Startseite » Karriere »

Karriere fördern in der Krise

Lebenslanges Lernen
Karriere fördern in der Krise

In jeder Krise stecken auch Chancen. Für Führungskräfte und ambitionierte Mitarbeitende ist nun eine gute Zeit, zu wachsen und am Puls der Zeit zu bleiben. Neben Fachwissen sollten vor allem Soft Skills geschult werden. Wer jetzt in seine Fähigkeiten investiert, ist reif für den nächsten Sprung auf der Karriereleiter.

Laut Voraussage der Experten des Weltwirtschaftsforums in Davos werden innerhalb von nur fünf Jahren 35 Prozent der Fähigkeiten, die heute auf dem Arbeitsmarkt als unentbehrlich gelten, obsolet sein“, so Buchautor Bernhard Marr. Was bedeutet dies für Arbeitnehmende und Arbeitgebende und versetzt uns lebenslanges Lernen in Angst und Schrecken, oder sehen wir es als Chance?

Arbeitnehmende

Für Arbeitnehmende bedeutet dies, ihre innere Einstellung auf lebensbegleitendes Lernen zu programmieren, es als Selbstverständlichkeit und persönlichen Gewinn anzunehmen und kontinuierlich in den Arbeitsalltag zu integrieren.

Viele Beschäftigte scheinen noch immer im alten Denken zu verharren, dass ihr Wissen aus einer Ausbildung von wenigen Jahren und gelegentlicher Fortbildung ausreicht, um gute vierzig Jahre gewinnbringend zu arbeiten. Doch in den meisten Fällen ist das nicht gegeben. Vielmehr sind Mitarbeitende heute immer mehr gefordert, sich weiterzubilden und sich dem Konzept des lebenslangen Lernens zu öffnen.

Die gute Nachricht dazu ist: Dies war nie einfacher als heute, denn die digitalen Möglichkeiten sind fast grenzenlos und nicht selten wenig kostspielig – angefangen von kostenlosen Online-Kursen bis hin zu hochqualifizierten Einzelcoachings und -trainings.

Diese Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen sind notwendig:

  • Freiwilligkeit
  • Eigeninteresse
  • Selbstmotivation
  • Zielfokussierung
  • Erkennen des Eigennutzens

Einen modernen Ansatz für erfolgreiches Lernen bietet das 70–20–10-Modell. Demnach werden nur 10 Prozent aus traditioneller Weiterbildung, 20 Prozent von Kollegen und Vorgesetzten erlernt und erstaunliche 70 Prozent entstehen durch Bewältigung schwieriger Aufgaben und beruflicher Herausforderung. Im Umkehrschluss heißt das: Wissen aus der Ausbildung reicht nicht aus. Fortbildung muss her!

Arbeitgebende

Für das Management und die Konzernlenkung bedeutet lebenslanges Lernen nicht nur den Raum für digitales und physisches Lernen einzuräumen, also auch von anderen lernen zu können, sondern auch den Raum zum Ausprobieren zu gewähren, was wiederum die notwendige Fehlerkultur in Unternehmen voraussetzt. Dies sowie ein hohes Maß an Unterstützung sind Voraussetzungen dafür, dass Mitarbeitende motiviert sind, sich weiterzuentwickeln, offen für unliebsame Themen und gewillt sind, sich auch diese anzueignen.

Die Praxis sieht jedoch anders aus: Unternehmen bieten ihren Mitarbeitenden oftmals kein geeignetes Umfeld, um effektiv lernen zu können. Gerade das Lernen am Arbeitsplatz und die damit einhergehende Verbindung von Theorie und Praxis ist besonders erfolgreich und nachhaltig. Denn Erlebnisse bleiben uns nachhaltig im Gedächtnis. Lernen muss also dort möglich sein, wo die eigentliche Tätigkeit ausgeführt wird. Das ist im Homeoffice besonders schwierig und generell in der agilen Arbeitswelt nicht so einfach.

Diese Voraussetzungen sollte der Arbeitgebende schaffen, damit Lernen möglich ist:

  • ein Bewusstsein für die Förderung individueller Weiterentwicklung, ohne Lernen als Mangel erscheinen zu lassen.
  • Motivation, die zur Einsicht und Freiwilligkeit führt
  • Lernangebot unterbreiten
  • Lernumgebung für die optimale Personalentwicklung schaffen
  • Zeitliche und räumliche Möglichkeiten schaffen
  • Kostenübernahme klären
  • Zielvereinbarung treffen
  • Fehlerkultur besprechen, vereinbaren und etablieren

Soft Skills an erster Stelle

Abgesehen von Fachkompetenzen, zu denen in der Zukunft weiterhin die Digitalisierung und KI gehören, stehen die Soft Skills an erster Stelle für Führungskräfte. Auch das Homeoffice ist ein großes Thema heute und in Zukunft.

Führungskräfte sind für das bedeutsamste und sensibelste Gut ihres Unternehmens verantwortlich: die Mitarbeitenden. Dieser Herausforderung müssen sie gewachsen sein, wenn sie ihren Arbeitsplatz sichern und in ihrer Karriere vorankommen wollen. Durch flache Hierarchien hat sich die Führungsspanne und damit der Anspruch an sie kontinuierlich erhöht. Viele Führungskräfte sind so stark im operativen Geschäft eingebunden, dass ihnen die Zeit für Führungsaufgaben fehlt. Dabei rücken diese heute schon deutlich in den Vordergrund und werden auch zukünftig im hohen Maße eingefordert. Sie haben Coach, Enabler, Mentor und Motivator zu sein und die fachliche Ausarbeitung den Mitarbeitenden zu überlassen.

Mehr denn je ist es wichtig, Mitarbeitende an ihr Unternehmen zu binden, da auf dem Markt in vielen Bereichen Fachkräftemangel herrscht. Soft Skills wie Kommunikation, Motivation, Einfühlungsvermögen und emotionale Intelligenz, die zur Förderung und Entwicklung der Mitarbeitenden führen, sind die Faktoren, die dabei eine Rolle spielen. Gerade die Kommunikation ist ein sehr sensibles Thema und bleibt bei vielen Führungskräften auf der Strecke. Es wird zu wenig und zum Teil völlig falsch kommuniziert. Statt zu motivieren, werden manches Mal Zustände geschaffen, die demotivierend wirken – ob nun gewollt oder ungewollt. Das Homeoffice verstärkt diese Problematik.

Unternehmenskultur

Einen weiteren wichtigen Punkt betrifft die Unternehmenskultur, die es auch im Homeoffice und remote aufrecht zu erhalten und erlebbar zu machen gilt. Denn die Unternehmen könnten durch die Isolierung der Mitarbeitenden im Homeoffice wichtiges kulturelles Kapital verlieren. Das Büro, wie wir es bisher kennen, ist ein Inkubator für kluge Ideen und diese sind meist das Ergebnis gemeinschaftlicher Prozesse, einer im Idealfall unverwechselbaren Kultur, die Neues und Wertvolles hervorbringt – manches Mal, wenn es gar nicht beabsichtigt wurde.

Das Homeoffice hingegen verstärkt die Vereinzelung, erschwert Teamgeist und Solidarität, die Möglichkeit, dass Kollegen Erfahrungen austauschen, voneinander lernen und Missstände ausräumen können. Nicht nur das kollegiale Miteinander leidet, auch der Kontakt zum Kunden ist betroffen. Um der Vereinsamung und dem Verlust der Unternehmenskultur entgegenzuwirken, benötigen Unternehmen einen (digitalen) Ort, an dem Begegnung, Austausch und Inspiration möglich sind und die Unternehmenskultur spürbar und sichtbar wird – fernab von Meetings und Fachgesprächen. Kreativität darf sich hier ausbreiten und für Gemeinsamkeit und gemeinsames Erleben sorgen. Wichtig ist, dass es regelmäßig in einem für alle erreichbaren Raum – ob virtuell oder reell – stattfinden kann. Geht die Unternehmenskultur verloren, hat dies atmosphärische und betriebswirtschaftliche Folgen.

Bereitschaft zu Fortbildung wächst

Trotz Aussicht auf Impfung bleibt die Zukunft ungewiss: Es ist höchst unwahrscheinlich, dass es eine Rückkehr an den Arbeitsplatz gibt, wie wir ihn bisher kannten. Die Anforderungen der Unternehmen an die Fähigkeiten und Fertigkeiten ihrer Mitarbeitenden hat sich bereits verändert. Die Corona-Krise hat UnternehmerInnen und Mitarbeitende flexibler gemacht – gerade auch für die eigene Fortbildung. Webinare und digitale Lernformate boomen, die Bereitschaft, sich fit für die Zeit nach der Pandemie zu machen, wächst stetig. Auch UnternehmerInnen selbst ergreifen zusehends die Chance, an ihren Skills zu arbeiten.


Bild: David Sonntag

Britta Balogh

Karriere-Coach, systemischer Coach für Führungskräfte und Autorin

www.balogh-coaching.de

Aktuelles Heft
Titelbild Beschaffung aktuell 6
Ausgabe
6.2022
PRINT
ABO

Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de