Susanna Webber, Mitglied des Vorstandes der Adam Opel AG, Vice President, Purchasing & Supply Chain, Europe

Starkes Deutschland

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Opel hat in Deutschland eine seit Langem bestehende Lieferantenbasis mit vielen starken Unternehmen. Das soll so bleiben. Mit Susanna Webber, Vorstandsmitglied der Adam Opel AG, sprachen für Beschaffung aktuell Doris Jetter und Christian Mertens über das Purchasing & Supply Chain Management des Automobilherstellers.

Das Gespräch führten Doris Jetter und Christian Mertens

Beschaffung aktuell: Frau Webber, Sie wurden jetzt als Vice President Einkauf und Logistik zum Mitglied des Vorstandes der Adam Opel AG berufen. Darf man das als strategischen Schritt sehen, den Einkauf bei Opel aufzuwerten?
Webber: Die Purchasing-und-Supply-Chain-Funktion hat in unserem Unternehmen schon immer einen hohen Stellenwert und viel Verantwortung. Meine Berufung bekräftigt die Relevanz der Zusammenarbeit mit anderen Funktionen, wie dem Verkauf, dem Marketing, der Produktion und der Entwicklung.
Beschaffung aktuell: Was bedeutet das für die Zusammenarbeit hinsichtlich GM und Opel? Stellen Sie gemischte Teams auf?
Webber: Wir sind ein Unternehmen mit einheitlichen Prozessen und nutzen die Möglichkeiten weltweiter Zusammenarbeit intensiv. Allerdings ist Opel auch ein eigenständiger europäischer Unternehmensteil mit eindeutig definierten Zielen. Ich versuche nicht, den Einfluss von General Motors auf Opel zu übertragen, nur weil ich aus dem amerikanischen Teil der Organisation komme.
Beschaffung aktuell: Unterscheidet sich die Mentalität der Einkäufer in den USA und Deutschland?
Webber: Ja, genauso wie die in Südamerika oder Asien – und ich denke, dass diese Vielfältigkeit unserer Mitarbeiter einen großen Nutzen darstellt, da verschiedene Denkweisen in das Unternehmen einfließen. Wir fördern den Austausch der Mitarbeiter zwischen den Regionen. Das verbessert nicht nur die Zusammenarbeit, sondern es führt auch dazu, dass der interkulturelle Aspekt ganz selbstverständlich an den einzelnen Unternehmensstandorten präsent ist.
Beschaffung aktuell: Opel und General Motors haben in jüngster Zeit ganz erhebliche Einsparungen vornehmen müssen. Wie viel davon musste der Einkauf beitragen?
Webber: Wir betrachten Purchasing und Supply Chain nicht isoliert. Vielmehr beziehen wir alle Unternehmensfunktionen ein, um den Erfolg des Unternehmens zu verbessern.
Beschaffung aktuell: Opel ist ein internationales Unternehmen. Trotzdem gilt Opel als „sehr deutsche“ Marke. Spiegelt sich das auch in Ihrer Lieferantenbasis wider?
Webber: Die Adam Opel AG ist ein deutsches Unternehmen mit zahlreichen Lieferanten in Deutschland, aber das führt nicht automatisch dazu, dass wir bevorzugt in Deutschland einkaufen. Letztlich haben wir einen sehr umfassenden Einkaufsprozess, in dem u. a. Qualität, Service, Kosten, Technologie sowie Logistik- und Risikofaktoren berücksichtigt werden. All diese Faktoren kombiniert führen zu einer Entscheidung, von wo wir unsere Produkte beziehen. Das kann aus allen Teilen der Welt sein. Am Ende ist dies eine Entscheidung, der eine Kalkulation unter Berücksichtigung aller vorgenannten Aspekte zugrunde liegt.
Beschaffung aktuell: Ist Deutschland auch in Zukunft noch ein wichtiger Beschaffungsmarkt?
Webber: Deutschland hat eine seit Langem bestehende Lieferantenbasis mit vielen starken Unternehmen, die international hervorragend verankert sind. Ich denke das wird sich fortsetzen und wir können weiterhin auf starke deutsche Lieferanten zählen.
Beschaffung aktuell: Spielt Local Sourcing, also in der Nähe Ihrer Produktionsstätten, noch eine Rolle?
Webber: Durchaus, zumal es nicht nur um den Preis, sondern auch um die Anforderungen unserer Werke vor Ort geht. Wenn wir zusammengesetzte Teile betrachten – wie beispielsweise einen Auspuff –, haben wir diesen früher als ein ganzes Teil gesehen. Heute hingegen betrachten wir seine Einzelteile. Wir kaufen einzelne Auspuff-Elemente und ziehen dabei auch sämtliche Alternativen bei der Lieferung dieser Elemente an unsere Fertigungsstätten und die damit verbundenen Kosten in Betracht.
Beschaffung aktuell: Wie viele Beschäftigte sind z. Z. in der Purchasing-und-Supply-Chain-Funktion tätig?
Webber: Zählt man den traditionellen Einkauf, die Beschaffungsfunktion sowie die Supply-Chain-Funktion, die unter anderem auch den Bereich „Supply Operations“ beinhaltet, zusammen, beschäftigen wir weltweit rund 6000 Personen. Betrachten wir Opel/Vauxhall speziell hier in Europa, sind es rund 1500 Angestellte.
Beschaffung aktuell: Wie hoch ist heute Ihr Einkaufsvolumen?
Webber: Wir bei Opel/Vauxhall geben rund 13 Milliarden Euro für direktes Material, Aftersales, Logistik und den indirekten Einkauf aus.
Beschaffung aktuell: Welche Erfolge konnten Sie in den vergangenen Monaten und Jahren mit dem Einkauf realisieren?
Webber: Purchasing & Supply Chain ist meines Erachtens bereits eine sehr starke und gut strukturierte Funktion, die auch industrieweit durchaus eine gewisse Anerkennung genießt. Das bedeutet aber nicht, dass wir nicht noch besser werden können. Unser Unternehmen hatte in den vergangenen Jahren vieles zu bewältigen und hat dabei viel gelernt. Wir haben erkannt, dass eine kooperative Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten ein maßgeblicher Schlüssel zum Erfolg ist, sind bereit zuzuhören, auf uns zu schauen und Dinge zu ändern, wenn es notwendig sein sollte. Die Resonanz, die wir diesbezüglich erhalten, zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Beschaffung aktuell: Welche besonderen Qualitäten erwarten Sie von einem Einkäufer?
Webber: Ich erwarte, dass ein Einkäufer in meinem Team offen, ehrlich, kommunikativ und kreativ ist. Bei allem, was er tut, sollte er stets in der Lage sein, Alternativen zu suchen und auch mal den Status Quo zu ändern. Außerdem sollte er ein Teamplayer sein – sowohl im eigenen Bereich als auch in der Zusammenarbeit mit anderen Funktionen. Selbstverständlich sollte ein Einkäufer auch genau wissen, was er einkauft, und bereit sein, sich mit diesen Teilen oder Dienstleistungen zu beschäftigen. Er muss die einzelnen Elemente, kostenverursachende Risiken und auch den Produktionsprozess verstehen.
Beschaffung aktuell: Welche Netzwerke und Quellen, zum Beispiel Beschaffung aktuell, nutzen Sie zu Ihrer Information?
Webber: Ich nutze jede Art von Informationen, unter anderem Tageszeitungen, Zeitschriften, das Internet und spezielle Einkaufsmedien. Aber auch die Meinung von anderen Personen ist eine wichtige Informationsquelle.
Vielen Dank für das Gespräch!
Local Sourcing spielt durchaus eine Rolle, zumal es nicht nur um den Preis, sondern auch um die Anforderungen unserer Werke vor Ort geht.

Susanna Webber

Die Frau

begann ihre Karriere bei General Motors im Jahr 1997 als Einkäuferin in Troy, Michigan, und hatte verschiedene Positionen im Einkauf und im Kostenmanagement inne. 2003 wechselte sie als Managerin zu GM Europe und wurde 2004 zur Direktorin für den Einkauf von elektrischen Komponenten ernannt. 2006 kehrte sie in die USA zurück und war bei GM zuletzt Executive Director Global Logistics. Seit 1. September 2010 ist Susanna Webber für Einkauf und Logistik von Opel/Vauxhall verantwortlich.
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