Energieeinkauf

Tipps für Beschaffungsstrategien im unsicheren Energiemarkt

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Erst durch die gezielte Steuerung der einzelnen Kaufentscheidungen besteht eine sehr gute Chance, einen günstigeren Einkaufspreis zu realisieren, der unter dem Durchschnittspreis liegt. (Bild: Uniper Market Solutions)
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Die Energiebeschaffung im heutigen unsicheren Energiemarkt setzt ein sorgfältiges Risikomanagement voraus. Nur so lassen sich Gefahren aus unerwarteten Marktpreisschwankungen bändigen. Zugleich können schon kleinere Verbesserungen bei den Einkaufszeitpunkten klar messbare Vorteile bei den Energiekosten erzeugen.

Stetig sinkende Energiepreise: Was von 2011 bis 2015 Realität an den Großhandelsmärkten für Strom war, gehört seit 2016 der Vergangenheit an. Neben rapide steigenden Strompreisen hat der Energiemarkt insgesamt in den letzten zwei Jahren zahlreiche gravierende Veränderungen durchlebt. Auch an den Gasmärkten haben sich die Preisschwankungen zuletzt wieder erhöht und somit ein höheres Maß an Unsicherheit erzeugt. Die Anforderungen der Unternehmenslandschaft sind diffizil und vielfältig. Damals wie heute lassen sich keine pauschalen Aussagen darüber treffen, wie die optimale Energiebeschaffung aussieht. Vielmehr ist ein sorgfältiges Risikomanagement gefragt, das auf die jeweils individuellen Zielsetzungen des Unternehmens angepasst ist und die aktuelle Lage an den Energiemärkten berücksichtigt. Die folgenden fünf Grundpfeiler bieten eine Orientierung, wie diese Herausforderung gemeistert werden kann:

1. Klare Zielsetzungen definieren

Grundlage einer jeden Beschaffungsstrategie sind individuelle Zielsetzungen. Die erste entscheidende Frage lautet daher: Welche Rolle nehmen die Energiekosten ein? Nimmt der Kostenfaktor Energie etwa eine bedeutende Rolle im Unternehmen ein, so gewinnt die Beschaffungsstrategie besonders an Bedeutung. Aber selbst, wenn die Energiekosten in der Kostenstruktur eher eine untergeordnete Rolle spielen sollten, bedarf es eines sorgfältigen Risikomanagements. Denn große Preisschwankungen können auch bei einem vermeintlich geringen Energiekostenanteil empfindliche Auswirkungen auf die Gesamtkosten eines Unternehmens haben.

Daher müssen Zielsetzungen klar definiert werden. Dabei helfen Fragen wie: Wann brauche ich Preissicherheit? Was ist mein Budget? Und vor allem: Wie messe ich meinen Erfolg beim Erreichen dieser Zielsetzungen? Gibt es etwa klare Budgetvorgaben, so können diese für die Zieldefinition maßgeblich sein. Eine Alternative ist das Setzen von Benchmarks. So kann der Marktpreis selbst ein geeigneter Benchmark sein, den es zu unterbieten gilt. Aber auch ein Benchmark, der auf den Preisentwicklungen des eigenen Absatzproduktes basiert, kann ein sehr guter Vergleichswert sein, vor allem wenn diese Absatzpreise für das eigene Produkt ebenfalls starken Schwankungen unterliegen. Bei der Zieldefinition kann eine eingehende Analyse im Rahmen eines Risikoworkshops helfen.

2. Festpreis oder Streuung von Einkaufszeitpunkten?

Die meisten Einkäufer zielen darauf ab, Marktpreisveränderungen zu nutzen, um möglichst günstige Beschaffungspreise zu realisieren. Chance und Risiko liegen hierbei jedoch sehr nahe beieinander. Denn auf Phasen mit niedrigen Preisen können hohe Preise folgen und umgekehrt. Durch eine Beschaffungsstrategie, die die Kaufzeitpunkte gezielt verteilt, kann das Risiko deutlich reduziert werden. Folgt ein Unternehmen einem automatisierten Ansatz mit gleichmäßig verteilten Kaufzeitpunkten wird der realisierte Einkaufspreis letztendlich auf der Höhe der durchschnittlichen Marktpreisentwicklung liegen.

Erst durch die gezielte Steuerung der einzelnen Kaufentscheidungen besteht eine sehr gute Chance, einen günstigeren Einkaufspreis zu realisieren, der unter dem Durchschnittspreis liegt. Zugleich wird das Risiko reduziert, zu hohe Preise zu realisieren. Für viele kleine bis mittlere Unternehmen haben sich etwa drei Kaufzeitpunkte pro Quartal bewährt. Ein solches Vorgehen sichert ein rationales Handeln und ermöglicht zugleich die Nutzung von Chancen, die sich aus Marktpreisschwankungen ergeben.

Aber auch, wer bereits auf eine frühzeitige hundertprozentige Preis- oder Budgetsicherheit setzt und sich für Festpreise entscheidet, kann durch eine geschickte Wahl des Zeitpunktes für die Vertragsunterzeichnung einen beachtenswerten Vorteil für den eigenen Energiepreis erzielen und zugleich Risiken reduzieren. Generell gilt: Schon geringe Erfolge können auch bei kleinen Energieportfolios nennenswerte Kostenvorteile erzeugen.

3. Klare Limits setzen

Wurden bereits klare Zielsetzungen definiert, so ergibt sich hieraus automatisch die Notwendigkeit, klare Limits zu bestimmen, um die Erreichung dieser Ziele nicht zu gefährden. Diese Limits können auf verschiedenen Ebenen definiert und verfolgt werden. So können sich Limits etwa aus internen Risikovorgaben heraus ableiten lassen, zum Beispiel als Obergrenze für den gesamten Energiepreis. Des Weiteren können auch taktische Vorgaben in Form von operativen Preislimits umgesetzt werden, um im Rahmen einer Beschaffungsstrategie eine Hilfe bei der Entscheidungsfindung zu haben. Preislimits können immer auf zwei Seiten definiert werden und dienen dabei vor allem als Weckruf, um die selbst gesteckten Ziele nicht zu verfehlen.

4. Selbstbestimmt rational handeln und Emotionen ausblenden

Die wohl entschiedenste Grundregel für Risikooptimierung lautet: Fundierte und eigenständige Entscheidungen treffen und rational handeln. Angst und Gier waren und sind schlechte Ratgeber. Einkaufsentscheidungen sollten nicht unter spekulativen Gesichtspunkten getroffen und alles „auf eine Karte gesetzt“ werden. Vielmehr müssen das gewählte Risiko und die eigenen Zielsetzungen stets in einem ausgeglichenen Verhältnis zueinanderstehen. Dabei sollten Entscheidungen immer konsequent und zügig getroffen werden. Denn auch die Hoffnung, dass sich ungünstige Entwicklungen irgendwann wieder umkehren werden, kann empfindliche Auswirkungen auf die eigenen Energiekosten haben. Beispielhaft hierfür sind die seit 2016 stetig gestiegenen Großhandelspreise für deutschen Strom – allein die Terminpreise sind um rund 60 % gestiegen. Bei solchen Entwicklungen das Prinzip Hoffnung walten zu lassen, stellt keine geeignete Vorgehensweise dar. Es gilt also, Marktsituationen und -trends zu akzeptieren und auch auf Basis solcher Sachverhalte rational zu entscheiden.

5. Die Energiemärkte und beeinflussende Faktoren genau analysieren

Die rationale Ermittlung von optimalen Kaufzeitpunkten stellt viele Einkäufer vor eine weitere wesentliche Herausforderung. Die Märkte und deren Preisentwicklungen müssen genau analysiert werden und folgende Fragen gilt es zu beantworten: Was beeinflusst aktuell den Strom- und Gaspreis? Was ist meine Markt- und Trenderwartung für die Zukunft? Und: Was bedeutet meine Markteinschätzung für die Vorgehensweise innerhalb meiner Beschaffungsstrategie?

Diese Herausforderung wird zunehmend komplexer. Denn die Energiemärkte sind nicht mehr nur von lokalen und regionalen Faktoren abhängig. So wird der Strompreis in Deutschland maßgeblich von den Entwicklungen der globalen Kohlepreise bestimmt, deren wichtigste Treiber wiederum in Südamerika, Asien und Australien liegen. Auch der Gaspreis gewinnt zunehmend an Bedeutung für den deutschen Strompreis – etwa durch den Ausbau erneuerbarer Energien oder den Ausstieg aus der Kernenergie. Und selbst Faktoren wie das aktuelle Wetter, Kraftwerksverfügbarkeiten und Störfälle sowie geopolitische Faktoren wollen beachtet werden und beeinflussen die Wahl des Kaufzeitpunkts.

Fazit

Die zuletzt gestiegenen Preisniveaus tragen in jüngster Zeit wieder dazu bei, dass der Stellenwert der Energiekosten innerhalb der Gesamtkosten der Unternehmen wächst. Gleichzeitig wird der Energiemarkt immer komplexer und schnelllebiger. Das lässt die Energiebeschaffungsstrategie in den Fokus rücken. Ein gut organisiertes Risikomanagement hilft, Gefahren aus unerwarteten Marktpreisschwankungen zu bändigen. Zugleich können schon kleinere Verbesserungen bei den Einkaufszeitpunkten klar messbare Vorteile bei den Energiekosten erzeugen. Um den neuen Rahmenbedingungen gerecht zu werden, braucht es Expertise und Erfahrung in der Analyse der Energiemärkte sowie im Risikomanagement.

Wie dies im eigenen Unternehmen sichergestellt werden kann, ist letztendlich eine klassische Make-or-Buy-Entscheidung: Ein Unternehmen kann entweder eigene Experten beschäftigen oder das Wissen und die Erfahrung hinzukaufen. Dabei können Beratungsexperten, wie die Uniper Market Solutions, unterstützen – sei es mit der reinen Bereitstellung von Markteinschätzungen oder kompletten Portfolio-Management-Dienstleistungen. Zum Angebot zählen etwa regelmäßige Preis-Alerts, tägliche Portfolio-Beratung, Portfolio-Management, Prognosen für lokale und globale Energiemärkte, Risiko- und Strategieworkshops oder auch tiefgreifende Marktanalysen. Die Uniper Market Solutions betreut vom Standort Düsseldorf aus zahlreiche Kunden in Europa, zu denen vor allem Industrieunternehmen, Versorger und auch Kraftwerksbetreiber gehören.


Holger Fleckenstein,

Portfolio-Manager bei
Uniper Market Solutions




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