PEFC-Einkaufsratgeber: Holz und Papier

PEFC-Leitfaden für die Beschaffung von nachhaltigen Holzprodukten

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Immer mehr öffentliche Verwaltungen setzen mit einer nachhaltigen Beschaffung von Holz- und Papierprodukten ein Zeichen gegen die Zerstörung der Wälder. Wer mit ihnen ins Geschäft kommen will, muss Nachhaltigkeitszertifikate vorlegen. Diesem Beispiel folgen inzwischen auch Einkäufer der Privatwirtschaft. Worauf beim nachhaltigen Einkauf zu achten ist, hat die weltweite Waldzertifizierungsorganisation PEFC in einem kostenfreien Leitfaden zusammengestellt.

Wälder haben eine überragende Bedeutung für die Bewahrung unserer natürlichen Lebensgrundlagen und für die biologische Vielfalt auf unserer Erde. Ihre Zerstörung aufzuhalten ist nicht zuletzt eine Frage des verantwortungsvollen Einkaufens von Holz und Papier. Aufgrund ihrer Wirtschaftskraft und ihrer engen Einbindung in die globalen Märkte können deutsche Unternehmen einen wirkungsvollen Beitrag zum Schutz der Wälder leisten und zugleich marketingrelevante Images und Reputationsgewinne erzielen. Lesen Sie, wie Sie als Einkäufer Verantwortung für die Sicherung der globalen Lebensgrundlagen übernehmen können.

Insbesondere in den Tropen und Subtropen, aber auch in Teilen Russlands, werden Wälder zumeist nicht nachhaltig bewirtschaftet. Das Ergebnis davon ist, dass in vielen Gebieten dieser Klimazonen der Wald zerstört oder zumindest stark degradiert ist. Die Bundesregierung hat aus diesem Grund schon vor einigen Jahren eine konsequente Wende vollzogen: Holz aus fragwürdiger Herkunft und daraus hergestellte Produkte dürfen von den Einrichtungen des Bundes weder gekauft noch genutzt werden.

Dabei vertraut der Bund in seiner Beschaffungsrichtlinie auf glaubwürdige Zertifikate, die die Herkunft aus nachhaltiger und verantwortungsvoller Forstwirtschaft garantieren – namentlich nach den Standards der Waldzertifizierungsorganisationen PEFC, dem „Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes“, oder FSC, dem „Forest Stewardship Council“. Das betrifft nicht nur Hoch- und Tiefbauunternehmen oder Hersteller von Büro- und Schreibwaren. Prinzipiell muss jedes Unternehmen in der Produktkette („Chain-of-Custody“), das den Naturstoff in irgendeiner Form verarbeitet, einen Nachhaltigkeitsnachweis erbringen können. Schließlich schreibt der Bund sich eine „ganzheitliche Betrachtung und Bewertung von Nachhaltigkeitsaspekten“ auf die Fahne und will anhand einer überprüfbaren Zertifikatsnummer den Holzursprung bis in die Wälder hinein zurückverfolgen können. Diese anspruchsvolle Erwartungshaltung der öffentlichen Hand spornt auch solche Betriebe an, die nicht direkt in der Richtlinie des Bundes angesprochen werden – von der Papier- und Holzwerkstoffindustrie über den Schiff- und Fahrzeugbau bis hin zur Logistik- und Verpackungsbranche.

Die Privatwirtschaft zieht mit

Dem Beispiel der Bundespolitik sind bereits zahlreiche Bundesländer und Kommunen gefolgt. Aber nicht nur die öffentliche Hand fordert mittlerweile Nachhaltigkeitsnachweise im Rahmen ihrer Beschaffungsprozesse. Auch immer mehr große Unternehmen beziehen sich innerhalb ihrer Managementsysteme auf Beschaffungsregeln des Bundes und der Länder. So lehnen sich beispielsweise die Deutsche Bank und die Deutsche Bahn an die Beschaffungsrichtlinie der Bundesverwaltung an. Für den Neu- und Ausbau von Firmenimmobilien oder Bahnwagen kommt also nur solches Holz zum Einsatz, dessen Herkunft sich zweifelsfrei belegen lässt.

Zertifikate bieten Sicherheit

Der Umwelt- und Ressourcenschutz steht keineswegs nur aus Image- und Marketinggründen im Mittelpunkt des betrieblichen Nachhaltigkeitsmanagements. Wer sein Geschäft auf Rohstoffe oder auf Produkte aus umstrittenen Quellen aufbaut, kann sehr schnell rechtliche Probleme bekommen. Ob man unwissentlich gehandelt hat, gutgläubig oder sogar besten Gewissens, interessiert in dem Moment, in dem illegale Geschäftsverbindungen offenkundig werden, niemanden mehr. „Risiken müssen und können im Bereich der Beschaffung planmäßig vermieden werden“, weiß Dirk Teegelbekkers, Geschäftsführer der Waldzertifizierungsorganisation PEFC Deutschland e. V. „Wer den Willen und das Know-how dazu hat, kann gezielt sicherstellen, dass der Rohstoff aus legalen und nachhaltig bewirtschafteten Quellen stammt.“

Zertifikate für das Risikomanagement

Mit der Aufnahme von Umweltschutz- bzw. Nachhaltigkeitsaspekten in die Leistungsbeschreibung können Einkäufer nicht nur ihren Beitrag zum „Kurz-die-Welt-retten“ leisten, sondern zugleich die Marktchancen für die Produkte des eigenen Unternehmens erhöhen und zur Risikovermeidung beitragen. Diese Ansicht bestätigt das Bundesumweltministerium im Praxisleitfaden für Unternehmen „Schritt für Schritt zum nachhaltigen Lieferkettenmanagement“. Dort heißt es: „Das Niveau des Nachhaltigkeitsengagements von Lieferanten kann die Wahrscheinlichkeit, dass in der Lieferkette negative Auswirkungen auftreten, erheblich beeinflussen. Sind Direktlieferanten und Unterlieferanten Mitglieder einer Lieferketteninitiative oder haben sie ein Managementsystem implementiert, senkt dies bereits signifikant das Risiko, dass sie geltendes Recht oder Umwelt- und Sozialstandards verletzen.“ Als Beispiele werden u. a. PEFC für Holz- und UTZ für Agrarprodukte genannt.

Unbedingt beachten

Wer an den Ausschreibungen von Bund und Ländern teilnimmt, muss in Bezug auf Holzprodukte zumindest folgende Bedingungen kennen:

  • Angebote, welche den Nachhaltigkeitsanforderungen nicht entsprechen, scheiden üblicherweise aus dem Vergabeverfahren aus.
  • Allgemein wird der Nachweis eines nachhaltigen Ursprungs vom Bieter durch Vorlage eines Zertifikats vom PEFC oder FSC erbracht. Gelegentlich werden gleichwertige Zertifikate oder Einzelnachweise anerkannt, wenn der Bieter nachweisen kann, dass er auch damit die geforderten Kriterien erfüllt. Das ist aber schwieriger zu bewerkstelligen, da meist Gutachten eines anerkannten Zertifizierungsbüros erforderlich sind.
  • Die Anforderungen und Inhalte von Zertifizierungssystemen unterliegen in der Regel einer dynamischen Weiterentwicklung. Daher ist es wichtig, die jeweils aktuellen Zertifikate (Laufzeit i. d. R. fünf Jahre) einzureichen.
  • Das bietende Unternehmen muss zwei Dokumente als Nachweis der Nachhaltigkeit einreichen: Zum einen das gültige Chain-of-Custody-Zertifikat, das auf den Namen des Lieferanten ausgestellt ist, auf den jeweiligen Standard verweist und das Logo einer Akkreditierungsstelle aufweist. Zum anderen das Begleitdokument zur Lieferung (Lieferschein oder Rechnung), in dem das betreffende Produkt explizit als PEFC- oder FSC-zertifiziert deklariert und der Zertifizierungsanteil in Prozent angegeben ist.

Nachhaltiger Anbau

Was ist UTZ ?

UTZ (ehemals UTZ-Certified) ist eine unabhängige Non-Profit Organisation, die für einen offenen und transparenten Markt für sozial- und umweltverträgliche Produkte eintritt. Im Fokus steht ein Nachhaltigkeitsprogramm, dessen Standards für Produzenten im UTZ Code of Conduct, für Verkäufer im Chain of Custody fixiert sind. Die Zertifizierung übernehmen unabhängige Zertifizierungsgesellschaften.


Info

PEFC – für den gesunden Wald

Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC, deutsch: Programm für die Anerkennung von Waldzertifizierungssystemen) verfolgt international die weltweite Verbesserung der Waldnutzung und Waldpflege. Nach eigenen Angaben ist es die weltweit größte unabhängige Organisation zur Sicherstellung und kontinuierlichen Verbesserung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung unter Gewährleistung ökologischer, sozialer und ökonomischer Standards.

Die von den Waldbesitzern einzuhaltenden PEFC-Standards entsprechen den Grundsätzen einer naturnahen Waldbewirtschaftung. Hier ein Auszug aus der Leitlinie für nachhaltige Waldbewirtschaftung:

  • Mischbestände aus standortgerechten Baumarten sind zu erhalten,
  • Kahlschläge sind zu unterlassen,
  • ein Totholzvorrat ist zu erhalten,
  • beim Einsatz von Maschinen ist der Boden zu schonen
  • der Einsatz von Pestiziden ist zu vermeiden,
  • auf die geschützten Biotope und Schutzgebiete sowie die gefährdeten Tier- und Pflanzenarten ist Rücksicht zu nehmen.

Lieferkettenzertifikat

Was ist ein CoC-Zertifikat?

Ziel der PEFC CoC-Zertifizierung ist es, lückenlos nachzuweisen, dass das gehandelte oder verwendete Material aus PEFC-zertifizierten Wäldern stammt – dem Ausgangspunkt der Handels- und Verarbeitungskette. Wird das Holz weiterverkauft oder verarbeitet, muss immer belegt werden, dass nur solches bzw. nur so viel PEFC-zertifizierte Ware weitergegeben wird, wie nachweislich in den Produktionsprozess eingespeist wurde. Jedes Unternehmen in der Produktkette muss also ein Chain-of-Custody-Zertifikat (CoC-Zertifikat) besitzen, über welches der Weg des Holzes vom Wald bis hin zum Endprodukt zurückverfolgt werden kann.


So geht nachhaltige Beschaffung

PEFC-Leitfaden als Download

PEFC bietet zum Thema einen umfassenden Leitfaden zum Herunterladen an. Auf der Website der Non-Profit-Organisation kann die 36 Seiten starke Publikation „Verantwortungsvoll beschaffen. Ratgeber für die öffentliche Beschaffung von Holz- und Papierprodukten aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung“ bezogen werden:

https://pefc.de/leit-beschaffung


Lars Langhans, Journalist, Bonn

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