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Kommentar

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In der Sackgasse

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Sabine Schulz-Rohde, Beschaffung aktuell Bild: Konradin

Früher galten die Rohstoffmärkte als eher langweilig, jetzt sind sie Stoff für tägliche Schlagzeilen. Dabei fällt es einem zunehmend schwer bei den vielen Ereignissen und deren Folgen, den Überblick zu bewahren, nicht nur die Rohstoffe betreffend. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, der BME, das GTAI (Germany Trade & Invest) und wahrscheinlich noch eine Reihe anderer Institutionen und Verbände informieren derzeit täglich über die wirtschaftsrelevanten Geschehnisse sowie Auswirkungen des Krieges in der Ukraine. Experten sehen eine Spirale aus Sanktionen und Gegenreaktionen, die auf beiden Seiten Lieferengpässe verursachen.

Aber während wir noch gebannt auf die Öl- und Gashähne der russischen Quellen blicken, gewinnt weiter östlich eine noch größere Macht die Oberhand über unsere Wirtschaft: China. Dort hat man sich den Zugang zu den Materialien gesichert, die für die moderne Technologie wichtig sind. Dabei reden wir nicht nur von Rohstoffen, die in China selbst vorkommen, sondern auch von denen aus Afrika. Das ist längst bekannt, wird aber trotzdem kaum problematisiert oder zum Anlass genommen, eigene Zugänge zu sichern. Deshalb: Bleiben Sie informiert und bewahren Sie Ihren kritischen Blick auf die Quellen.

Ende März gab der Volkswagen-Konzern bekannt, dass er, um auch in Zukunft ausreichend Kobalt und Nickel zur Verfügung zu haben, zwei neue Joint Ventures mit Unternehmen aus China (!) gründet. Dort, wo ein Staats- und Parteichef sich immer mehr von den westlichen Demokratien abwendet, sucht der deutsche Autobauer seine Partner für die Zukunft. Sicherlich wichtig, um die Absatzmärkte in China zu sichern, wenn man vor allem auf die batteriebetriebenen Antriebe setzt. Aber ist es klug für die langfristige Zukunft des Unternehmens und seiner Zulieferer?

Zugegeben, ich habe auch keine Lösung für die aktuellen Probleme und Krisen. Aber es macht mir Angst, zu sehen, wie sich unsere Industrie in Abhängigkeit von nicht demokratischen Staaten begibt, deren vorrangiges Ziel es ist, den eigenen Einflussbereich auszubauen und dabei völlig skrupellos vorgehen. Denen geht es um Macht über die Weltwirtschaft, die dann sicherlich nicht mehr nach den ökonomischen Prinzipien der Globalisierung funktioniert, sondern nur noch dazu da ist, den Wohlstand ihrer Getreuen zu mehren.

Sabine Schulz-Rohde, Verantwortliche Redakteurin, Beschaffung aktuell, sabine.schulz-rohde@konradin.de

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