sie langfristig konkurrenzfähig bleiben wollen. Neben unmittelbaren Wettbewerbern sind hier auch strengere staatliche Reglementierungen hinsichtlich Nachhaltigkeit zu nennen, die in den nächsten Jahren erwartet werden. Mehr Rücksichtnahme auf die Umwelt in die Geschäftsstrategie aufzunehmen, stärkt somit nicht nur unser Ökosystem, sondern auch die Marktposition der Unternehmen und bedeutet einen großen Schritt in Richtung Green Economy.


Gary Adams

Präsident des U.S. Cotton Trust Protocol


U.S. Cotton Trust Protocol

Die Dokumentation durch das U.S. Cotton Trust Protocol schafft einen Rahmen für nachhaltiger angebaute Baumwolle. Sie schafft datenbasierte, belastbare Ziele und Messgrößen für eine verantwortungsvolle Baumwollproduktion und treibt die Optimierung wichtiger Nachhaltigkeitskriterien kontinuierlich voran.

trustuscotton.org

Aktuelles Heft
Titelbild Beschaffung aktuell 10
Ausgabe
10.2022
PRINT
ABO

Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de