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Wissen ist Macht: Wo ist was los, was bahnt sich an, wie wird das gesteuert?

Risikomanagement – Total Supplier Management
Wissen ist Macht: Wo ist was los, was bahnt sich an, wie wird das gesteuert?

Wo könnte demnächst Ungemach für das eigene Geschäft zum Beispiel durch kritische Lieferanten drohen? Müsste man nicht sofort gegensteuern? Ja … aber wie geht das nachhaltig in unserer unstrukturierten Organisation? Wer dabei ins Stottern gerät, sollte sich schleunigst neu aufstellen. Business Analytics schafft Transparenz als unbedingte Voraussetzung für Handlungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit.

Ziel muss es sein, drohende Problemlagen frühzeitig zu erkennen und nach Möglichkeit proaktiv handeln zu können. Eigentlich keine neue Erkenntnis. Aber noch wird in (zu) vielen Unternehmen das erfolgskritische Lieferanten-Risikomanagement allenfalls reaktiv und individuell „bearbeitet“. Lieferantendefizite sind intransparent, Rollen und Verantwortung nicht standardisiert und nicht abgestimmt. Mitarbeiter mehrerer Abteilungen horten ihre „eigenen“ Informationen und führen inaktuelle, fehleranfällige Excel-Tabellen.

Formelle und informelle Informationsquellen werden nicht bereichsübergreifend zusammengeführt. Software und Daten sind oft historisch gewachsen. Die Vielzahl der Schnittstellen lässt sich nicht harmonisieren. Kurz: Das „Wissen“ ist in aller Regel rückwärts gerichtet, unstrukturiert, redundant, inkonsistent. Das Fatale daran ist, dass Entscheidungen gefällt werden, die auf irrigen Annahmen basieren. Klar, dass dann kaskadenartig angestoßene Maßnahmen teure Folgekosten nach sich ziehen, die man nicht auf dem Zettel hatte. Budgetsprenger werden als „gegeben“ hingenommen. Wer die Einführung digitaler Tools aufschiebt – etwa unter dem Vorwand „zu hoher Kosten“ oder vermeintlich „zu hohen Aufwands“, erweist seinem Unternehmen einen gefährlichen Bärendienst.

Gefährliche Unterlassung

Auch wenn bis heute nichts Gravierendes passiert ist, die Tatsache, dass sich viele Unternehmen überraschen lassen und glauben, ihre Manager würden im Notfall schon irgendwie eine „professionelle“ Handlungskette in Gang setzen, ist bar jeder Vernunft.

Viele gestandene CPOs meinen blauäugig, sie würden von ihrem Lieferanten schon erfahren, wenn es zu (massiven) Schwierigkeiten komme. Als hätte dieser nichtsbesseres zu tun als im ersten Schritt seine (diversen) Kunden zu warnen!

Während man sich im privaten Bereich gegen jedes noch so unwahrscheinliche Ereignis absichert, lässt man es in vielen Unternehmen quasi unversichert darauf ankommen – das grenzt an gefährliche Unterlassung. Wer erst mal die drastischen finanziellen Auswirkungen negativer Events anhand „echter Zahlen“ vor Augen hat, dürfte nicht mehr ganz so ruhig schlafen. Im Notfall zählt jede Minute, wie immer dieser auch aussehen mag. Die Palette ist größer als viele ahnen.

Lieferantenakte mit Rundum-Sicht

An digitalen Tools geht kein Weg vorbei. Die räumen auch im eigenen Unternehmen (endlich) auf und machen die tägliche Arbeit. Intelligente Analyseverfahren verschaffen einen Überblick über die gesamte Lieferantenbasis, identifizieren kritische Partner und schaffen damit – was wichtig ist – die Basis für aufbauende, geordnete und nachhaltige Maßnahmen.

Dabei gilt es, die Protagonisten in Einkauf, Logistik, Qualität und Technik – via ERP, SRM, CAQ und MRP – reibungslos zu verbinden. Alle brauchen die gleichen Informationen etwa zu Versorgung, Finanzrating, Sustainability und (drohenden) Problemen aller Art, die sich negativ auf die eigene Geschäftsfähigkeit auswirken könnten. Ein Business Analytics Tool sollte via Supplier Performance Matrix die Kritikalität eines Lieferanten und zugleich die angenommenen Prozesskosten im Schadeneintrittsfall aufzeigen. „Eine digitale Lieferantenakte mit 360°-Sicht zur Risikobewertung basiert auf Mustererkennung, Trend- und Prognosemodellen“, betont Prof. Dr. Robert Dust von der bbw Hochschule in Berlin. Und aus diesen Daten bzw. Informationen lässt sich dann idealerweise das (zuvor definierte) Maßnahmenmanagement für proaktive und reaktive Lieferantenprojekte ableiten.

Robert Dust steht für die Methodik des Total Supplier Management (TSM), die Prozess- und Kostenpotenziale im ganzheitlichen digitalen Lieferantenmanagements via Business Analytics generiert. Das kann in der Praxis z. B. so aussehen: Messung der Lieferantenleistung nach Durchführung von Lieferantenprojekten, mit bereichsübergreifend abgestimmten Standardmethoden, Prävention in Lieferantenbewertung und -entwicklung, Qualifizierung von Mitarbeitern sowie Lieferanten. Konkreter: Ein Truckmotorenhersteller in Mannheim hat im Supplier Management über 2000 Lieferanten in 35 Ländern zu steuern. Das TSM-Dashboard zeigt den Beteiligten u. a., wie es um die tägliche Anlieferqualität bestellt ist und welcher Lieferant der schlechteste im Monat war – gekennzeichnet mit einer roten Tomate. Ziel ist eine tagesaktuell konsolidierte Sicht über alle Werke in Sharepoint-Listen für Management und Schnittstellenbereiche hinweg (wie Einkauf, Logistik, Qualität).

Total Supplier Management

Stand heute besteht die Datengrundlage für Messung und Prognosen über Werksgrenzen hinweg, was allerdings erst eingeschränkt genutzt wird. Grund: Die Mitarbeiter haben noch starke Anknüpfungspunkte an Lieferanten und interne Schnittstellenbereiche. Die Messungen erfolgen stichtagsbezogen, die Beurteilung der Kritikalität anhand historischer Daten und Biowissen der Mitarbeiter. In diesem Jahr als nächste Schritte auf der Agenda: Lieferanten-Perfomance-Messung über alle Werke und Lieferanten nach einheitlichem Standard, klare Prozessausrichtung für Lieferantenbewertung (durch Einkauf, QM und Produktion), KPI-Prognosen (Vorausschau statt vergangenheitsbezogene Sicht) sowie automatische Sicherstellung der Datenqualität. Vorausschauende Kennzahlen aus dem Bedarfs- und Kapazitätsmanagement bieten dabei Transparenz bereits in der Lieferkette des Lieferanten anhand des operativen Systems beim Truckmotorenhersteller.

Ganzheitliches Lieferantenmanagement ist umfasst nach Prof. Dr. Robert Dust sieben Bausteine, die sich gut digital bearbeiten lassen. Mehr darüber lesen Sie in der aktuellen Studie „Total Supplier Management Risikoprävention durch Digitalisierung im Lieferantenmanagement“.

Sabine Ursel, Journalistin, Wiesbaden


Bild: Hanser Verlag

Buchempfehlung

Total Supplier ManagementLieferantenmanagement zukunftsfähig gestalten, umsetzen und anwenden.
Prof. Dr. Robert Dust
Hanser, Berlin , 2018, 168 Seiten
ISBN: 978–3–446–45747–8


Die Studie

Die Studie „Total Supplier Management – Risikoprävention durch Digitalisierung im Lieferantenmanagement“ von Prof. Dr.-Ing.Robert Dust, Martin Grastat und Jan Nicolas Heinze ist im März 2021 erschienen. Sie ist eine Kooperationsarbeit der bbw university of applied sciences mit dem BME der Region Berlin-Brandenburg und dem BMÖ.

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