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Der Weg in die Einkaufsleitung

Karrieretipps
Der Weg in die Einkaufsleitung

Der Weg in die Einkaufsleitung
Wie schaffe ich es im Einkauf ganz nach oben? Welche Wege sind die aktuellen Einkaufsleiter gegangen? Welche Kompetenzen werden erwartet? Antworten auf diese Fragen findet die Hochschule Osnabrück in einer Auswertung von LinkedIn-Daten. Bild: svetazi/stock.adobe.com
Der Karriereweg in die Einkaufsleitung verläuft bislang größtenteils traditionell und vorhersehbar – so die Ergebnisse einer Untersuchung von LinkedIn-Daten aktueller Einkaufsleiter. Doch es existieren Unterschiede zwischen Mittelstand und Konzern. Zudem zeichnen sich Kompetenzveränderungen ab.

Corona-Krise und Ukraine-Krieg, steigende Preise, Inflation und Ressourcenknappheit – der Einkauf stand und steht aktuell vor immensen Herausforderungen. Einkaufsleitungen kommt damit eine besondere Schlüsselposition für den Unternehmenserfolg zu. Grund genug, einen genaueren Blick auf diese Position zu werfen: Wie gelangen Personen in die Einkaufsleitung? Gibt es Unterschiede zwischen unterschiedlichen Alterskohorten und Unternehmensgrößen und welche Kompetenzen sind besonders relevant? Und was bedeutet das für die Karriereplanung von Einkäufern und Karrieristen, die diese Position anstreben?

Die Auswertung von LinkedIn-Daten von insgesamt 160 Einkaufsleitern in Deutschland, jeweils 80 davon aus KMU sowie Konzern, zeigte, dass 85 Prozent über einen akademischen Hintergrund verfügen. Im Konzernumfeld trifft dies in noch stärkerem Maße zu als in KMU. Die Einkaufsleitungen in Großunternehmen haben im Laufe ihrer Karriere im Durchschnitt alle sieben Jahre den Arbeitgeber gewechselt, in KMU dagegen alle fünf Jahre.

Werdegänge aktueller Einkaufsleitungen

Mit Blick auf Arbeitgeberwechsel und vorherige Erfahrungen konnten insgesamt sechs verschiedene Karrierepfade aktueller Einkaufsleitungen identifiziert werden. Es dominieren dabei die sogenannten Kaminaufstiege gegenüber verschiedenen Quereinstiegen. Im Konzernumfeld arbeitete sich fast die Hälfte der Einkaufsleiter durch klassische Beförderung innerhalb des Konzerns im Einkauf hoch (s. Abb. 1, roter Weg). In KMU gelang der Aufstieg in die Einkaufsleitung zu 34% über einen Unternehmenswechsel auf der Basis von Einkaufserfahrung in der gleichen Branche (siehe grüner Weg). Quereinstiege aus anderen Unternehmensfunktionen und Branchen, finden sich in KMU (15 %) eher als in Konzernen (nur 9 %). Führungserfahrungen vor der Übernahme der Einkaufsleitung spielen, unabhängig von der Unternehmensgröße, jedoch eine entscheidende Rolle.

Bei Quereinstiegen in KMU sind vorherige Berufserfahrungen vor allem in den Bereichen Supply Chain Management, Projekt-, Produkt- und/oder Prozessmanagement vorherrschend.

(Zukünftige) Kompetenzen für die Einkaufsleitung

Auffällig ist, dass Konzerneinkaufsleitungen in ihren Karrieren selten zwischen Konzern und KMU gewechselt haben. Von den KMU-Einkaufsleitungen dagegen starteten viele im Konzerneinkauf, bevor sie in ein kleines oder mittelständisches Unternehmen wechselten und dabei eine höhere Position einnahmen. Bis heute verlaufen Karrieren im Einkauf, und insbesondere im Konzernumfeld, daher größtenteils traditionell innerhalb der Funktion Einkauf. Auch über verschiedene Alterskohorten hinweg ist kein radikaler Trend zu einer Flexibilisierung und einer steigenden Bedeutung von Quereinstiegen zu erkennen.

Zur Identifikation der aktuell und zukünftig relevanten Kompetenzen von Einkaufsleitungen wurden neben der LinkedIn-Analyse zudem qualitative Interviews mit vier Einkaufsleitungen geführt. Darin wird deutlich, dass neben einkaufsspezifischen Kompetenzen wie Verhandlungsfähigkeit und Produktwissen insbesondere funktionsübergreifende Kompetenzen wie Führungskompetenz und strategisches Denken als besonders relevant eingeschätzt werden. In einer (Einkaufs-)Welt, die sich mit immer mehr und stärkeren Veränderungen konfrontiert sieht, gewinnen Kompetenzen des Change-Managements inklusive Kommunikations- und Kollaborationsfähigkeit und Empathie zunehmend an Bedeutung. Auch (interkulturelle) Netzwerke sowie das Teilen von Informationen werden wichtiger. Grundsätzlich fehle es vielen Stelleninhabern nach Einschätzung der Befragten heute jedoch noch an einigen dieser Kompetenzen. Daher sei es wichtig, Kompetenzen wie beispielsweise die eigene Veränderungsbereitschaft sowie ein gesamtheitlicheres und analytischeres Denken weiter auszubauen, so die befragten Einkaufsleitungen. Interessant war, dass die zunehmende Bedeutung von Digitalisierungs- und Nachhaltigkeitskompetenzen zwar erkannt wurde, dies aber im beruflichen Alltag und aktuellen Krisenmodus eine geringe Rolle spiele. Insbesondere die Nutzung von Data Science berge enormes Effizienzpotenzial, stecke aber „noch in den Kinderschuhen“, formulierte ein Einkaufsleiter.

Empfehlungen für die Karriereplanung

Die Ergebnisse zeigen, dass es starke Unterschiede zwischen Konzernen und KMU gibt. Branchen- und Produktkenntnisse spielen eine große Rolle und fördern traditionelle Karrieren, insbesondere in Großunternehmen. Die Karrieren im Mittelstand sind etwas flexibler; vor allem Projekt- und Supply Chain Management-Erfahrungen innerhalb des Unternehmens und der Branche sind – zusammen mit ersten Führungsaufgaben – häufige Sprungbretter in die Einkaufsleitung. Diese Vorerfahrungen ermöglichen interdisziplinäres Arbeiten über Abteilungsgrenzen hinweg, bauen das unternehmensinterne Netzwerk aus und ermöglichen den Überblick über die Gesamtorganisation.

Karrierewege in die Einkaufsleitung
Typische Karrieren von Einkaufsleitungen
Quelle: HS Osnabrück

Eine zentrale Erkenntnis ist die Bedeutung von Branchenerfahrungen – das zeigt die geringe Anzahl an Branchenquereinsteigern in der Einkaufsleitung-, die in Konzernen noch stärker ausgeprägt als in den KMU. Ein Grund hierfür kann der hohe Verlust von spezifischem Wissen sowie Netzwerkpartnern sein, die sich beim Wechsel zwischen den Branchen nicht kurzfristig aufbauen lassen.

Auch wenn erfolgreiche Karrieren im Einkauf bislang überwiegend eher traditionell verlaufen: Es war auffällig, dass Nachhaltigkeit, z. B. eine ganzheitlichere Lieferantenbewertung sowie konsequente Nutzung von Daten, eher als Zukunftskompetenzen gesehen wurden. In der heutigen Tätigkeit spiegeln sich diese Anforderungen noch wenig wider. Sie werden aber zukünftig den Einkauf voraussichtlich deutlich verändern. Führungs- und Change-Management – Kompetenzen haben demgegenüber schon aktuell – auf der Basis fachlicher Produkt- und Branchenkompetenzen – stark an Bedeutung gewonnen.


Die Autorinnen:

Vanessa Schlinke

Personalreferentin, best practice consulting AG


Prof. Dr. Heike Schinnenburg

Hochschule Osnabrück


Prof. Dr. Nicole Böhmer

Hochschule Osnabrück

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