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Gaspreise in Europa: Up, up and away?!

Meinung
Gaspreise in Europa: Up, up and away?!

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Der Autor: Prof. Dr. Robert Fieten, wissenschaftlicher Berater der Beschaffung aktuell, Köln

Kein Zweifel: Vielen energieintensiven Unternehmen und auch den privaten Haushalten droht ein Energiepreisschock. Die Energiepreise steigen rasant und sind kaum berechenbar. Besondere Sorgen bereitet zurzeit die Gaspreisentwicklung. Im europäischen Großhandel kostet eine Megawattstunde Gas zu Beginn Oktober 2021 mehr als 90 Euro. Damit ist eine Verdopplung innerhalb von fünf Wochen eingetreten! Da mit Gas nicht nur Wärme sondern auch Strom erzeugt wird, ist Strom im Großhandel mittlerweile doppelt so teuer wie im Januar 2021.

Die Gründe für die Gaspreissteigerungen sind darin zu sehen, dass infolge des schnellen globalen Wirtschaftsaufschwungs nach der Corona-Pause auf der ganzen Welt viel Gas nachgefragt wird. Das Gasangebot aus Russland und Norwegen, aber auch die Flüssiggasexporte aus den USA nach Europa sind nicht entsprechend gesteigert worden; sie wurden sogar eher verringert. Die Gasspeicher Europas sind leer. Über die wirtschaftlichen und sicher auch politischen Gründe dieser Angebotsentwicklung kann man nur spekulieren. Der Kreml will erreichen, dass die neue Ostsee-Pipeline schnellstens in Betrieb genommen wird. Das geht jedoch erst dann, wenn die Bundesnetzagentur zertifiziert, dass der Netzbetreiber Nord Stream 2 AG und der Gaslieferant Gazprom ausreichend voneinander getrennt sind. Dies kann bis Januar dauern, und vorher dürfte aus Russland nicht mehr Gas nach Europa kommen. Wegen der aktuellen Knappheit ist daher wohl weiterhin mit erratischen Preissprüngen zu rechnen. Neben Gas hat auch der Weltmarktpreis für Steinkohle deutlich angezogen, und nicht zuletzt haben auch die Ölpreise wieder lichte Höhen erklommen.

Überall in Europa (und nicht nur dort) verteuern sich Gas, Benzin und Strom stark. Die hohen Energiekosten belasten massiv die Unternehmen, die Haushalte und nicht zuletzt auch die Energiewende. Dass fossile Energieträger teurer werden, ist politisch gewollt: Grenzwerte, Vorgaben und steigende CO2-Preise sollen die Wirtschaftsakteure hin zur Nutzung emissionsfreier Energiequellen leiten. Wenn dabei jedoch die Preise überschießen, dann drohen eine harte Ausbremsung der Industrie und soziale Spannungen. Viel schneller als gedacht greift daher zurzeit die Politik massiv in die Energiemärkte ein. So hat Frankreich am 1. Oktober eine Deckelung der Heizkosten angekündigt.

Was sollten unsere Unternehmen angesichts steigender Energiekosten tun? Kurzfristig müssen sie sich in ihr Schicksal fügen. Es müssen alle technischen Möglichkeiten zur Steigerung der Energieeffienz ausgeschöpft werden, denn eingesparte Energie braucht man gar nicht erst zu erzeugen. Dazu bedarf es einer smarten, KI-gestützten Steuerung der Produktion, und vor allem müssen nach dem Motto grün und kühn innovative Technologien zur Energieerzeugung forciert werden. Dies dauert seine Zeit. Die Politik muss für die Energiewende die Rahmenbedingungen und Anreize schaffen. Wer geglaubt hatte, die Energiewende gebe es zum Nulltarif, der schlägt spätestens im Herbst 2021 auf dem harten Boden der Realität auf. Es wird teuer in den nächsten Jahren!

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