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Globaler Gambit

Kommentar
Globaler Gambit

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Sanja Döttling, Redakteurin Beschaffung aktuell

Schach ist wieder cool; immer mehr Menschen widmen sich dem altem Brettspiel. Das berichten übereinstimmend Medien wie die Süddeutsche und der SWR. Dazu beigetragen hat nicht nur die erfolgreiche Netflix-Serie „Damengambit“, sondern auch die Corona-Krise. Schach lässt sich schon zu zweit und gut als Online-Partie spielen. Und lange beschäftigt ist man auch: denn Schach ist kompliziert. Al-Mamun, Kalif im 9. Jahrhundert, soll gesagt haben: „Erstaunlich, dass ich die Welt vom Indus im Osten bis Andalusien im Westen regiere und nicht der 32 Schachfiguren auf 2 mal 2 Ellen Fläche Herr werde.“ Schach, so kann man meinen, ist also auch der metaphorische Kommentar zum augenblicklichen Weltgeschehen: Denn das auf den ersten Blick so einfach wirkende Spiel hat eine Komplexität, die kaum zu begreifen ist. Ähnlich geht es heute Unternehmen. Ihre „sicher“ geglaubten Lieferketten, aber auch ihre interne Unternehmensstruktur ändern sich; unvorhersehbare Komplexität eröffnet sich in vielen Bereichen, die zuvor als unproblematisch gesehen wurden.

So ist es etwa mit der Komplexität der globalen Lieferbeziehungen. Unser wissenschaftlicher Berater Robert Fieten bemängelt in seinem Meinungsbeitrag (Seite 67) überoptimierte Lieferketten, die Klimaveränderungen, Unfälle wie der im Suezkanal und die Corona-Pandemie nicht mehr abfangen können, und plädiert für ein besseres (teures) Risikomanagement — Kosten, die wir unserer Kurzsichtigkeit und der Unterschätzung der Komplexität zuschreiben müssen. Uwe-Karsten Städter, CPO Porsche AG, erklärt im großen Einkäuferinterview auf Seite 14, wie er diese Herausforderungen in der Beschaffung angeht.

Auch höhere Anforderungen an die Transparenz der Lieferketten steigern die Komplexität. Das sogenannte Lieferkettengesetz, das Unternehmen eine Sorgfaltspflicht für eingekaufte Güter auferlegt, gilt nahezu als beschlossen (Seite 28). Dies nimmt Unternehmen in die Pflicht, ihren eigenen Beschaffungsprozess transparenter aufzuschlüsseln.

Komplexität bedeutet auch, neue Lieferanten zu finden, um Risiken abzufedern. Dabei kann die NLPP-Software des Anbieters Saphirion helfen, die konkrete Zielpreisformeln für ein bestimmtes Produkt oder einen Lieferanten entwickelt (Seite 26).

Die Welt hat ihre Figuren gespielt. Jetzt sind Sie,
liebe EinkäuferInnen, am Zug.

Sanja Döttling,
Redakteurin Beschaffung aktuell
sanja.doettling@konradin.de

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