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Krise als Chance – Energieeffizienz steigern

Meinung
Krise als Chance – Energieeffizienz steigern

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Der Autor: Prof. Dr. Robert Fieten, wissenschaftlicher Berater der BA, Köln

Wie ernst die derzeitige Lage für die deutsche verarbeitende Industrie ist, führt uns der neueste S&P-Global/BME-Einkaufsmanagerindex klar vor Augen. Der EMI für September 2022 ist mit 47,8 auf ein 27-Monatstief gefallen. Die Neuaufträge sind rückläufig und die durch die Energiekrise angeheizte Kosteninflation hat nach zeitweiliger leichter Beruhigung wieder zugenommen. Da hier kein Ende in Sicht ist, geht bei vielen, vor allem den energieintensiven, Unternehmen die nackte Existenzangst um. Und dies aus zwei Gründen: Erstens können sie die hohen Strom- und Gaspreise nicht mehr im eigentlich erforderlichen Umfang an ihre Kunden weitergeben. Zweitens wird es für immer mehr Unternehmen insbesondere Mittelständler deutlich schwieriger, überhaupt noch Energieversorgungsverträge abzuschließen.

Es ist keine Schwarzmalerei zu sagen, dass der Industriestandort Deutschland in Gefahr ist, denn auch hier gilt die Regel „industry follows energy“. Die Hersteller von Stahl, Chemieprodukten und Düngemitteln haben ihre Produktion in Deutschland bereits teilweise drastisch reduziert. Sicherlich ist es nur ein schwacher Trost, dass auch unsere Nachbarn in der Euro-Zone leicht abgeschwächt ähnliche Probleme haben. Das Menetekel steht an der Wand: Die Industrieproduktion in der Euro-Zone ging innerhalb eines Jahres bereits um 2,4 Prozent zurück und dies dürfte noch nicht das Ende sein. Die Kostenexplosion treibt immer mehr Unternehmen an den Rand der Insolvenz. Auch trotz oder wegen der gut gemeinten staatlichen Hilfen nimmt die Anzahl der Zombie-Unternehmen zu. Dabei handelt es sich um Firmen, die mindestens drei Jahre in Folge ihre Zinslast nicht aus ihrem operativen Geschäft decken können. Experten von A. T. Kearney beziffern deren Anteil in Europa auf 5,5 Prozent – Tendenz steigend. Einkäufer müssen also die Zombies unter ihren Lieferanten genau im Blick behalten!

Sollen wir nun angesichts der düsteren Gegenwart resignieren? Nein, wir sollten uns den Appell von Sir Winston Churchill „Never waste a good crisis“ zu eigen machen und erkennen, dass die Krise – so schmerzhaft sie ist – auch Chancen für neue Lösungen bietet. Diese lassen sich am besten erschließen durch ein konstruktives Zusammenwirken von Politik und Industrie. Was ist zu tun? Erstens muss das dank der viel zu lange währenden billigen russischen Gaslieferungen stark vernachlässigte Energiesparen endlich Top-Priorität gewinnen. Zweitens müssen sich unsere Unternehmen der neuen, wohl dauerhaften Realität anpassen mit einem neuartigen Energiemix (Stichworte: Solarenergie, Wasserstoff, Photovoltaik, Bio- oder Propangas). Drittens müssen auf ganzer Linie forciert neue energieeffizientere Technologien zum Einsatz kommen. Zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang effizientere Pumpen und Motoren, die bessere Nutzung der Prozesswärme sowie digital gesteuerte Gebäudetechnik.

Unsere Unternehmen sind in der Lage, zukunftsfähige Lösungen zu finden, die im Übrigen auch wieder zu neuen Geschäftsmodellen führen werden. Und die Politik? Sie sollte den Wandel unbürokratisch begleiten.

Prof. Dr. Robert Fieten, wissenschaftlicher Berater der Beschaffung aktuell

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